Aus nach 225 Jahren

Melitta schließt Papierfabrik - 115 Jobs fallen weg

Die Papierfabrik Neu Kaliß (Mecklenburg-Vorpommern) schließt nach 225 Jahren. 115 Beschäftigte verlieren ihren Job. Die Gemeinde steht unter Schock.

Author - Sebastian Karkos
Teilen
In Mecklenburg werden sogenannte Tapetenvliese, elektrisch leitfähige Vliese und Furniervliese hergestellt.
In Mecklenburg werden sogenannte Tapetenvliese, elektrisch leitfähige Vliese und Furniervliese hergestellt.Melitta-Group

Ende. Die Papierfabrik in Neu Kaliß (Landkreis Ludwigslust‑Parchim/Mecklenburg-Vorpommern) macht dicht. Und mit ihr stirbt ein Stück Industriegeschichte.

Zum 31. März schließt die Melitta‑Gruppe den Standort: 115 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, wie Bürgermeister Burkhard Thees gegenüber dem NDR bestätigte. „Das geht tief rein. Wer über Neu Kaliß spricht, spricht über Papierhersteller.“ Für die kleine Gemeinde mit nur 1.870 Einwohnern ist die Nachricht ein Schock.

Nach Angaben des Unternehmens sei die Geschäftslage seit Jahren rückläufig, unter anderem weil wichtige Absatzmärkte weggebrochen seien – darunter Russland. Eine Insolvenz liegt nicht vor, betont Melitta, weitere Hintergründe sollen in den kommenden Tagen bekanntgegeben werden. Die Belegschaft erfuhr in einer kurzfristig einberufenen Versammlung von der Schließung. Auch die lokale Werksleitung war offenbar zuvor nicht informiert worden.

In Neu Kaliß wird seit 225 Jahren Papier hergestellt

Die Entscheidung bedeutet das Ende einer mehr als 225‑jährigen Tradition. Bereits im 18. Jahrhundert wurde in Neu Kaliß Papier hergestellt, später entstanden Fabrikgebäude, zuletzt moderne Anlagen im Industriegebiet. 1992 übernahm Melitta den Standort und investierte in ein neues Werk, das für Spezialpapiere und Tapeten produziert hat. Doch der Markt brach ein: Tapeten gelten nicht mehr als Trendprodukt, die Nachfrage nach Spezialpapieren sank.

Trotzdem gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Die Fabrik gilt als modern, die Anlagen als leistungsfähig. Thees setzt darauf, dass sich ein neuer Investor findet. Der Bürgermeister zu BILD: „In die moderne Fabrik wurde immer weiter investiert. Vielleicht findet sich ja ein Käufer und ein anderes Unternehmen siedelt sich hier an.“ Für die Angestellten soll einen Sozialplan ausgearbeitet werden.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com