Schon jetzt können viele Senioren nicht mehr gut von ihrer Rente leben. Da das deutsche Rentensystem überlastet ist – die Bundesrepublik ist einfach „zu alt“ –, wird es tendenziell immer schlimmer. Eine Umfrage zeigt jetzt, dass vor allem die Ostdeutschen eine rabiate Lösung bevorzugen würden.
Ostdeutschland stellt sich klar hinter die gesetzliche Rente
Die gesetzliche Rentenversicherung stößt in Deutschland weiterhin auf breite Zustimmung – das zeigt sich vor allem in der klaren Ablehnung von Kürzungen. Besonders deutlich wird das in Berlin und Brandenburg. Das belegt die repräsentative ARD‑Umfrage „Deine Meinung zählt“, die Infratest Dimap durchgeführt hat. Bundesweit sprechen sich 77 Prozent der Befragten gegen Einschnitte in der gesetzlichen Rente aus, lediglich 16 Prozent halten Kürzungen für richtig. In Berlin und Brandenburg fällt das Votum noch eindeutiger aus: Nur elf Prozent befürworten Einschnitte, ganze 78 Prozent lehnen sie ab.
Gerade in Ostdeutschland hat die gesetzliche Rente eine besondere Bedeutung. Viele Menschen sind stark von ihr abhängig, zusätzliche Betriebsrenten oder private Vorsorge sind weniger verbreitet. Entsprechend hoch ist das Bedürfnis nach Sicherheit.

Der SPD‑Generalsekretär in Brandenburg, Kurt Fischer, sieht in dem Umfrageergebnis eine logische Folge dieser Realität. „Wenn es um das Thema Rente geht“, so Fischer gegenüber rbb24, „muss man immer als erstes sagen, dass gerade in Ostdeutschland die gesetzliche Rente der zentrale Pfeiler der Altersvorsorge ist. Und dass es deswegen gerade für uns aus ostdeutscher Perspektive wichtig ist, die gesetzliche Rente zu sichern und zu stärken. Und insofern ist es wichtig, dass man die Rente zukunftsfähig macht und nicht leichtfertig über ein Abschleifen der gesetzlichen Rente spricht.“
Kritik an Kanzler‑Aussagen und Warnung vor Sozialabbau
Die klare Haltung aus Berlin und Brandenburg steht im Kontrast zu Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der die gesetzliche Rente zuletzt als reine „Basisabsicherung“ bezeichnet hatte. Eine Rentenkürzung schloss Merz zwar ausdrücklich aus, dennoch sorgte seine Einordnung für Verunsicherung. Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, warnt vor einer Abwertung der gesetzlichen Rente, gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen.

Gegenüber rbb24 sagte sie, sie könne es „absolut nachvollziehen, dass die Menschen sich auf die gesetzliche Rentenversicherung verlassen wollen“. Gerade und insbesondere in ostdeutschen Bundesländern, aber auch in allen deutschen Bundesländern ist es für Menschen mit wenig Geld, und mit wenig Einkommen die wichtige Absicherung. Da ist natürlich die Aussage des Kanzlers schon schwer irritierend, dass es maximal eine Basis sein kann. Das ist eben für Menschen, die keine betriebliche Altersvorsorge haben und nichts weglegen können, keine gute Zukunftsaussicht.“
Mehrheit fordert Pflichtbeiträge für Beamte
Wie die Rente künftig reformiert wird, ist noch offen. Sicher scheint lediglich, dass Veränderungen kommen werden. In Brandenburg verweist der CDU‑Fraktionsvorsitzende Steeven Bretz auf die Arbeit einer Rentenkommission, die derzeit Vorschläge erarbeitet. Grundlegende Neuerfindungen erwartet er jedoch nicht. „Man muss ja kein Genie sein“, so Bretz, „um festzustellen, dass es auf einen Mix hinauslaufen wird, der private Elemente beinhaltet, der betriebliche Elemente beinhaltet, der aber auch ganz klar darauf setzt, dass es nach wie vor auch in Zukunft eine gesetzliche Rente geben wird“.

Gerade bei der Finanzierung sehen viele Menschen jedoch konkreten Handlungsbedarf – und eine klare Lösung. Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Bundesweit sprechen sich 86 Prozent dafür aus, auch Beamte und Selbständige künftig zur Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse zu verpflichten. In Berlin und Brandenburg liegt dieser Wert sogar bei 88 Prozent, nur zehn Prozent lehnen das ab.
Bislang erhalten Beamte Pensionen, ohne jemals Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt zu haben. Auch Selbständige und viele Gutverdiener sind von der Beitragspflicht befreit – der Rentenkasse entgehen damit ausgerechnet hohe Einzahlungen.
Kein höheres Rentenalter, aber längeres Arbeiten bei späterem Einstieg
Skeptisch zeigen sich die Menschen in der Hauptstadtregion dagegen bei Vorschlägen, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. 68 Prozent der Befragten in Berlin und Brandenburg lehnen das ab, lediglich 24 Prozent halten diesen Weg für sinnvoll. Offenheit gibt es hingegen bei einem anderen Ansatz: die Rente stärker an die Zahl der Beitragsjahre zu knüpfen. 65 Prozent finden es angemessen, dass Menschen, die später ins Berufsleben einsteigen, auch länger arbeiten. Nur 22 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Die Umfrage zeigt damit ein klares Bild: In Berlin und Brandenburg gibt es breite Unterstützung für die gesetzliche Rente – und einen starken Wunsch nach mehr Gerechtigkeit im System. Besonders die Forderung, Beamte und Selbständige in die Rentenkasse einzubeziehen, findet hier deutlich mehr Rückhalt als anderswo.



