Europas Rentensysteme wackeln und der Druck wächst und wächst. Während in Deutschland bereits hitzig über längere Lebensarbeitszeiten diskutiert wird, geht ein europäisches Land schon den nächsten Schritt: Das Renteneintrittsalter steigt dort weiter an und das heißt: Schluss mit der Rente mit 67!
Hitzige Debatte um Rente mit 70
Wie auch in anderen Ländern steht in Deutschland die Bundesregierung in der Renten-Klemme. Die Rentenkassen leeren sich wegen der Überalterung der Gesellschaft, eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters scheint die einzige mögliche Lösung aus dem Dilemma.
Das Renteneintrittsalter steigt in Deutschland auf 67 bis 2031, eine Debatte über die Rente mit 70 läuft bereits. Eine Regierungskommission wurde eingesetzt, um solche Reformvorschläge zu prüfen. Ohne Reformen drohen entweder höhere Beiträge, sinkende Renten oder ein späterer Renteneintritt.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) betonte dazu zuletzt, eine zentrale „Voraussetzung“ für ein funktionierendes Rentensystem sei „ein guter Arbeitsmarkt“. Entscheidend sei also, dass möglichst viele Menschen in Beschäftigung stehen und in die Rentenkasse einzahlen.
Wie hart die nächsten Jahre für Arbeitnehmer noch werden könnten, macht Großbritannien gerade vor. Während in Deutschland die Debatte über längere Lebensarbeitszeiten wieder aufflammt, zieht London die Schraube bereits an.
Ab April wird das Renteneintrittsalter im Vereinigten Königreich schrittweise von 66 auf 67 Jahre angehoben. Spätestens 2028 soll die Regelung für alle gelten. Doch damit nicht genug: Schon jetzt ist die nächste Erhöhung fest eingeplant. Zwischen 2044 und 2046 soll das Rentenalter auf 68 Jahre steigen. Ein Schritt, der auch in Deutschland genau beobachtet wird.

Höheres Renteneintrittsalter wird wahrscheinlicher
Der Grund für diese Entwicklung ist in ganz Europa derselbe: Die Menschen werden älter, gleichzeitig geraten die Staatskassen zunehmend unter Druck. Für jüngere Generationen verschiebt sich der Ruhestand immer weiter nach hinten.
Großbritannien könnte ein Vorreiter sein für Reformen, die auch in Deutschland und anderen europäischen Staaten wahrscheinlicher werden. Doch wie schwierig es ist, am Rentensystem zu rütteln, zeigen andere europäische Nachbarn.
In Frankreich wird regelmäßig mit Massenprotesten gegen jegliche Rentenreformen rebelliert, auch in Belgien wurde gegen schärfere Rentenpläne gestreikt. Dänemark dagegen führt als erstes Land in Europa ab 2040 das Renteneintrittsalter mit 70 ein. Und das ohne große Proteste.
Polen steht beispielhaft für den Gegenpol vieler Reformdebatten in Europa. Obwohl auch Polen vor den gleichen gesellschaftlichen Problemen steht, setzt die Regierung auf frühe Renteneintritte. Obwohl auch dort aus wirtschaftlichen Gründen Reformen dringend nötig wären, verzichtet Polen darauf aus Rücksicht auf Wähler. Ob sich so das Rentensystem langfristig tragen kann, ist jedoch mehr als fraglich.


