Der Förderverein der „Poeler Kogge“ aus Wismar gibt nicht auf. Die legendäre „Wissemara“ soll wieder fahrtauglich gemacht werden. Ziel sei es, das Fahrverbot zu kippen und eine Zertifizierung zu bekommen – notfalls auch eingeschränkt.
Gutachter nehmen Schiff unter die Lupe
Wie der NDR berichtet, fand am vergangenen Mittwoch (18. März) der erste Härtetest statt. Ein Gutachter schaute sich noch einmal den Schiffsboden an. Am Montag (23. März) folgt ein Blick ins Innenleben, wenn ein Fachmann das Holz der Kogge prüft.
Förderverein will das Schiff zugänglich machen
Danach steht die große Begehung mit der Berufsgenossenschaft Verkehr, Fachleuten des Vereins und Vertretern der Hansestadt an. Ziel des Vereins sei es, die Kogge zurück ins Wasser zu bringen. Klar ist aber auch: Sicherheit hat Vorrang, betont der Förderverein.
Auf seiner Internetseite schreibt der Förderverein „Poeler Kogge“, dass es seine Aufgabe sei, „den Nachbau einer hanseatischen Kogge aus dem 14. Jahrhundert, von dem bisher größten gefundenen Schiffswrack aus der Hansezeit, allen Interessierten vorzustellen und zu erhalten“.

Darum wurde die Kogge „Wissemara“ stillgelegt
Im September hatte die Berufsgenossenschaft die Kogge wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt. Bei einer Kontrolle entdeckte sie Schäden im Holz. Ursache: massiver Schädlingsbefall mit Holzbock, Nagelkäfer, Wurmbefall und Holzschwamm.
Im Winter wurde die „Wissemara“ in Stralsund repariert. Bis zum Saisonstart im Mai waren rund 180.000 Euro veranschlagt. Ein Zertifikat gab es trotzdem nicht. Die Kogge darf vorerst nicht wieder in See stechen. Nach einer früheren Besichtigung hätten Prüfer Zweifel an der Festigkeit des Schiffes insgesamt gehabt, sagt Vereinsbüroleiter Gerd Lemke auf NDR-Anfrage.
Mithilfe dieser Mittel werden insbesondere Maßnahmen zur langfristigen technischen Sicherung, der denkmalgerechten Sanierung und dem Erhalt der Schiffe durchgeführt
Gesamte Arbeiten könnten bis zu 5 Millionen Euro kosten
Dann der nächste Dämpfer: Nach ersten Schätzungen der Berufsgenossenschaft könnten die noch fälligen Arbeiten bis zu fünf Millionen Euro kosten.
Ob die „Wissemara“ angesichts dessen noch eine Zukunft hat, ist offen. Um den Befall zu bekämpfen, wären aufwendige Arbeiten nötig. Unter anderem müsste das Holz einer Stickstoffbehandlung unterzogen werden, damit Insekten und Würmer absterben.
Bund fördert Traditionsschiffe mit mehr als 23 Millionen
Zugleich darf das Schiff nicht austrocknen, weil sich der Rumpf sonst verziehen könnte. Außerdem müssten viele Planken und Teile der tragenden Konstruktion ersetzt werden. Und selbst dann ist unklar, ob das Schiff langfristig stabil bleibt.
Um norddeutsche Traditionsschiffe wie die Poeler Kogge „Wissemara“ oder das Feuerschiff „Borkumriff“ zu erhalten, stellt die Bundesregierung eine zweistellige Millionensumme bereit. Insgesamt sollen mehr als 23 Millionen Euro in mehrere historisch bedeutsame Schiffe fließen.

Diese Schiffe profitieren von den Bundesmitteln
Profitieren sollen von den Bundesmitteln auch das Segelschiff „Grönland“ (Bremerhaven), der Großsegler „Gorch Fock I“ (Stralsund), der Dampfer „Welle“ (Bremerhaven), der Tonnenleger „Kapitän Meyer“ (Wilhelmshaven) sowie der Lotsenschoner „Atalanta“ (Wismar) und der Fischkutter „Marlen“ (Wismar).
„Mithilfe dieser Mittel werden insbesondere Maßnahmen zur langfristigen technischen Sicherung, der denkmalgerechten Sanierung und dem Erhalt der Schiffe durchgeführt“, sagt eine Sprecherin des Kulturstaatsministers in Berlin.
„Wissemara“ hat für Wismar besondere Bedeutung
Das Geld stammt aus dem Haushalt des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und soll über das Förderverfahren „KulturInvest“ fließen. Aus dem Förderverfahren fließt auch Geld in andere Kulturbauten, wie zum Beispiel Gedenkstätten und Museen. Finanziert werden mit dem Geld Modernisierungen, Sanierungen, Restaurierungen sowie Um- oder Neubauten.
Die „Wissemara“ hat für Wismar eine besondere Bedeutung. Mit der Restaurierung des Schiffes soll der Mythos Kogge in der Hansestadt hautnah erlebbar gemacht werden. Nach Vereinsangaben sollen damit die „damaligen handwerklichen Fähigkeiten“ und das „hervorragende Segelverhalten“ dieses Schiffes vermittelt und vorgestellt werden.
- Förderung der Seemannschaft auf Traditions-Segelschiffen, Vermittlung der Arbeit und des Lebens auf Traditions-Segelschiffen an Jugendliche und/oder Erwachsene unter fachlicher Anleitung und der damit verbundenen Erfahrungen
- Vermittlung von Kenntnissen bei der Ausbildung in der traditionellen Seemannschaft unter Segel, um eine Verbesserung und Übung des körperlichen, seelischen und sozialen Verhaltens zu erreichen
- die Verbesserung des Verhaltens beim maritimen Umweltschutz
- den Besuch fremder Länder und Kulturen, insbesondere im baltischen Raum, als einen Beitrag zum Ausbau der Völkerverständigung
Grund für den wirtschaftlichen Aufstieg von Hansestädten
Derartige Schiffstypen mit einer Tragfähigkeit von bis zu 300 Tonnen bildeten die Grundlage für den typischen Transport von Gütern in der Hansezeit – und waren die Basis für die wirtschaftliche Macht und den Aufstieg der Hansestädte im Nord- und Ostseeraum.






