Covivo Hochhaus

Wettlauf der Wolkenkratzer am Alexanderplatz: Der Verlierer steht schon fest

030BLN: Dieser neue Mega‑Tower soll den Alex komplett verändern. Und gleich nebenan wächst mit The Berlinian ein weiterer Gigant in die Höhe.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Baustelle des Covivio-Hochhauses am Alexanderplatz in Berlin.
Baustelle des Covivio-Hochhauses am Alexanderplatz in Berlin.Jochen Tack/imago

Mit The Berlinian (fertig 2027) und 030BLN (fertig in der zweiten Jahreshälfte 2027) entstehen die ersten beiden Türme der neuen Alex‑Skyline. Der Fernsehturm ist der Verlierer, er kratzt nun nicht mehr allein an den Wolken. 

130-Meter Riese verändert die Skyline Berlins

Berlin bekommt ein neues Hochhaus. Mitten am Alexanderplatz wächst derzeit ein 130‑Meter‑Riese in den Himmel. Covivio, die Betreiberin des Hotels Park Inn, setzt dort ein Projekt um, das den Alex neu definieren soll: das 030BLN. 

In dem Wolkenkratzer sollen Arbeiten, Wohnen, Feiern und Shoppen in einem einzigen Gebäude vereint werden. Fertig werden soll der Turm 2027, eine neue Passage zum Park Inn folgt bis 2029 – und damit bekommt einer der meistbesuchten Orte Berlins, der Alexanderplatz, den heute viele mit Öde, Dreck und Kriminalität verbinden,  ein völlig neues Gesicht: der Alex wird ein Skyscraper-Hotspot.

Rauer Berlin-Charme im Wolkenkratzer

Schon der Name ist ein Statement. 030BLN – die Berliner Vorwahl trifft internationale Abkürzung. Genau diese Mischung aus lokalem Selbstbewusstsein und globalem Anspruch soll sich im gesamten Gebäude widerspiegeln. Die Architekten von Sauerbruch Hutton, Studio Aisslinger und AGL haben dem Turm eine markante Fassade verpasst, während im Inneren eine Mischung aus rauer Berliner Ästhetik und modernen Designideen entsteht. Es ist ein Entwurf, der bewusst mit der DNA der Stadt spielt: ein bisschen rough, ein bisschen elegant, immer eigenwillig.

Prof. Matthias Sauerbruch, Geschäftsführer von Sauerbruch Hutton beschreibt das Projekt als „Operation am Herzen der Stadt“, die den Puls der Hauptstadt beschleunigen werde. Und tatsächlich: Das 030BLN soll ein Ort werden, an dem sich der Alltag vieler Menschen verdichtet. Auf über 60.000 Quadratmetern entstehen Büros, Co‑Working‑Flächen, Gastronomie, Einzelhandel und mehr als 300 Urban‑Living‑Einheiten.

Das neue Covivo Hochhaus am Alexanderplatz wird die Skyline verändern.
Das neue Covivo Hochhaus am Alexanderplatz wird die Skyline verändern.Covivo

Wer dort wohnt, bekommt nicht nur möblierte Apartments, sondern auch Fitnessbereiche, Gemeinschaftsräume und Services, die man sonst eher aus Hotels kennt. Eigentlich muss man das Haus gar nicht mehr verlassen. Covivio spricht von einem „vertikalen Quartier“, das Arbeiten, Wohnen und Freizeit so eng verzahnt wie kaum ein anderes Projekt in Berlin.

Auch unten am Boden soll sich viel verändern. Das Erdgeschoss wird zu einem lebendigen Treffpunkt mit Gastronomie und Handel, während zwischen dem Tower und dem Park Inn eine begrünte Passage entsteht, die den Alexanderplatz mit der Alexanderstraße verbindet. CEO Dr. Daniel Frey sagt, das 030BLN solle ein Ort werden, „der Menschen zusammenbringt – Berlinerinnen, Berliner und Gäste aus aller Welt“.

Dachbar auf dem neuen Hochhaus 030BLN am Alexanderpatz
Dachbar auf dem neuen Hochhaus 030BLN am AlexanderpatzCovivo

Spektakulär wird auch der Blick von oben. Auf dem Dach entsteht eine rund 2.500 Quadratmeter große Terrasse mit Sportmöglichkeiten, Eventflächen, Barangeboten und Urban Gardening. Ein neuer Treffpunkt über den Dächern der Stadt, der den Alex aus einer Perspektive zeigt, die bisher nur die Hotelgäste des Park Inn kannten.

Photovoltaik in der Fassade integriert

Bemerkenswert ist zudem der Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts. Das 030BLN setzt auf Geothermie, Fernwärme, Wärmerückgewinnung, begrünte Dächer und Regenwassernutzung. Photovoltaik wird nicht nur aufs Dach gesetzt, sondern direkt in die Fassade integriert – ein Schritt, der das Gebäude zu einem der ersten Hochhäuser Deutschlands mit gebäudeintegrierter Solarenergie macht.

Können die Hochhäuser den Alex zu einem besseren Ort machen

Der Alexanderplatz ist heute schon einer der meistfrequentierten Orte der Hauptstadt, täglich passieren ihn rund 400.000 Menschen. Mit dem 030BLN bekommt dieser Platz nicht nur ein neues architektonisches Highlight, sondern auch eine neue Idee davon, wie urbanes Leben in Berlin aussehen kann.

Ob der Turm am Ende zum neuen Lieblingsort der Stadt wird oder vor allem die Skyline prägt – das entscheidet sich erst in ein paar Jahren. Aber eines steht fest: Der Alex wird nie wieder so aussehen wie vorher.

Der Alex ist eine Wolkenkratzer-Baustelle: Vom The Berlinain-Hochhaus sieht man den Bau des Covivio-Hochhauses (links) und den Standort des Hines-Tower auf der Freifläche neben Saturn.
Der Alex ist eine Wolkenkratzer-Baustelle: Vom The Berlinain-Hochhaus sieht man den Bau des Covivio-Hochhauses (links) und den Standort des Hines-Tower auf der Freifläche neben Saturn.Norbert Koch-Klaucke

The Berlinian hat schon Richtfest gefeiert

Denn gleich nebenan wächst mit  zweiten Wolkenkratzer The Berlinian gerade das zweite große Hochhaus der neuen Alex‑Generation in den Himmel – und das Projekt ist schon deutlich weiter, als viele Berliner denken. Der Turm, der früher unter dem Namen MYND geplant war, hat Anfang 2026 sein Richtfest gefeiert und damit den Rohbau abgeschlossen. 

Längst verdeckt der Bau die Sichtachse auf den Fernsehturm aus dem Osten. Der 365 Meter hohe Turm wird zwar das höchste Bauwerk bleiben, wird aber am Alex der Zukunft ordentlich umzingelt.

Mit The Berlinian entsteht ein 146 Meter hoher und 34‑geschossiger Bau an der Dircksen‑/Karl‑Liebknecht‑Straße. Er wird optisch in das bestehende Galeria‑Gebäude integriert. Die Architektur stammt vom Berliner Büro Kleihues + Kleihues. 

Bis 2027 sollen im Turm rund 40.000 Quadratmeter Bürofläche, eine Konferenzetage und eine Skylounge mit Panoramablick über Berlin fertiggestellt sein. Zusammen mit dem angrenzenden Bestandsgebäude entsteht ein großer Komplex mit über 100.000 Quadratmetern Fläche für Büro, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur. Die Fertigstellung ist für Mai 2027 geplant.

Kommt die ZLB in das Galeria-Haus?

Das Projekt ist Teil des Galeria‑Komplexes, der von Commerz Real entwickelt wird. Bis zur Fertigstellung muss geklärt sein, ob in das Galeria Kaufhaus-Gebäude die Zentral- und Landesbibliothek einziehen soll.

Die beiden aktuellen Standorte der Zentral‑ und Landesbibliothek – die Amerika‑Gedenkbibliothek in Kreuzberg und die Breite Straße in Mitte – sind marode, überlastet und sanierungsbedürftig. Ein neuer Standort ist dringend nötig. Der Alex, der sich gerade in rasantem Tempo neu erfindet, als neues Herz der Stadt, könnte die perfekte Wahl sein. 

Obwohl sich alle Seiten einig sind, dass die ZLB in das Galeria‑Haus ziehen soll, blockieren Preisverhandlungen zwischen Senat und Vermietern den Deal noch. Doch nur mit der Bibliothek als neuem Magneten hat wohl auch die angeschlagene Galeria Filiale eine Chance.

Kommen noch mehr Hochhäuser am Alex?

Ausgangspunkt aller städtebaulichen Neugestaltungen am Alex war der Hochhaus-Masterplan von Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993. Ziel war es, den Alexanderplatz durch eine Reihe von Hochhäusern neu zu denken.

Auf dieser Visualisierung des Büros Kleihues+Kleihues ist der zukünftige Hines-Tower bereits zu sehen. Im Vordergrund Galeria mit The Berlinian, links daneben 030BLN.
Auf dieser Visualisierung des Büros Kleihues+Kleihues ist der zukünftige Hines-Tower bereits zu sehen. Im Vordergrund Galeria mit The Berlinian, links daneben 030BLN.Visualisierung: Kleihues+Kleihues

Der Hines Tower neben dem Saturn Gebäude sollte ursprünglich das höchste Wohnhochhaus Berlins werden. 150 Meter, rund 400 Wohnungen, direkt neben dem Alexa. Das Projekt ist genehmigt, aber der Baustart verzögert sich seit Jahren. Der Baugrund ist sensibel, direkt unterhalb verläuft die U-Bahnhlinie U5. Im März  2026 startete nnun aber die Öffentlichkeitsbeteiligung. Ein erster Schritt in Richtung Realisierung.

Auch für die Rathauspassage existieren Hochhausüberlegungen, allerdings ohne konkrete Höhe oder Zeitplan. Das Areal soll langfristig komplett neu strukturiert werden.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Wie finden Sie das neue Gesicht des Alexanderplatzes?  Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com