Zehntausende Menschen in Steglitz-Zehlendorf waren bis zu fünf Tagen ohne Strom und Wärme: Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang Januar hat gezeigt, wie gefährlich angreifbar und auch ungeschützt die Energieversorgung in der Stadt ist. Die Stromnetz Berlin GmbH hat jetzt sichtbar reagiert: Videoüberwachungstürme wurden vermehrt an Anlagen aufgestellt, um Attentäter abzuschrecken.
Berliner Stromnetz ist über 36.000 Kilometer lang
Angriffspunkte gibt es viele. Mit einer Länge von über 36.000 Kilometern zieht sich das Berliner Stromnetz zum größten Teil unterirdisch durch die Stadt. Oberirdisch gibt es etwa 80 Umspannwerke, die den Strom an Haushalte, Betriebe und Kliniken weiterleiten. Dazu kommen 18.000 Stromkästen an den Gehwegen.
Nach dem Anschlag und Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf tut sich jetzt zum Schutz der Anlagen etwas. Zum Beispiel an einem Umspannwerk im Ortsteil Nikolassee. So mancher Berliner weiß gar nicht auf Anhieb, wo genau dieser Betonbau liegt, der eher wie ein modernes Werkgebäude aussieht.
Aber Attentäter werden es wissen. Und daher stehen nun dort plötzlich zwei Türme mit jeweils vier Videokameras, die 360 Grad schwenkbar sind, auf dem Gelände des Umspannwerkes.
Videotürme auch auf Tesla-Baustelle in Köpenick
Solche Aufbauten werden gerne in Berlin eingesetzt. Sie stehen in Köpenick auf dem Gelände einer ehemaligen Kabelfabrik, in der nun Tesla sein „geheimes“ Entwicklungszentrum aufbaut. Eine Wohnungsbaugesellschaft benutzt diese Technik auf dem Gelände des SEZ in Friedrichshain, um ungestört den Abriss des DDR-Baus vorbereiten zu können.

Das alles ist laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) legal. „Soll die Videoüberwachung eingesetzt werden, um vor Einbrüchen, Diebstählen, Vandalismus zu schützen, ist darin grundsätzlich ein berechtigtes Interesse zu sehen, wenn eine tatsächliche Gefahrenlage nachgewiesen werden kann“, steht im Merkblatt des Berliner Datenschutzbeauftragten.
Der Anschlag der linksextremistischen „Vulkangruppe“ auf eine oberirdische Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde vor fast drei Wochen, der Brandanschlag auf zwei Strommasten im September 2025, der zu einem mehrtägigen Blackout in Adlershof und Johannisthal führte: Die Gefahrenlage besteht beim Berliner Stromnetz.
Stromausfall in Berlin: „144 Kameratürme im Einsatz“
Daher hat die Stromnetz Berlin bereits im vergangenen Jahr die Videoüberwachung bei den Anlagen um 500 Prozent erhöht, erklärt der Chef des landeseigenen Energieversorgers, Erik Landeck. „Aktuell sind 144 Kameratürme im Einsatz.“
Der Stromnetz-Chef erklärt weiter: „Wir überwachen zu 100 Prozent alle unsere Netzknoten und zu 80 Prozent alle unsere Umspannwerke mit Videotechnik. Ende des Monats werden alle Umspannwerke mit Videotechnik ausgerüstet sein.“

Schon vor den Brandanschlägen hätte man sich um mehr Schutzmaßnahmen der Energieanlagen bemüht, so Landeck. Auf so eine Sicherheitssituation, zu denen auch Drohnenangriffe gehören, seien viele Anlagen nie vorbereitet gewesen.
„Die Kabelbrücke, die dem jüngsten Brandanschlag zum Opfer fiel, stammte noch aus den 1970er-Jahren, wurde von der Bewag gebaut. Sie wurde regelmäßig von Wachleuten bestreift“, sagt Landeck.
Dort war man gerade auch dabei, die Leitungen zu entflechten und zu verlegen, damit sie vor Angriffen geschützt sind. Das ist aufwendig. Stromnetz Berlin plant, bis in die 2030er-Jahre alle Freileitungen unter die Erde zu bringen.





