Moderne, saubere Polizeiwachen wie im „Tatort“? Fehlanzeige! Die Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) schlägt Alarm und kritisiert die desaströsen Zustände auf Deutschlands Brennpunktabschnitt Nummer 1 – an der Friedrichstraße, zuständig unter anderem für Kottbusser Tor und Görlitzer Park. Neben bröckelnder Bausubstanz und eklatantem Platzmangel für die Polizisten flattern Motten durch die Schränke, sogar tote Ratten wurden bereits entdeckt.
Schlimmster Abschnitt des Landes – in vielerlei Hinsicht
Der neue Regionalabschnitt 52/53 der Berliner Polizei an der Friedrichstraße befindet sich in Berlin‑Kreuzberg und gehört zur Direktion 5 (City). Ganz klar: Die Polizisten, die hier zugeteilt sind, haben keinen leichten Job. Immerhin sind sie für die Kreuzberger Kriminalitäts-Hotspots verantwortlich.
Doch als würde es nicht schon ausreichen, dass die Beamten hier an einem Brennpunktabschnitt arbeiten, müssen sie sich auch innerhalb ihrer eigenen Räume mit üblen Bedingungen herumschlagen.

GdP-Landesvize Thorsten Schleheider macht am Mittwochmorgen auf die Missstände aufmerksam und spricht dabei von „unerträglichen Zuständen, dem Wegignorieren arbeitsrechtlicher Vorschriften und eklatanter Gesundheitsgefahren“.
Motten und Ratten – so eklig geht es in den Büros der Berliner Polizei zu
Doch was ist hier genau los, dass die Polizeibeamten sich so unwohl fühlen? Die Liste ist lang. Besonders eklig ist der Ungezieferbefall in den Räumen: Die Polizisten haben nicht nur einen Mottenbefall gemeldet, sondern auch tote Ratten gefunden.

Und damit nicht genug: In dem neuen Regionalabschnitt gibt es nicht genug Platz für alle Mitarbeiter, weswegen die Berliner Polizei – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – Arbeitsmonitore auf die Fensterbänke stellen muss.
„Im sogenannten Pausenraum sollen teilweise kaputte Ramsch-Möbel zusammengeschoben worden sein. Einen behindertengerechten Zugang habe man vergessen, heraushängende Stromkabel würden mit Paketklebeband provisorisch fixiert“, erzählt Schleheider weiter.
Polizisten sollen selber streichen
Bauarbeiten hätten außerdem „gefährliche mineralhaltige Untergründe“ zutage gefördert und auf eine sicherheitsrelevante Scheibe warte man seit neun Monaten, sodass Wachräume nicht nutzbar seien. Bitter ist ebenfalls: Die Polizisten wissen nicht, wohin mit ihren Funkwagen, denn es gibt nicht genügend Parkplätze.
Ein weiterer großer Aufreger: Der neue Regionalabschnitt bräuchte dringend einen neuen Anstrich. Die Idee der Direktleitung sei angeblich gewesen, dass die Kollegen selbst neue Wandfarbe besorgen und streichen sollen.

Der GdP-Landesvize ärgert sich: „Wir reden über den wohl am stärksten belasteten Polizeiabschnitt unseres Landes. Aber die Raketenwissenschaftleridee besteht darin, dass unsere Kollegen dann auch noch selbst malern sollen, um Geld und Zeit zu sparen. Polizeivollzugsbeamte sind keine günstige Alternative zu Malermeistern.“
2,5-Milliarden-Euro-Sanierungsstau bei der Polizei
„Losgelöst davon reden wir über Zustände, bei denen andere Gebäude wegen Gesundheitsgefahren dichtgemacht werden müssen. Wenn Motten aus dem Schrank flattern und tote Ratten auf dem Boden liegen, ein Stromschlag praktisch eine Frage der Zeit ist, kann das keiner einfach wegatmen“, beteuert Schleheider.

Doch wie kann es sein, dass die Berliner Polizei so arbeiten muss? Der Grund für das Ganze sei ein 2,5-Milliarden-Euro-Sanierungsstau „bei den Bruchbuden, die wir als Hauptstadtpolizei Dienststelle nennen müssen“.



