Reichstag

Kein Pöbel erlaubt! Friedrich-Ebert-Platz nur noch für Politiker offen

Der Platz hinter dem Reichstag ist künftig an vielen Tagen für die Öffentlichkeit gesperrt. Sind Berliner jetzt Bürger zweiter Klasse?

Author - Sharone Treskow
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Hier dürfen Berliner knapp die Hälfte des Jahres nicht mehr langgehen.
Hier dürfen Berliner knapp die Hälfte des Jahres nicht mehr langgehen.dts Nachrichtenagentur/imago

Berlin-Die allermeisten von uns sind hier schon einmal langgelaufen, bei einem Besuch im Reichstag oder einem Spaziergang an der Spree entlang. Doch damit ist nun Schluss: Der Friedrich‑Ebert‑Platz in Mitte ist nicht mehr vollständig für die Öffentlichkeit zugänglich – und nur noch den Politikern vorbehalten. Ist das fair?

Berliner dürfen nicht mehr hinterm Reichstag lang

Keine Berliner erlaubt! Der Friedrich‑Ebert‑Platz zwischen Dorotheenstraße und Reichstagsufer/Paul‑Löbe‑Allee wird in den regulären Sitzungswochen 2026 jeweils von Dienstag bis Freitag teileingezogen. Das heißt: Nutzung und Aufenthalt auf der Fläche hinter dem Reichstag durch den allgemeinen Fußgänger‑ und Radverkehr sind dort untersagt. Das geht aus einer Bekanntmachung vom Landesverwaltungsamt Berlin hervor.

Zugelassen sind nur die im Amtsblatt aufgeführten Berechtigten, darunter Mitglieder des Bundestages, der Bundesregierung, Sicherheitsbehörden, offizielle Delegationen, Medien im Auftrag des Bundestages und Rettungskräfte im unabweisbaren Bedarfsfall.

Politiker betreten den Reichstag für eine Bundesversammlung.
Politiker betreten den Reichstag für eine Bundesversammlung.Stefan Zeitz/imago

Die Termine reichen von Mitte Januar über Frühling und Herbst bis in den Dezember, insgesamt an 22 Sitzungswochen mit vier Sperrtagen. Beispielhaft sind genannt: 13. bis 16. Januar, 5. bis 8. Mai, 6. bis 9. Oktober sowie 24. bis 27. November. Wer den Mauerradweg nutzt oder zum Spreeufer will, muss in diesen Zeitfenstern einen nervigen Umweg einplanen.

Auf dem Friedrich-Ebert-Platz war einfach zu viel los

Wieso der Platz für die Öffentlichkeit gesperrt wird? Begründet wird die Maßnahme mit dem „Bebauungsplan I‑200“, der den Ort als verkehrsberuhigte Platzfläche mit „besonderer Zweckbestimmung“ festsetzt. Vor der ersten Teileinziehung 2025 gab es während der Sitzungswochen angeblich eine „unübersichtliche Gemengelage“ für Rad‑ und Fußverkehr sowie Schutzpersonen.

Radfahrer auf dem Friedrich-Ebert-Platz, das ist so an vielen Tagen im Jahr nicht mehr möglich.
Radfahrer auf dem Friedrich-Ebert-Platz, das ist so an vielen Tagen im Jahr nicht mehr möglich.Karl-Heinz Spremberg/imago/imageBROKER

Ziel sei es, verkehrliche und städtebauliche Belange mit einem störungsfreien Ablauf des parlamentarischen Betriebs in Einklang zu bringen. Die Funktionsfähigkeit des Deutschen Bundestages wäre „erheblich beeinträchtigt“, wenn Berechtigte beim Zugang und Verlassen des Gebäudes jederzeit Störungen oder Gefährdungen befürchten müssten, heißt es im schönsten Beamtendeutsch.

Auch vom „Schutz von Leib und Leben von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern“ ist hier die Rede.

Wieso nutzen die Politiker nicht die unterirdischen Zugänge?

Der ehemalige Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Die Grünen) kritisiert die Aktion gegenüber B.Z.: „Alle Bundestagsgebäude rund um den Platz können unterirdisch erreicht werden – komplett ohne Kontakt zu potenziellen Gefährdern.“

Der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, findet die Teilsperrung des Platzes unsinnig.
Der ehemalige Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, findet die Teilsperrung des Platzes unsinnig.Mike Wolff/TSP/imago

„Von einer Abschottung kann keine Rede sein“, hält Bundestagssprecherin Anna Rubinoicz-Gründler dagegen. Wichtig sei, dass die parlamentarische Arbeit und die vielen Gespräche und Veranstaltungen an einem sicheren Ort störungsfrei möglich seien.

Was sagen Sie dazu, dass in Berlin ein Platz teilgesperrt wird, damit Politiker dort keinen Kontakt zur Öffentlichkeit haben? Schicken Sie uns einen Leserbrief mit Ihrer Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.