Kommentar

Kälte-Drama nach Stromausfall: Die Politik lässt Berlin im Stich

Berlin friert – und die Politik schaut zu! Kein Strom, keine Hilfe, keine Antworten. Der Blackout wird zur Schande für die Hauptstadt.

Author - Lena Zander
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Kinder werden von ihren Eltern zur Mühlenau-Schule gebracht. Wegen eines Stromausfalls hat die Schule zur Notbetreuung geöffnet.
Kinder werden von ihren Eltern zur Mühlenau-Schule gebracht. Wegen eines Stromausfalls hat die Schule zur Notbetreuung geöffnet.Britta Pedersen/dpa

Kein Strom, keine Heizung, kein warmes Essen. Dunkle Wohnungen, ausgefallene Kühlschränke, geschlossene Schulen – und das bei eiskalten Minusgraden. Arbeitende Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder unterbringen sollen. Alte Menschen, die im fünften Stock ohne Aufzug festsitzen und nicht wissen, wo sie Hilfe bekommen sollen. Das ist Berlin 2026 – eine Schande!

Berlin fehlen klare Notfallstrukturen!

Der Stromausfall im Berliner Süden ist längst kein technisches Problem mehr. Er ist eine soziale Krise. Und er offenbart ein erschreckendes politisches Versagen. Bürgermeister Kai Wegner (52, CDU) redet – aber tut nichts.

Kai Wegners mangelndes Engagement in der aktuellen Berliner Krisenlage bringt dem Bürgermeister viel Kritik ein.
Kai Wegners mangelndes Engagement in der aktuellen Berliner Krisenlage bringt dem Bürgermeister viel Kritik ein.Bernd Elmenthaler/Imago/ESDES.Pictures,

Denn während Tausende Berlinerinnen und Berliner seit Tagen improvisieren, Kerzen organisieren, Handys in Cafés laden und versuchen, ihren Alltag notdürftig zu bewältigen, bleibt die Politik auffallend still. Keine sichtbaren Hilfsangebote, keine klaren Notfallstrukturen, keine flächendeckenden Anlaufstellen. Zuständigkeitsdebatten, vage Statements, Durchhalteparolen. Konkrete Hilfe? Fehlanzeige!

Die Notlage zeigt, was hier schiefläuft

Dabei geht es nicht um Luxus, sondern um das absolute Minimum staatlicher Verantwortung. Wer ohne Strom lebt, braucht Wärme, Information und konkrete Unterstützung. Mobile Heizangebote, Notunterkünfte, klare Ansprechpartner, eine funktionierende Kommunikation – all das wäre möglich. Doch vieles davon bleibt aus oder kommt zu spät.

Ingeborg aus Lichterfelde wird während eines Stromausfalls im Südwesten Berlins aus einer Notunterkunft abgeholt.
Ingeborg aus Lichterfelde wird während eines Stromausfalls im Südwesten Berlins aus einer Notunterkunft abgeholt.Sebastian Gollnow/dpa

Besonders hart trifft der Stromausfall diejenigen, die ohnehin wenig Spielraum haben: Familien mit kleinen Kindern, Alleinerziehende, Pflegebedürftige, Seniorinnen und Senioren. Wenn Schulen schließen, Eltern aber keine Unterstützung bekommen, zeigt das die ganze Hilflosigkeit der Lage. Es wird reagiert – aber nicht geholfen.

Ist Berlin wirklich solidarisch?

Berlin versteht sich gern als solidarische, krisenfeste Metropole. Doch Solidarität zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern im Handeln, wenn es unbequem wird. Gerade in Ausnahmesituationen entscheidet sich, ob Politik ihrer Verantwortung gerecht wird oder sich hinter Zuständigkeiten versteckt. Dieser Stromausfall legt schonungslos offen, wie schlecht die Stadt auf genau solche Szenarien vorbereitet ist.

Hier ist die Kabelbrücke nach dem linksextremen Brandanschlag ausgebrannt.
Hier ist die Kabelbrücke nach dem linksextremen Brandanschlag ausgebrannt.Sebastian Gollnow/dpa

Dass Menschen tagelang ohne verlässliche Hilfe im Kalten sitzen, ist kein Randthema. Es ist ein Alarmsignal. Ein Staat, der in solchen Momenten nicht sichtbar schützt, verliert Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage jeder funktionierenden Gesellschaft.

Der Strom wird irgendwann wieder fließen. Die Frage ist nur: Was bleibt danach? Wenn Politik aus dieser Krise nichts lernt, dann bleibt vor allem eines hängen: das Gefühl, im entscheidenden Moment alleingelassen worden zu sein. Im Dunkeln. Und ohne Hilfe.

Wie ist Ihre Meinung zu Berlins Umgang mit dem Stromausfall? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.