Internet-Falle

Hirschhausen als Lockvogel – Berliner Rentnerin tappt in teure Falle

Betrug mit falschen Medikamenten: Kriminelle missbrauchen Hirschhausen für Deepfake-Werbung. Eine Berlinerin verliert viel Geld.

Author - Sebastian Karkos
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Eckart von Hirschhausen ist sauer, dass sein Name für Mittel wie Cardirin missbraucht wird.
Eckart von Hirschhausen ist sauer, dass sein Name für Mittel wie Cardirin missbraucht wird.dts/IMAGO, Sebastian Karkos

Als Gabriele G. aus Hohenschönhausen im KURIER eine Geschichte über falsche Promi-Werbung liest, beschleicht sie ein ungutes Gefühl. Vor zwei Jahren hatte sie selbst ein Medikament bestellt. Die Anzeige im Internet wirkte seriös: Dr. Eckart von Hirschhausen, der bekannte Arzt und TV-Moderator, pries ein Mittel gegen Bluthochdruck an. Was folgte, kostete nicht nur Geld, sondern auch Vertrauen.

Der Name von Hirschhausen zieht beim Verkauf

Sie sagt: „Der Eckart von Hirschhausen macht ja sehr, sehr gute Sachen, von denen ich schon viele gesehen habe. Und da habe ich gedacht: Na ja, wenn der das sagt, dann wird das schon stimmen.“ Doch weder stand der TV-Star hinter der Werbung, noch bekam Frau G. vermutlich ein echtes Arzneimittel. Es war Betrug.

Firmen nutzen Prominente gerne in ihren Anzeigen, weil sie Aufmerksamkeit erzeugen und das Geschäft ankurbeln. Kriminelle haben sich das längst zunutze gemacht und versuchen, vor allem älteren und verunsicherten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Masche: Namen, Fotos und Stimmen von Prominenten werden ohne deren Wissen oder Zustimmung verwendet. Die sogenannten Deepfakes entstehen mithilfe künstlicher Intelligenz.

Caridin ist ein Verkaufsschlager der Betrüger

Bei Frau G. war es das Mittel Caridin, das angeblich gegen Bluthochdruck helfen soll. Caridin ist ein Verkaufsschlager der Betrüger. Sie erinnert sich: „Ich habe die Werbung auf dem Handy gesehen. Da war ein Button dabei. Wenn man da draufdrückt, kann man ein Gespräch führen, und da wird einem noch einmal erklärt, was und wie man das einzunehmen hat.“

Die Verpackung von Cardirin sieht seriös aus, doch was ist wirklich in den Tropfen? Ein Firma aus Bulgarien vertreibt angeblich das Produkt.
Die Verpackung von Cardirin sieht seriös aus, doch was ist wirklich in den Tropfen? Ein Firma aus Bulgarien vertreibt angeblich das Produkt.Sebastian Karkos

Der Rückruf kam – von einem Herrn William. Er erklärte ihr, was für ein Wundermittel Caridin sei. Sie bestellte. Preis: 236 Euro. „Das waren kleine Flaschen, eine Vier-Wochen-Ration“, erklärt die Rentnerin. „Ich sollte zweimal täglich 30 Tropfen zum Essen oder zum Getränk einnehmen.“

Wie das Paket nach Berlin kam? Zwei Wochen nach der Bestellung klingelte eine Frau an der Tür. Frau G.: „Sie hatte ein Päckchen in der Hand. Ich habe dann die 236 Euro bezahlt, und sie hat mir das Päckchen ausgehändigt.“

Bei Cardirin könnte es sich um Placebo-Tropfen handeln

Sie nahm die Tropfen ein. Was tatsächlich darin enthalten war, bleibt offen. Zwar lag eine Packungsbeilage bei, doch auch diese lässt sich fälschen. Für Gabriele G. entscheidend: Ihr ging es nach der Einnahme nicht schlechter – allerdings auch nicht besser. Kurzum: Möglich, dass sie Placebo-Tropfen einnahm, die nach Kräutern schmeckten und damit zumindest harmlos wirkten.

Eckart von Hirschhausen kämpft aktiv gegen Deepfake-Werbung.
Eckart von Hirschhausen kämpft aktiv gegen Deepfake-Werbung.FRANK TURETZEK/IMAGO

Die Caridin-Verpackung wirkt täuschend echt. Als Hersteller ist eine Firma in Bulgarien angegeben. Das muss jedoch nichts bedeuten: Caridin wird von verschiedenen Anbietern vertrieben. Laut Verbraucherzentrale sind unter diesem Namen unterschiedliche Produkte erhältlich. Es handelt sich demnach um Mischungen aus Pflanzenölen und Vitaminen. Diese Produkte gelten als Lebensmittel und dürfen daher per Definition keine medizinische Wirkung haben. Die Verbraucherzentrale erklärt: „Das ist Arzneimitteln vorbehalten. Sie müssen auch nicht zugelassen werden.“

Hirschhausen schildert seinen Fall in einer WDR-Doku

Eckart von Hirschhausen geht aktiv gegen den Missbrauch seines Namens vor. Das zeigte er unter anderem in einer WDR-Dokumentation. Gegenüber dem KURIER bestätigt der TV-Moderator, dass er Caridin gut kennt: „Es ist eins der Hauptprodukte, für die mein Gesicht, meine Stimme, meine Glaubwürdigkeit missbraucht wird.“

Von Hirschhausen ging rechtlich gegen diese Praxis vor. Ziel: Die falsche Werbung muss aus dem Internet entfernt werden. Sein Gegner: der US-Konzern Meta, zu dem Facebook, Instagram und WhatsApp gehören. Die Werbung wird meist über diese Plattformen verbreitet. Von Hirschhausen berichtet: „Ich bin zwei Jahre gegen Meta juristisch vorgegangen, habe gewonnen, aber das Problem wird nicht kleiner, sondern größer, weil die Plattformen mit jedem Klick mitverdienen.“

Hirschhausen fordert Löschung der Werbung

Der 58-Jährige fordert: „Meta muss zeitnah die angezeigten Fakes löschen. Geltendes Recht muss konsequent angewendet werden. Und mit Bußgeldern verbunden werden, die den Konzernen auch weh tun. Die Kosten für meinen Prozess hat Meta in circa zehn Sekunden verdient. Da zuckt Herr Zuckerberg (Meta-Chef Mark Zuckerberg – d. Red.) kein bisschen.“

Der Meta-Konzern verdient viel Geld mit Fake-Werbung.
Der Meta-Konzern verdient viel Geld mit Fake-Werbung.BODE/IMAGO

Er fügt hinzu: „Meta und Google müssen verpflichtet werden, bei der Verfolgung der Täter zu helfen, weil sie die einzigen sind, die wissen, von wem sie das Geld für die Anzeigen bekommen haben.“

Von Hirschhausen erklärt, mit welchen Folgen er zu kämpfen hat: „Der Schaden durch die Deepfakes ist dreifach: Menschen riskieren ihre Gesundheit, weil oft so getan wird, als könnte man alle von einem Arzt verordneten Mittel absetzen, wenn man das Wundermittel bestellt. Zum Zweiten wird das Vertrauen in meine Person und die öffentlich-rechtlichen Medien zerstört, für die ich seit 20 Jahren werbefrei arbeite.“

Von Hirschhausen ergänzt: „Zum Dritten gefährdet es massiv die Demokratie, wenn mit Deepfakes Wahlen beeinflusst werden, wenn Menschen gezielt mit polarisierenden Desinformationen getäuscht und aufgestachelt werden, und wenn wir in eine Welt kommen, wo wir nicht mehr zwischen wahr und gelogen unterscheiden.“

Worauf sollten Kunden achten, wenn sie unsicher sind, ob ein Angebot seriös ist? Ernährungsexpertin Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin rät: „Achten Sie vor einem Kauf unbedingt auf das Impressum. Nur Firmen mit Sitz in Deutschland unterliegen der Kontrolle durch die deutschen Behörden. Vorher sollte man immer den Test auf einen Fakeshop machen.“ Der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen hilft beispielsweise dabei, unseriöse Shops zu entlarven.

Bestellungen nicht per Vorkasse oder Nachnahme zahlen

Expertin Schautz: „Wenn Sie sich zum Kauf entschieden haben: Bitte bezahlen Sie nicht per Vorkasse oder per Nachnahme in bar. Im geschilderten Fall wird es kaum möglich sein, das Geld zurückzubekommen. Sichere Zahlungsmethoden wären zum Beispiel per Kreditkarte oder auf Rechnung. Auch ein Kaufabschluss per Telefon wird nicht empfohlen. Wenn Sie das Angebot wirklich interessiert, lassen Sie sich dieses zuschicken und lesen es in Ruhe durch.“

Das Internet ist voll von Fake Shops. Die Verbraucherzentrale warnt beim Onlinekauf vor den Risiken.
Das Internet ist voll von Fake Shops. Die Verbraucherzentrale warnt beim Onlinekauf vor den Risiken.Michael Bihlmayer/IMAGO

Gabriele G. hat ihre Lektion gelernt – und will anderen eine Warnung sein. Deshalb hat sie sich beim KURIER gemeldet. Sie weiß, wie schwer es inzwischen ist, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden: „Wenn man das Produkt angepriesen bekommt übers Handy und im Hintergrund den Herrn Professor Eckart von Hirschhausen sieht, dann denkt man natürlich, das hat alles Hand und Fuß.“

In diesem Fall stimmte das leider nicht.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sind Sie auch schon auf so eine Werbung reingefallen? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com