Verbindungen zu Clans?

CSD-Attentat Berlin: Vor diesem neuen Bedrohungspotenzial wurde schon 2023 gewarnt

Eine Warnung von 2023 sorgt nach dem CSD-Attentat für Aufsehen. Haben Ermittler mit ihrer Gefahreneinschätzung von damals recht?

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout: Für die Sicherheitsbehörden war er kein Unbekannter.
Der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout: Für die Sicherheitsbehörden war er kein Unbekannter.Polizei Berlin, Michael Kappeler/dpa, Montage BK/KI

Eine tote Frau und 29 Verletzte gehen auf das Konto des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul Ballout (21). Die Menschen sind noch immer geschockt. Einen islamistischen Anschlag auf den CSD in der deutschen Hauptstadt hätte kaum einer für möglich gehalten. Dabei hatten Berliner Ermittler und Politiker bereits vor mehr als zwei Jahren vor einem „neuen Bedrohungspotenzial für die öffentliche Sicherheit“ gewarnt – im Zusammenhang mit kriminellen arabischen Clans.

Nach Tod des CSD-Attentäters: Wie geht es weiter?

Der mutmaßliche Attentäter ist tot. Als Spezialkräfte den Terrorverdächtigen am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau festnehmen wollten, fielen Schüsse. Abdul Ballout, vor 21 Jahren in Berlin geboren, starb noch am Einsatzort.

Mit dem Tod des jungen Mannes, der libanesische Wurzeln hatte, ist der Fall noch längst nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Jetzt müssten die Ermittlungen erst richtig losgehen.

Dabei dürften die Ermittler vor allem ihr Augenmerk auf die Wohnadresse des mutmaßlichen Attentäters unweit des Potsdamer Platzes richten. Dort entdeckten Reporter ein kleines Detail: Auf dem Klingelschild war Ballouts Name nur per Klebestreifen ergänzt worden. Es soll dort noch ein ganz anderer Name stehen – der einer bundesweit bekannten arabischen Großfamilie.

Verfassungsschutz warnte vor gefährlicher Allianz

Ein Zufall? Nun müssen nicht alle Menschen kriminell sein, die diesen Namen tragen. Fakt ist: Es gibt Personen mit diesem Namen, die Ermittler dem Clan-Milieu zurechnen. Sie stehen im Verdacht, ideologisch, finanziell oder logistisch mit der schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon verknüpft zu sein.

Ob es Zusammenhänge zwischen arabischen Clans und Islamisten wie dem mutmaßlichen CSD-Attentäter Abdul Ballout gibt? Diese Frage sollte man prüfen. Denn bereits Ende 2023 warnte der Berliner Verfassungsschutz vor einer gefährlichen Allianz zwischen kriminellen Clans und Islamisten.

Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) bei einer Pressekonferenz.
Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) bei einer Pressekonferenz.Christoph Soeder/dpa

Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) packte damals vor dem Verfassungsschutzausschuss aus: Es gebe „punktuelle Verbindungen“ zwischen der salafistischen Szene und kriminellen Clans – Sympathiebekundungen im Netz, gemeinsame Moscheebesuche, sogar logistische Schützenhilfe sollen dazugehören.

Als Ursache nannte Hochgrebe, dass zwei demokratie- und rechtsstaatsfeindliche Gruppen ihre Aktivitäten und Mittel bündeln könnten – begründet in der gemeinsamen Ablehnung von Demokratie und Rechtsstaat sowohl durch die salafistische Szene als auch durch die Clankriminalität.

Überregionales Phänomen mit „besonderer Bedeutung“

Der SPD-Terror-Experte warnte: „Sollten sich die Hinweise verdichten, könnte daraus durchaus ein neues Bedrohungspotenzial für die Demokratie, für die öffentliche Sicherheit erwachsen.“ Es gehe um ein überregionales Phänomen mit „besonderer Bedeutung“.

Einige Monate nach dieser Warnung ermittelte die Berliner Staatsanwaltschaft tatsächlich gegen einen damals zwanzigjährigen Sprössling eines arabischen Clans. Ermittelt wurde wegen des Verdachts, Propagandamittel einer terroristischen Organisation verbreitet zu haben. Der Beschuldigte stritt alles ab.

Sind die damaligen Warnungen der Ermittler nun bittere Realität geworden? Fakt ist: Für 2025 hat das Bundesamt für Verfassungsschutz in seinem Bericht das islamistische Personenpotenzial mit 28.645 Personen angegeben. Gewaltbereit sind 9110. Der mutmaßliche CSD-Attentäter war einer von ihnen.

„Wir werden nicht mehr direkt gegen Herrn Ballout ermitteln“, erfuhr der KURIER von der Generalbundesstaatsanwaltschaft. Der Grund ist denkbar einfach. Der Attentäter ist tot.

Allerdings werde man weiterhin der Frage nachgehen, ob es bei dem Anschlag auf den CSD Hintermänner, Mitwisser oder Menschen gab, die den Auftrag für die Tat erteilten. Wie weit und ob man dabei auch in die Welt der arabischen Clans eindringt, blieb offen. Dazu bräuchte man auch richterliche Verfügungen.

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