Weißensee

Wird das die schönste Schule der Stadt? Seit acht Jahren wird hier saniert

In der Grundschule am Weißen See gehen Bauarbeiter statt Schülerinnen und Schüler ein und aus. Die Langzeit-Sanierung ist eine Bankrotterklärung.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Die Grundschule am Weißen See in Berlin-Pankow wird seit acht Jahren saniert.
Die Grundschule am Weißen See in Berlin-Pankow wird seit acht Jahren saniert.Hildebrandt

Man kann versuchen, auch Elend positiv zu verpacken. In seiner jüngsten Mitteilung betont Pankows Schulstadtrat Jörn Pasternack denn auch zuerst den Fortschritt an einer Baustelle, die schon Verantwortlichen vor ihm graue Haare beschert haben dürfte. Die Grundschule am Weißen See ist auch nach acht Jahren Bauarbeiten nicht bezugsfertig. 

Das Schul-Elend schönreden

„In den vergangenen Wochen sind wichtige Fortschritte bei der Baumaßnahme in der Grundschule am Weißen See in der Amalienstraße erzielt worden“, heißt es in der Mitteilung des Schulstadtrats. Die wesentlichen Bauleistungen (98 Prozent) seien inzwischen weitgehend abgeschlossen und die Maßnahme befände sich insgesamt in der finalen Phase.

Doch dann kommt der Zonk: „Das Bezirksamt geht derzeit davon aus, dass die Fertigstellung spätestens in den Sommerferien 2026 erreicht werden kann.

Lehrer und Schüler stinksauer

Ein Schild am Bauzaun der Grundschule kündet vom Unmut der Schüler und Lehrer.
Ein Schild am Bauzaun der Grundschule kündet vom Unmut der Schüler und Lehrer.Hildebrandt

Für die Schüler und Lehrer der Grundschule am Weißen See bedeutet dies, dass auch in diesem Schuljahr der mehrfach geplante Umzug zurück in die irgendwann schöne Schule abgeblasen wird. Ursprünglich war zuletzt Ostern als Umzugstermin genannt worden.

Die Sanierung der Schule ist bisher eine Aneinanderreihung von Pannen und Fehlplanungen. Auf den letzten Metern bis zur Fertigstellung der letzten zwei Prozent der Bauleistungen werfen Abstimmungen zwischen Bezirk und Senat, der eine Finanzierungslücke schließt, dem Projekt einen weiteren Knüppel zwischen die Beine.

Restarbeiten müssen einzeln vom Senat freigegeben werden

„Aktuell besteht eine baufachliche Sperre“, so Jörn Pasternack. „Das bedeutet, dass notwendige Nachtragsleistungen für einzelne Gewerke jeweils gesondert bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zur Prüfung und Freigabe eingereicht werden müssen. Erst im Anschluss können diese Leistungen dann beauftragt und schrittweise umgesetzt werden.“ Ja, es ist so zäh wie es klingt!

Und dann will auch der neue Schornsteinfeger noch gehört werden, seine neuen Anforderungen müssen umgesetzt werden. „Vor diesem Hintergrund ist ein konkreter Fertigstellungstermin weiterhin nicht belastbar zu benennen“, gibt Jörn Pasternack zu.

Der Schulhof der Grundschule am Weißen See sieht schon fast fertig aus.
Der Schulhof der Grundschule am Weißen See sieht schon fast fertig aus.Hildebrandt

Es tröstet nur halb, wenn Pasternack vermeldet, dass ein zentrales Problem der vergangenen Wochen gelöst werden konnte: „Die Ursache für die Undichtigkeit im Bereich der Dachabdichtung bzw. Regenentwässerung wurde identifiziert und fachgerecht beseitigt.“ Immerhin: die Finanzierung der Millionensanierung, die längst das Budget sprengt, ist gesichert.

Die Wiederinbetriebnahme der maroden Grundschule ist damit bereits ein halbes Dutzend Mal verschoben worden. Die Sanierung läuft seit 2018. Zuletzt fehlten dem Bezirk Pankow rund 13,74 Millionen Euro, die nach Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen nun gedeckt sind. Insgesamt summieren sich die Sanierungskosten für die Schule am Weißen See inzwischen auf 36,7 Millionen Euro.

Seit Jahren auf der Zielgeraden

„Insgesamt befinden wir uns jedoch klar auf der Zielgeraden. Ziel bleibt es, der Schulgemeinschaft ein baulich ausgereiftes, funktionales und langfristig sicheres Schulgebäude zu übergeben“, betont Jörn Pasternack, Bezirksstadtrat für Schule, Sport und Facility Management. Ja. Schön wäre das.

Besondere Schule aus den 1930er-Jahren

Denn die Schule ist ein wahres Juwel. 1931 eröffnete sie nach mehr als zehn Jahren Bauzeit als modernste Schule weit und breit. Anders als andere Schulen zu der Zeit, war sie eine weltliche Schule, Schüler verschiedener Konfessionen besuchten die Schule gemeinsam. 
Die denkmalgeschützte Schule verfügt über eine Aula samt Rang und Bühne. 

Auf der Dachterrasse konnten die ersten Schüler bei schönem Wetter Gymnastik üben. Ein Zeichensaal, Werkräume, eine Schulbibliothek, eine Duschanlage und ein Fahrradkeller zeugen von den umfassenden und modernen Bildungsambitionen zu der Zeit. Tischlerei, Schmiede, Buchbinderei gehörten ebenso zur Ausstattung wie Terrarien mit seltene Tier- und Pflanzenarten und ein Schulgarten.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com