Erst sollten 300 Kleingärten in Berlin-Treptow weichen, jetzt sind die Späth’schen Baumschulen bedroht: In Späthsfelde will Berlin bis zu 2500 neue Wohnungen bauen. Dafür soll nun die historisch bedeutsame Baumschule auf einen Teil ihrer Flächen verzichten.
Senatspläne für Späthsfelde: 2500 Wohnungen geplant
Das Dreieck Späthsfelde im Bezirk Treptow‑Köpenick gilt seit Jahren als eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete der Stadt, schreibt die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen. Fast schwärmerisch wird betont, wie stark die namensgebenden Späth’schen Baumschulen, die 2020 ihr 300‑jähriges Bestehen feierten, das Areal geprägt haben.
Doch jetzt scheint diese Geschichte nicht mehr viel zu zählen. Erst sollten Hunderte Kleingärten verschwinden – doch das ist nach dem neuen Kleingartensicherungsgesetz vom März nicht mehr möglich. Deshalb sollen nun Teile der Späth’schen Baumschulen geopfert werden.
Diese Bereiche der Späth’schen Baumschulen sollen bebaut werden
Nach den Plänen des Senats sollen die Baumschulen für den Neubau auf größere Flächen verzichten: auf Gewächshäuser, die Obstplantage, den Sortengarten, den Karpfenteich. Und auf den 2000 Quadratmeter großen Weltenacker, den jedes Jahr rund 150 Schulklassen besuchen.

Holger Zahn, Seniorchef der Späth’schen Baumschulen, ist fassungslos. Direkt neben den verbleibenden Flächen sollen viergeschossige Wohnhäuser entstehen. „Wenn man die Achse runterguckt, dann schaut man auf sieben- bis achtgeschossige Häuser“, sagte er RBB24.
Seit 1720: Warum die Baumschulen so bedeutend sind
Noch vor wenigen Tagen blickten die Verantwortlichen der Baumschulen hoffnungsvoll in die Zukunft. Der KURIER berichtete darüber, dass Holger Zahn, der langjährige Geschäftsführer und Betriebsinhaber, der noch zu DDR‑Zeiten 1987 in das Unternehmen eintrat, seine Nachfolge geregelt hat und die Leitung an drei junge Frauen übergibt.

Doch jetzt überschatten die Nachrichten aus dem Senat das für dieses Wochenende geplante Frühlingsfest „Späth’er Frühling“, bei dem die neuen Geschäftsführerinnen auch ihren ersten öffentlichen Auftritt haben. Jetzt wird das Fest zum Protest genutzt – mit einer groß angelegten Unterschriftenaktion unter dem Motto „Grüner Lernort statt grauer Bebauung“. Auch im Internet werden unter Open Petition Unterschriften gesammelt.

Die Späth’schen Baumschulen, 1720 gegründet, gelten als das älteste noch produzierende Unternehmen Berlins. Aus einer kleinen königlichen Hofbaumschule vor den damaligen Stadtmauern entwickelte sich über Generationen ein Betrieb, der Parks, Alleen und Gärten weit über die Stadt hinaus prägte.
Seniorchef warnt: Verlust des grünen Zentrums in Berlin-Treptow
Heute bietet das Unternehmen umfangreiche Leistungen im Garten‑ und Landschaftsbau sowie für Terrasse und Balkon an. Auf dem Gelände stehen laut Betreiber mehr als 80.000 Pflanzen bereit – von Stauden und Balkonblumen über Obstgehölze bis hin zu seltenen Park‑ und klimaresistenten Stadtbäumen. Ergänzt wird das Angebot durch Schaugärten, ein Open‑Air‑Baumschulen-Museum, gastronomische Bereiche und einen Hofladen.



