Neubauten geplant

Wohnungsbau in Treptow bedroht Berlins älteste Baumschule

Weil der Senat in Berlin-Treptow bis zu 2500 Wohnungen plant, soll das Traditionsunternehmen Gelände verlieren. Auf Open Petition läuft eine Protestaktion.

Author - Stefan Henseke
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Am Wochenende wird in den Späth’schen Baumschulen ein Frühlingsfest gefeiert. Aber es gibt schlechte Nachrichten für die Traditionsadresse: Teile des Geländes sollen mit Wohnungen bebaut werden.
Am Wochenende wird in den Späth’schen Baumschulen ein Frühlingsfest gefeiert. Aber es gibt schlechte Nachrichten für die Traditionsadresse: Teile des Geländes sollen mit Wohnungen bebaut werden.Daniela Incoronato/Späth’sche Baumschulen

Erst sollten 300 Kleingärten in Berlin-Treptow weichen, jetzt sind die Späth’schen Baumschulen bedroht: In Späthsfelde will Berlin bis zu 2500 neue Wohnungen bauen. Dafür soll nun die historisch bedeutsame  Baumschule auf einen Teil ihrer Flächen verzichten.

Senatspläne für Späthsfelde: 2500 Wohnungen geplant

Das Dreieck Späthsfelde im Bezirk Treptow‑Köpenick gilt seit Jahren als eines der wichtigsten Entwicklungsgebiete der Stadt, schreibt die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen. Fast schwärmerisch wird betont, wie stark die namensgebenden Späth’schen Baumschulen, die 2020 ihr 300‑jähriges Bestehen feierten, das Areal geprägt haben.

Doch jetzt scheint diese Geschichte nicht mehr viel zu zählen. Erst sollten Hunderte Kleingärten verschwinden – doch das ist nach dem neuen Kleingartensicherungsgesetz vom März nicht mehr möglich. Deshalb sollen nun Teile der Späth’schen Baumschulen geopfert werden.

Diese Bereiche der Späth’schen Baumschulen sollen bebaut werden

Nach den Plänen des Senats sollen die Baumschulen für den Neubau auf größere Flächen verzichten: auf Gewächshäuser, die Obstplantage, den Sortengarten, den Karpfenteich. Und auf den 2000 Quadratmeter großen Weltenacker, den jedes Jahr rund 150 Schulklassen besuchen.

Der Blick aus der Luft auf Späthsfelde: Neben der Stadtautobahn (links) sieht man viele Kleingärten und in der Mitte das Gelände der Späth’schen Baumschulen.
Der Blick aus der Luft auf Späthsfelde: Neben der Stadtautobahn (links) sieht man viele Kleingärten und in der Mitte das Gelände der Späth’schen Baumschulen.Dirk Laubner/SenStadt

Holger Zahn, Seniorchef der Späth’schen Baumschulen, ist fassungslos. Direkt neben den verbleibenden Flächen sollen viergeschossige Wohnhäuser entstehen. „Wenn man die Achse runterguckt, dann schaut man auf sieben- bis achtgeschossige Häuser“, sagte er RBB24.

Seit 1720: Warum die Baumschulen so bedeutend sind

Noch vor wenigen Tagen blickten die Verantwortlichen der Baumschulen hoffnungsvoll in die Zukunft. Der KURIER berichtete darüber, dass Holger Zahn, der langjährige Geschäftsführer und Betriebsinhaber, der noch zu DDR‑Zeiten 1987 in das Unternehmen eintrat, seine Nachfolge geregelt hat und die Leitung an drei junge Frauen übergibt.

Auch der Karpfenteich soll laut Bauplan weg: Der Senat plant auf Flächen der Späth’schen Baumschulen ein neues Wohngebiet.
Auch der Karpfenteich soll laut Bauplan weg: Der Senat plant auf Flächen der Späth’schen Baumschulen ein neues Wohngebiet.Paul Zinken

Doch jetzt überschatten die Nachrichten aus dem Senat das für dieses Wochenende geplante Frühlingsfest „Späth’er Frühling“, bei dem die neuen Geschäftsführerinnen auch ihren ersten öffentlichen Auftritt haben. Jetzt wird das Fest zum Protest genutzt – mit einer groß angelegten Unterschriftenaktion unter dem Motto „Grüner Lernort statt grauer Bebauung“. Auch im Internet werden unter Open Petition Unterschriften gesammelt.

Königlicher Besuch: Sogar König Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) besuchte das 1720 von Christoph Späth gegründete Familienunternehmen.
Königlicher Besuch: Sogar König Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) besuchte das 1720 von Christoph Späth gegründete Familienunternehmen.Späth’sche Baumschulen

Die Späth’schen Baumschulen, 1720 gegründet, gelten als das älteste noch produzierende Unternehmen Berlins. Aus einer kleinen königlichen Hofbaumschule vor den damaligen Stadtmauern entwickelte sich über Generationen ein Betrieb, der Parks, Alleen und Gärten weit über die Stadt hinaus prägte.

Seniorchef warnt: Verlust des grünen Zentrums in Berlin-Treptow

Heute bietet das Unternehmen umfangreiche Leistungen im Garten‑ und Landschaftsbau sowie für Terrasse und Balkon an. Auf dem Gelände stehen laut Betreiber mehr als 80.000 Pflanzen bereit – von Stauden und Balkonblumen über Obstgehölze bis hin zu seltenen Park‑ und klimaresistenten Stadtbäumen. Ergänzt wird das Angebot durch Schaugärten, ein Open‑Air‑Baumschulen-Museum, gastronomische Bereiche und einen Hofladen.

Seniorchef Holger Zahn von den Späth’schen Baumschulen steht in einem Gewächshaus, das einer Schule für das neue Wohngebiet Platz machen soll.
Seniorchef Holger Zahn von den Späth’schen Baumschulen steht in einem Gewächshaus, das einer Schule für das neue Wohngebiet Platz machen soll.Paul Zinken

Die Baumschule würde zwar weiterbestehen können, ihren Charakter als grünes Zentrum aber verlieren, ist sich Holger Zahn sicher. „Es bleiben nur noch die denkmalgeschützten Häuser und die versiegelten Flächen. Wir hätten nicht einen Quadratmeter mehr, wo irgendwie eine Pflanze in der Erde wächst“, erklärt der Seniorchef in der Berliner Zeitung. „Dieses natürliche Umfeld ist es, was die Berliner und Brandenburger von uns erwarten. Pflanzen verkaufen können wir auch in Brandenburg.“

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sollte hier in Späthsfelde gebaut werden? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com