Was für ein Einsatz für einen kleinen Federball: In Berlin-Johannisthal musste die Feuerwehr am Sterndamm 166 mit schwerem Gerät anrücken – um einen winzigen Mauersegler aus seiner misslichen Lage zu befreien. Der Vogel hatte sich an der Fassade eines viergeschossigen Wohnhauses verheddert und hing hilflos in der Regenrinne fest.
Mauersegler verfängt sich in Schnur an Hauswand
Offenbar war dem Tier ein Stück Schnur zum Verhängnis geworden. An der Dachkante des Wohnhauses hatte sich der Mauersegler so unglücklich verfangen, dass er sich aus eigener Kraft nicht mehr lösen konnte. Für die kleinen Flugkünstler, die fast ihr gesamtes Leben in der Luft verbringen und nur zum Brüten an Fassaden Halt suchen, ist so eine Situation lebensbedrohlich. Wer einmal am Boden liegt oder festhängt, kommt ohne Hilfe kaum wieder in die Luft.

Aufmerksame Anwohner alarmierten daraufhin die Berliner Feuerwehr – und die ließ sich nicht zweimal bitten. Mit einer Drehleiter rückten die Einsatzkräfte an, denn ohne schweres Gerät war an den verzweifelten Vogel hoch oben über der vierten Etage nicht heranzukommen.
Drehleiter-Einsatz für ein paar Gramm Federn
Vorsichtig fuhr ein Feuerwehrmann im Korb der Drehleiter an der hellen Hausfassade nach oben. Mit ruhiger Hand und Werkzeug machte er sich daran, das Tier aus der Schnur zu befreien – Millimeterarbeit, wenn man bedenkt, wie zerbrechlich so ein Mauersegler ist. Auf den Einsatzbildern ist gut zu erkennen, wie behutsam der Retter den dunkelbraunen Vogel in seiner schützenden Faust hält, während die andere Hand die Fesselung am Mauerwerk löst.

Dann der erhoffte Moment: In luftiger Höhe öffnete der Feuerwehrmann seine Hand – und wollte den Mauersegler direkt von der Drehleiter aus zurück in den Berliner Himmel entlassen. Doch der Befreiungsflug misslang. Statt davonzuschießen, blieb der kleine Vogel auf der Hand sitzen. Schnell war klar: Das Tier ist offenbar doch verletzt und nicht mehr in der Lage, alleine zu fliegen.
Patient kommt in die Obhut der Feuerwache
Für die Retter war damit klar: Hier muss jetzt noch mehr passieren als ein schneller Höhenflug-Einsatz. Kurzerhand wurde der Mauersegler in eine Transportbox gesetzt und mit zur Wache genommen. Dort soll sich der kleine Patient erst einmal in Ruhe von dem Stress erholen. Mit großen, dunklen Knopfaugen blickt er auf den Fotos aus der Hand seines Retters – sichtlich erschöpft, aber zumindest in Sicherheit.

Sollte sich herausstellen, dass die Blessuren ernster sind, geht es für den gefiederten Notfall weiter in die Tierklinik Düppel. Die Spezialklinik im Berliner Südwesten ist bei Wildvogel-Notfällen die erste Adresse der Hauptstadt. Für den Mauersegler bleibt zu hoffen, dass er bald wieder das tun kann, wofür er gemacht ist: durch den Berliner Sommerhimmel sausen.



