Berlin droht ein stilles Vogelsterben: Der Spatz (Haussperling und auch Feldsperling), einst allgegenwärtig in Höfen und Parks, wird in der Hauptstadt immer seltener. Die aktuellen Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“ vom Nabu (Naturschutzbund) Berlin zeigen einen drastischen Rückgang.
Berliner Spatzen verschwinden dramatisch
Traurig: Bei der Zählaktion mit 1685 Teilnehmern vom 8. bis 12. Mai 2026 wurden erneut deutlich weniger Haus- und Feldsperlinge gesichtet. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Haussperlinge um 38 Prozent zurück – nachdem bereits 2025 ein Minus von 28 Prozent registriert worden war. Noch härter trifft es den Feldsperling mit einem Rückgang von 37 Prozent.

Zwar hält sich der Haussperling noch knapp auf Platz 1 der meistgesichteten Vögel in Berlin, doch seine Präsenz bricht ein: Nur noch in etwa jedem zweiten Berliner Garten wird er beobachtet. Im vergangenen Jahr waren es noch rund zwei Drittel, 2024 sogar drei Viertel der Gärten.
Der drastische Absturz gibt Rätsel auf. Weder Nahrungsmangel noch fehlende Nistplätze erklären die Entwicklung. Nistmöglichkeiten sind vorhanden, doch vielerorts bleiben sie leer – als wären die Spatzen plötzlich verschwunden.
Andere Berliner Vogelarten profitieren deutlich
Auch ein Vergleich mit anderen Arten verstärkt die Sorge: Meisen, Amseln und andere Singvögel zeigen keinen vergleichbaren Rückgang. Doch der bekannteste Vogel Berlins verschwindet allmählich und keiner weiß, wieso. Dieser „dramatische Rückgang“ des Spatzes sei ein Warnsignal, so Nabu.

Während der Spatz schwächelt, feiern andere Arten ein Comeback. Zu den großen Gewinnern zählen der Zilpzalp mit einem Zuwachs von 46 Prozent sowie die Mönchsgrasmücke, die um 38 Prozent zulegte. Auch die Nachtigall wurde deutlich häufiger gesichtet, ihr Bestand stieg um 24 Prozent. Experten vermuten, dass diese Arten von besseren Schutzmaßnahmen in ihren Überwinterungsgebieten im Mittelmeerraum profitieren.
Artenvielfalt schwindet trotz politischer Kampagnen
In der Rangliste folgen hinter dem Spatz diesmal Mauersegler und Ringeltaube auf den Plätzen zwei und drei. Doch auch diese Stabilität an der Spitze kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gesamtzahl der Vögel sinkt. Berlin verliert zunehmend an Artenvielfalt, und das sichtbar.

27.528 Vögel wurden insgesamt bei der Aktion gezählt. Mit durchschnittlich 23,5 Vögeln pro Garten liegt der Wert erneut unter dem Vorjahresniveau von 24,8 – ein weiterer Beleg für den langfristigen Abwärtstrend in der Hauptstadt.
Erst kürzlich startete der Senat die Kampagne „Eine Stadt – 20.000 Arten“. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Die Vielfalt schrumpft, während zentrale Arten wie der Spatz beinahe aus dem Stadtbild verschwinden. Viele Beobachter fordern daher mehr als nur Plakate: Konkrete Maßnahmen für den Naturschutz sind nötig.



