Sie sind wieder da! Die Mauersegler schießen kreischend über die Dächer der Hauptstadt, und jetzt können Berlinerinnen und Berliner den pfeilschnellen Sommergästen sogar direkt ins Wohnzimmer schauen. Eine neue NABU‑Webcam liefert seltene, intime Einblicke in zwei echte Mauersegler‑Familien – und das rund um die Uhr.
Paul und Paula haben schon Nachwuchs – Gisela und Gerd brüten noch
Die Kamera, die gemeinsam mit einem Hausbewohner in Berlin-Mitte installiert wurde, schaltet alle zehn Minuten zwischen zwei Nistkästen hin und her. In Kasten Nummer eins sind „Paul und Paula“ bereits voll im Elternmodus: Das erste Küken ist vor wenigen Tagen geschlüpft. Im zweiten Kasten machen sich „Gisela und Gerd“ gerade erst bereit für ihre Brut. Wer reinschauen will: Hier geht’s direkt zur Live‑Cam.
„Ein Blick in ein sonst unsichtbares Leben“
Marc Engler, Chef der NABU‑Wildvogelstation, ist begeistert: „Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Leben in der Luft. Dass wir sie ausgerechnet in dieser kurzen Brutzeit so nah beobachten können, ist etwas ganz Besonderes.“ Und tatsächlich: Die Vögel sind echte Flugmaschinen. Nur zum Brüten und Füttern landen sie überhaupt.

Nester aus allem, was im Flug zu greifen ist
Die kleinen Akrobaten bauen ihre Nester aus allem, was sie im Vorbeiflug erwischen: Halme, Haare, Federn, Papierfetzen – alles wird mit Speichel zu einem stabilen Ring verklebt. Oft nutzen sie auch alte Sperlingsnester als Basis.
Die Brut dauert rund 18 bis 20 Tage. Danach bleiben die Jungvögel bis zu 55 Tage im Nest, bevor sie selbst in den Himmel starten.
Insektenmangel, Hitze, Sanierungen – und trotzdem ein Lichtblick
Gefüttert wird ausschließlich mit Fluginsekten, die die Eltern im Kehlsack sammeln. Haselnussgroße Futterbällchen, vollgepackt mit winzigen Insekten, landen dann im Schnabel der Küken.
Doch die Mauersegler haben es schwer: Gebäudesanierungen zerstören Nistplätze, Insekten werden weniger, auch die Sommerhitze setzt den Tieren zu.
Trotzdem gibt es gute Nachrichten: In Berlin leben laut Roter Liste 25.000 bis 35.000 Brutpaare – Tendenz positiv. Ein Grund dafür: Aktiver Naturschutz. Viele neue Ersatznistplätze entstehen unter anderem durch das NABU‑Adoptionsprogramm.

Nur wenige Monate in Berlin – dann geht’s nach Afrika
Die eleganten Langstreckenzieher bleiben nicht lange in Berlin. Anfang Mai kommen sie aus Afrika zu uns und schon im August oder September fliegen sie wieder los.
