Bis Mitternacht

Warum am BER heute kein Flieger abhebt – und was Reisende jetzt wissen müssen

Die Gewerkschaft Verdi hat zum Streik aufgerufen.  Alle Flüge fallen aus, 57.000 Passagiere sind betroffen. Das sind jetzt die wichtigsten Rechte für Reisende.

Author - Stefan Henseke
Teilen
Nichts geht mehr am Flughafen BER: Alle Flüge sind seit 5 Uhr morgens gecancelt worden.
Nichts geht mehr am Flughafen BER: Alle Flüge sind seit 5 Uhr morgens gecancelt worden.Julian Degler/dpa

Der 6 Uhr-Flug vom BER nach Amsterdam – gestrichen. Auch die Flieger nach Bologna (6.05 Uhr), München (6.15 Uhr) und London (6.20 Uhr) bleiben am Boden. Verdi bestreikt am Mittwoch mal wieder den Berlin-Brandenburger Flughafen BER. Seit 5 Uhr geht bis Mitternacht nichts mehr. Alle Abflüge und Landungen wurden gecancelt, auf der BER-Internetseite stehen alle Flüge auf „Rot“.

Mittwoch waren rund 445 Starts und Landungen geplant

Wegen eines Warnstreiks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi steht der Betrieb nahezu komplett still. Die Flughafengesellschaft FBB teilte mit, dass „keine regulären Flüge möglich“ seien. Reisende sollen sich dringend über Umbuchungen und alternative Verbindungen informieren.

Der Ausstand ist Teil der laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten am Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Verdi wirft der Arbeitgeberseite eine „Blockadehaltung“ vor und kritisiert, das bisherige Angebot bedeute für viele Beschäftigte einen spürbaren Reallohnverlust.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem sechs Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 250 Euro zusätzlich pro Monat je Gruppe beziehungsweise Stufe. Außerdem will sie einen zusätzlichen freien Tag, aber nur für  Gewerkschaftsmitglieder, durchsetzen.

Die FBB wiederum hält den Streik für „unverhältnismäßig“. Eigentlich waren für Mittwoch rund 445 Starts und Landungen mit etwa 57.000 Passagieren geplant – nun fällt der Großteil davon aus. Die nächste Verhandlungsrunde ist erst für nächste Woche (25. März) angesetzt.

Nur der BVG fährt noch fahrplanmäßig. Das Terminal 1 am Flughafen BER in Schönefeld ist wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi in den Morgenstunden verwaist.
Nur der BVG fährt noch fahrplanmäßig. Das Terminal 1 am Flughafen BER in Schönefeld ist wegen des Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi in den Morgenstunden verwaist.Marvin Zubrod/dpa

Kurios: Es streikt gar nicht das gesamte Personal. Check-in, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung wären theoretisch möglich. Viele Bereiche wie die Bodenverkehrsdienste und die Sicherheitskontrollen werden von Dienstleistern übernommen, die vom Warnstreik gar nicht nicht betroffen sind.

Doch da sich die Feuerwehr und Mitarbeiter, die für die Lichtsignale an den Landebahnen und die „Follow me“-Fahrzeuge zuständig sind, im Ausstand befinden, darf kein Flugzeug mehr landen und nur auf eigenes Risiko starten. Das aber mache keine Airline, sagte ein Flug-Experte zu BILD.

Geld zurück? Die Rechte haben Passagiere

Bei kurzfristigen Flugausfällen wie diesem Warnstreik können Passagiere auch den Ticketpreis zurückverlangen, wenn Umbuchungen auf einen anderen Tag und andere Flüge für sie keinen Sinn ergeben. Die Airline muss den Betrag laut Verbraucherzentrale binnen einer Woche  erstatten. Wichtig: Gutscheine müssen Passagiere nicht akzeptieren.

Muss die Airline eine Entschädigung zahlen? In diesem Fall leider nicht. Fluggesellschaften wie Lufthansa, Easyjet und Ryanair könnten nur dann in die Pflicht genommen werden, wenn ihr Personal (etwa die Piloten) streiken würde.

Im Fall des Warnstreiks am BER wurde der Betrieb aber vonseiten der Flughafengesellschaft eingestellt, weshalb Airlines Entschädigungsforderungen unter Verweis auf außergewöhnliche Umstände abblocken dürften.

Der Flughafen BER empfiehlt auf seiner Website, sich bei der Airline zu melden. Oder beim Reiseveranstalter, der im Fall einer Pauschalreise für den Reisenden zuständig ist. Dort kann man sich über Umbuchungen und alternative Reisemöglichkeiten informieren.

Sind Sie auch vom Streik am Flughafen BER betroffen? Schreiben Sie an leser-bk@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Zuschriften.