Neue Details

Unfassbar! Abdul Ballout wurde noch eine Stunde vor dem CSD-Anschlag observiert

Neue Details zum CSD-Terror: Abdul Ballout wurde noch kurz vor dem Anschlag überwacht. Warum konnte die Tat trotzdem nicht verhindert werden?

Author - Mariella Mandurino
Teilen
Abdul Ballout wurde seit Monaten von den Behörden observiert. Er soll davon nichts mitbekommen haben.
Abdul Ballout wurde seit Monaten von den Behörden observiert. Er soll davon nichts mitbekommen haben.Polizei Berlin/Funke Foto Services/Imago

Es ist kaum zu glauben, dass es nach unzähligen Indizien trotzdem zu dieser Tat kommen konnte. Nur eine Stunde vor dem Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) soll der mutmaßliche Attentäter Abdul Ballout (21) noch von den Sicherheitsbehörden beobachtet worden sein. Wenig später raste er mit einem Transporter in eine zum CSD gehördende Menschenmenge im Berliner Tiergarten, tötete eine 65-jährige Frau aus Polen und verletzte zahlreiche weitere Menschen. Jetzt wird immer deutlicher, wie eng die Behörden den mutmaßlichen Islamisten bereits im Blick hatten.

Abdul Ballout soll deutschen Behörden als Salafist bekannt gewesen sein

Nach einer gemeinsamen Recherche von SZ, NDR und WDR soll eine vom Berliner Landeskriminalamt installierte Überwachungskamera Ballout am Samstag um 20.58 Uhr beim Verlassen seiner Wohnung aufgezeichnet haben. Gegen 22 Uhr soll er den Anschlag am Tiergarten verübt haben. Zuvor saß Ballout 2025 für drei Monate in einem Gefängnis im Libanon. Er versuchte damals vom Libanon nach Syrien zu gelangen und sich dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Der Versuch missglückte, Ballout landete im Knast.

Tausende Menschen haben vor dem Brandenburger Tor Blumen, Kerzen und Regenbogenfahnen niedergelegt und trauern um die Opfer des CSD-Anschlags.
Tausende Menschen haben vor dem Brandenburger Tor Blumen, Kerzen und Regenbogenfahnen niedergelegt und trauern um die Opfer des CSD-Anschlags.Wolfgang Maria Weber/Imago

Auch den deutschen Sicherheitsbehörden soll der mutmaßlicher CSD-Täter bereits seit Jahren als Salafist bekannt gewesen sein. Nachdem Ballout am 17. November 2025 wieder am Flughafen BER landete, wurde er festgenommen und kam in die Jugendstrafanstalt am Friedrich-Olbricht-Damm. Gegen ihn wurde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt.

Auch während seiner Haft soll Ballout nicht von seinem Extremismus abgerückt sein. Interne Behördenunterlagen, über die die Bild-Zeitung berichtet, zeichnen das Bild eines Mannes, der seinen religiösen Fanatismus selbst hinter Gittern offen auslebte und andere Häftlinge für seine Ideologie gewinnen wollte.

Fünf Gebete am Tag und Missionierungsversuche

Den internen Unterlagen zufolge, aus denen Bild zitiert, soll der 21-Jährige in der Haft fünfmal täglich gebetet und immer wieder versucht haben, Mitgefangene zum Mitbeten zu bewegen. Die Gefängnisleitung soll deshalb befürchtet haben, dass Ballout andere Häftlinge radikalisieren könnte. Bereits im Dezember wurde er deshalb von seinen Mitinsassen getrennt untergebracht.

Aus den Unterlagen soll außerdem hervorgehen, dass sich sein Erscheinungsbild Anfang 2026 deutlich verändert habe. Es sei inzwischen „stark salafistisch geprägt“ gewesen. Gleichzeitig hätten die Behörden festgehalten, dass die Untersuchungshaft „keine erkennbare Abkehr von der extremistischen Haltung“ bewirkt habe.

Mit diesem weißen Transporter raste der mutmaßliche Täter Abdul Ballout am Samstagabend in die Menschenmenge.
Mit diesem weißen Transporter raste der mutmaßliche Täter Abdul Ballout am Samstagabend in die Menschenmenge.Imago/dts

Doch selbst die Separierung soll den 21-jährigen mit libanesischen Wurzeln nicht aufgehalten haben. Laut einer Gefährdungsbewertung habe er weiterhin gezielt den Kontakt zu Mitgefangenen gesucht, die ebenfalls als islamistisch eingestellt galten. Demnach habe er versucht, die Rolle eines Vorbeters und Missionars einzunehmen. Nach seiner Entlassung blieb der 21-Jährige unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Sein Handy wurde überwacht, außerdem observierten Ermittler ihn mit Zivilkräften und technischen Mitteln.

Auffälliger Besuch vor dem Gefängnis im Juni

Die Behörden kamen zu dem Schluss, dass Ballout weiterhin tief in der salafistischen Szene verankert gewesen sei. Er habe regelmäßig Kontakt zu ehemaligen Mitgefangenen gehalten und sich ihnen gegenüber als religiöser Mentor oder auch Imam verstanden.

Besonders auffällig soll ein Vorfall am 19. Juni gewesen sein. Ballout fuhr demnach zur Jugendstrafanstalt, hielt sich vor dem Gelände auf und telefonierte mit Insassen. Laut den internen Unterlagen stellte er sich dafür auf einen Lkw-Anhänger und sprach gemeinsam mit den Gefangenen ein Gebet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Häftlinge dafür verbotene Mobiltelefone nutzten.

Nur wenige Wochen später eskalierte die Situation. Am Samstagabend soll Ballout mit einem Transporter in die Menschenmenge des Christopher Street Day gefahren sein. Eine 65-jährige Frau aus Polen wurde getötet, zahlreiche weitere Menschen verletzt. Nach seiner Flucht spürte ein Spezialeinsatzkommando und die Polizei den 21-Jährigen am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau auf. Als er die Einsatzkräfte nach Behördenangaben mit einer Stichwaffe angriff, schossen die Beamten. Ballout starb noch am Einsatzort.

Was denken Sie: Müssen bekannte Islamisten künftig enger überwacht werden? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com