Tierisch niedlich

Apartment mit Alpaka – in Lankwitz können Senioren mit Andenkamelen kuscheln

In einer Senioren-Residenz in Lankwitz leben die tierischen Helfer im Garten. Alpakas sind die Stars der exklusiven Anlage.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Kuscheln mit Alpakas im Seniorenheim Lankwitz in Berlin: Gerhard Güttler (94) mit den Alpakas
Kuscheln mit Alpakas im Seniorenheim Lankwitz in Berlin: Gerhard Güttler (94) mit den AlpakasMaurice Weiss/Ostkreuz

Wenn Gerhard Güttler mit den Leckerlis raschelt, kommen sie neugierig herbeigelaufen: Der kleine weiße Max, Anoki, Makani, Hero und Kajus. Die fünf Alpakas wohnen im Garten der Mana-Seniorenresidenzen in Lankwitz. Die tierische Helfer sind die Stars bei den Bewohnern. Und Gerhard Güttler hat mit dem Terrassenzimmer zum Garten hin das große Los gezogen.

„Immer wenn Besuch kommt, locke ich sie her“, erzählt der 94-Jährige. „Ein bisschen wie im Zoo“, freut er sich, als die Alpakas hinter seinen Gardinen nach restlichen Leckerlis schnuppern.

Die fünf felligen Gesellen mit den freundlichen Gesichtern kommen sogar in das Zimmer spaziert, wenn im Sommer die Tür offen ist. Im Garten der Anlage können sie sich frei bewegen.

Im Garten der exklusiven Senioren-Wohnanlage können sich die Tiere frei bewegen.
Im Garten der exklusiven Senioren-Wohnanlage können sich die Tiere frei bewegen.Maurice Weiss/Ostkreuz

Alpakas im Seniorenheim, das ist keine ganz neue Idee. Der Gewinn für alle hat sich bereits vielerorts gezeigt. Denn die Tiere strahlen Ruhe aus, wie sie da so durch die Gegend schreiten. Ihr sanftes Wesen, ihre neugierige, aber nie aufdringliche Art und ihr weiches Fell schaffen eine besondere Atmosphäre.

„Die Tiere berühren die Seele, sie sprechen Menschen auf einer anderen Ebene an und fördern das emotionale Wohlbefinden“, erklärt Mana-Geschäftsführerin Johanna Janssen. „Besonders für Menschen mit Demenz können sie Brücken zur Außenwelt sein.“ Wenn die Worte fehlen, tut es gut, mit den Händen Wärme zu spüren.

Alpakas im Fahrstuhl

Alle im Haus kennen die Alpakas und keiner wundert sich, wenn Kajus mal bei der Chefin im Büro vorbeischaut. Die Alpakas sind es sogar gewöhnt, zu zweit an der Leine mit dem Fahrstuhl in die obere Etage zu fahren. „Nicht alle Bewohner sind gut zu Fuß, so kommen auch sie in den Genuss eines Alpaka-Besuchs“, so Janssen.

Gerhard Güttler aber wohnt fast mittendrin in der kleinen Herde. Sein Sohn und die Schwiegertochter hätten das Seniorenapartment für ihn ausgesucht. „Da habe ich ihnen voll vertraut“, sagt der ehemalige Luftwaffen-Pilot. Die Tiere waren dann eine willkommene Überraschung.

Wo er in seinem Berufsleben von seinem Fliegerhorst in der Eiffel mit Vollspeed den Starfighter durch ganz Europa flog, macht sich nun Ruhe und Gelassenheit beim Anblick der Alpakas breit. „Ich meditiere seit 50 Jahren“, erzählt Gerhard Güttler. Jeden Abend schließe er mit dem Gedanken, wie dankbar er für ein erfülltes Leben sei.

Max und seine Freunde im Garten der Seniorenresidenz
Max und seine Freunde im Garten der SeniorenresidenzMaurice Weiss/Ostkreuz

Wenn die greisen Hände durch das weiche Fell von Max und seinen Freunden gleiten, sind Mensch und Tier ganz im Moment, auch das hat etwas Meditatives.

Tiere als Helfer gegen Einsamkeit

Das Fühlen des Fells, das Beobachten der Bewegungen und das Hören der leisen Laute regen verschiedene Sinneskanäle an. „Das ist besonders wertvoll für Menschen mit Demenz“, erklärt Johanna Janssen, deren Eltern mit dem Unternehmen Mana seit 50 Jahren exklusive Wohnangebote für Senioren machen.

Das Konzept richtet sich dabei an eine wohlhabende Klientel: Die Gäste mieten Einzelapartments und buchen, je nach Bedarf, pflegerische Leistungen des hauseigenen ambulanten Pflegedienstes hinzu. Ist das nicht furchtbar teuer? „Für 1500 Euro Miete ist man dabei“, erklärt Johanna Janssen. Doch obendrauf kommen die Kosten für individuell vereinbarte Zusatzleistungen und die Pflege.

In der Seniorenanlage mit den drei Villen muss man auf jeden Fall mit einem monatlichen Eigenanteil rechnen, der deutlich über dem herkömmlicher Seniorenheime mit etwa 3100 Euro im Monat liegt.

Dafür gibt es dann aber auch jederzeit tierische Begleitung, eine elegante Ausstattung und jede Menge Extra-Services.

Tiere urteilen nicht. Ihre bedingungslose Akzeptanz stärkt das Selbstwertgefühl und kann Einsamkeit lindern. Auch reiche Rentner sehnen sich am Ende am meisten nach Zuwendung und Geborgenheit.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com