Tausende Kilometer entfernt entwickelt sich derzeit im tropischen Pazifik ein Wetterphänomen, das bei Klimaforschern weltweit für Unruhe sorgt und möglicherweise auch das Wetter in Europa kräftig durcheinanderwirbelt.
Rekord-El Niño erwartet
Die aktuellen Vorhersagen sind ungewöhnlich eindeutig: El Niño könnte sich in den kommenden Monaten stärker entwickeln als jemals zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.
Besonders bemerkenswert ist die Einschätzung des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF). Dessen Experte Tim Stockdale findet ungewöhnlich klare Worte. Aus seiner Sicht sei es „absolut wahr zu sagen, dass wir noch nie eine Vorhersage eines El Niño hatten, der so stark und stetig in den Vorhersage-Modellen war“. Es wäre „eine sehr, sehr große Überraschung“, wenn dies kein Rekord-El-Niño werde.

El Niño ist kein Sturm, kein Hurrikan und kein einzelnes Wetterereignis. Es handelt sich um eine großräumige Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Vereinfacht gesagt gerät dabei das normale Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre aus dem Takt. Die Folgen sind enorm. Sollten sich die Prognosen bestätigen, drohen weltweit deutlich mehr Extremwetterereignisse, von Dürren und Hitzewellen bis hin zu sintflutartigem Regen und Überschwemmungen.
Die Weltwetterorganisation WMO erwartet, dass sich das Phänomen in den kommenden Monaten rasch verstärkt. Viele Modelle prognostizieren Wassertemperaturen von mehr als zwei Grad über dem Durchschnitt. Da ist ein Bereich, der als sehr starker El Niño gilt.
Für die Tropen und viele Regionen rund um den Pazifik sind die Folgen relativ gut bekannt. Dort steigen die Risiken für Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Starkregen und Überschwemmungen deutlich. Das könnte zu Engpässen bei Nahrungsmitteln führen. Doch was bedeutet das Wetter-Phänomen für Europa und für Deutschland?

Anders als Südamerika oder Australien liegt Europa nicht im direkten Einflussbereich von El Niño. Trotzdem beeinflusst das Phänomen großräumige Luftströmungen und damit auch das Wetter auf dem Kontinent.
Auswirkungen von El Niño in Europa
Nach Einschätzung des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und mehreren europäischen Forschungseinrichtungen steigt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittlich warme Bedingungen in Europa deutlich an. Für Herbst und Winter deuten die Modelle vielerorts auf ein milderes Wetter hin.
Gleichzeitig könnten sich Tiefdruckgebiete häufiger durchsetzen und für mehr Regen und Sturmwind sorgen. Ein starker El Niño könnte in Europa einen milderen, feuchteren und windigeren Herbst sowie Frühwinter begünstigen.


