Sie stehen jeden Tag vor der Kamera, befassen sich mit Luftströmungen, mit Hoch- und Tiefdruckgebieten – und in den vergangenen Wochen immer wieder auch mit der extremen Hitze. Doch regelmäßig sind Deutschlands Wetterfrösche auch Kritik ausgesetzt, weil die Menschen der Meinung sind, dass das Wetter einfach nicht mehr stimmt. Dass das nicht an falschen Vorhersagen liegt, verrät jetzt Wetter-Forscherin Kathy Schrey von wetter.net. Sie gibt in ihrem aktuellen Wetterbericht nicht nur Einblicke in das Wetter der kommenden Tage, sondern verrät auch, warum die Vorhersagen bei manchen einfach nicht stimmen.
Chaotische Prognosen: „Zwei Wetter, ein Land!“
Das Wetter in diesem Jahr ist schon wieder äußerst chaotisch: Erst der heftige Winter, nun die extreme Sommerhitze, zwischendurch ziehen sich immer wieder regelrechte Wetter-Mauern durch Deutschland. Ein Phänomen, das offenbar auch Deutschlands Meteorologen in Bedrängnis bringt – das deutet jetzt Wetter-Forscherin Kathy Schrey von wetter.net an.
„In den nächsten Tagen hagelt es mit Sicherheit wieder Kritik“, sagt sie. Der Grund: Spricht sie von Hitze-Tagen, die in Baden-Württemberg und im Saarland Bestand haben, melden sich immer wieder Menschen aus dem Norden. „Wie, Hitze? Bei uns hat der Herbst gerade Einzug gehalten!“
Allerdings geht es auch anders: „Betone ich den Herbst beziehungsweise auch den herbstlichen Sturm und die Wolken im Norden, dann sagen die Zuschauer im Süden: Wie, Herbst? Bei uns ist es immer noch hochsommerlich, zum Teil auch unerträglich warm.“ Die einzige Chance für die Meteorologin: „Ich versuche, keine Region auszulassen“, sagt sie.
Vor allem an den Tagen nach der großen Hitze fiel das Wetter in unterschiedlichen Teilen Deutschlands auch sehr unterschiedlich aus: Während der Süden noch immer unter den Nachwehen der Hitze ächzte, gab es im Norden kühle Temperaturen, teilweise Regen und immer wieder recht starken Wind.

Es zeigt sich auch in den kommenden Tagen. Eine Nordwest-Strömung ist vor allem in der nördlichen Hälfte Deutschlands verantwortlich für das Wetter. Dadurch wird recht kalte Luft ins Land. „Das ist Polarluft, die sich wirklich im Norden etablieren kann“, sagt Schrey.
Im Süden hingegen drängt weiter warme Luft ins Land. Die Unterschiede zeigen sich auch beim Wind: Sturmtief Zoe wirbelt vor allem im Norden Deutschlands alles ordentlich durcheinander, der Süden bekommt hingegen ein eher mildes Lüftchen ab.
Verteilung der Sonne in Deutschland ist ungerecht
Auch die Verteilung der Sonnenstunden sei „ungerecht“, sagt Kathy Schrey. „Wir haben es zum Teil mit 14 Sonnenstunden im Süden zu tun. Im Norden erreichen wir zum Teil nur fünf Sonnenstunden.“ Die irre Bilanz der Meteorologin: „Zwei Wetter, ein Land!“
Nur eines haben der Norden und der Süden gemeinsam: In den Nächten liegen die Temperaturen bei Werten, die es erlauben, dass man ordentlich durchlüftet und sich weiter von der brutalen Wärme des vergangenen Wochenendes erholt.
Der Samstag bietet Werte zwischen 22 Grad im Norden und 31 Grad im Süden Deutschlands – kein Vergleich mit der Hitze mit mehr als 40 Grad am vergangenen Wochenende. Im Norden gibt es Niederschlag zu den milden Temperaturen, im Süden steht vor allem Sonnenschein auf dem Programm.
Am Sonntag dann wieder zwischen 21 Grad im Norden und 30 Grad im Süden, dazu kann es in weiten Teilen Deutschlands bis in den Süden Schauer geben. Für den Norden wird der Sonntag in jedem Fall der schönste Tag der Woche, sagt Meteorologin Schrey.
Wetter bleibt auch kommende Woche durchwachsen
Und wie wird es in der kommenden Woche? Das Wetter bleibt durchwachsen, wechselhaft im Norden, sommerlich warm im Süden. Die Temperaturen liegen bei bis zu 32 Grad. Allerdings könnte es allmählich wärmer und wärmer werden. Denn die Hitze ist nicht verschwunden, sie liegt noch immer über Teilen Europas. 43 Grad seien in Portugal beispielsweise für Dienstag gemeldet.
Und manchmal braucht es nur eine kleine Luftbewegung, damit sich die brutale Wärme erneut zu uns schiebt. Wenn das Wetter also mal wieder nicht stimmt: Nicht verzagen. Deshalb ist es nicht automatisch falsch. Denn selbst in einem Land können vollkommen unterschiedliche Wetterbedingungen herrschen.


