Beim 1. FC Union Berlin wächst der Druck vor dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg. Die Eisernen rutschen im Bundesliga-Abstiegskampf immer tiefer in die Gefahrenzone. Besonders bitter: Immer wieder sind es kriselnde Klubs, die ausgerechnet gegen Union wieder Siege feiern. Für viele Fans fühlt sich das wie ein DDR-Déjà-vu an.
Union wird zum Aufbaugegner der Liga
Manche Bilder aus der deutschen Geschichte sind im Osten noch immer präsent.

Nach der Wiedervereinigung fühlten sich viele Ostdeutsche überrollt. Westdeutsche Manager übernahmen Betriebe, Investoren kauften Grundstücke, in Behörden und Unternehmen saßen plötzlich neue Chefs aus dem Westen. Begriffe wie „Treuhand“, „Elitenaustausch“ oder „Besser‑Wessi“ brannten sich in viele Biografien ein.
Warum Krisenklubs plötzlich gegen Union aufblühen
Viele Unioner fühlen sich angesichts der sportlichen Misere der Eisernen in gewisser Weise an diese Zeit erinnert. Denn der 1. FC Union Berlin entwickelt sich in der Bundesliga immer mehr zum Selbstbedienungsladen für kriselnde Klubs. Mannschaften, die wochenlang nicht gewinnen, holen sich ausgerechnet gegen die Eisernen ihr Erfolgserlebnis.

Das jüngste Beispiel lieferte Werder Bremen. Beim 4:1 in der Alten Försterei feierten die Norddeutschen gerade einmal ihren zweiten Auswärtssieg der Saison. Für Bremen war es ein Befreiungsschlag. Für Union die bittere Erkenntnis, ab sofort im Abstiegskampf mittendrin statt nur dabei zu sein.
Union Berlin leistet oft Aufbau‑Hilfe‑West
Auch, weil die Aufbau‑Hilfe‑West sich wie ein fieser roter Faden durch die eiserne Saison zieht. Borussia Mönchengladbach kam ebenfalls ohne Rückenwind nach Köpenick und fuhr den ersten Sieg der Rückrunde ein. Beim 1:2 gegen Heidenheim im November gelang dem Tabellenletzten ausgerechnet bei Union sein bis heute einziger Auswärtssieg der Saison.
Eine Woche später durfte der VfL Wolfsburg gegen Union jubeln. Das 3:1 war der erste Heimsieg der Niedersachsen seit fast einem Jahr. Selbst der damalige Tabellenletzte Mainz 05 nahm bei der Rückkehr von Urs Fischer einen Punkt (2:2) aus der Alten Försterei mit.
Alarmierende Zahlen: Laufleistung und Abwehr wackeln
Der Grund: Union verliert genau jene Tugenden, die den Klub seit dem Bundesliga-Aufstieg stark gemacht haben. Aggressive Zweikämpfe, enorme Laufbereitschaft, gnadenlose Effizienz vor dem Tor.
Gerade bei der Laufleistung sind die Zahlen alarmierend. Union läuft im Schnitt rund 2,5 Kilometer weniger pro Spiel als noch in der Vorsaison. Für eine Mannschaft, deren Spiel auf Intensität basiert, ist das ein brutaler Einschnitt.
Offensiv wird Union Berlin noch harmloser
Dazu kommt: Offensiv fehlt die gesamte Saison die Durchschlagskraft. In den Heimspielen gegen Gladbach und Bremen brachte Union aus dem Spiel heraus nur elf Abschlüsse zustande. Ein Tor lag in keinem der Spiele nur annähernd in der Luft.
Noch schlimmer: Zuletzt fehlt auch noch in der Abwehr die Stabilität. Der Ausfall von Diogo Leite reißt eine Lücke. Auch Danilho Doekhi und der in Freiburg (Sonntag, 17.30 Uhr, Dazn) gelbgesperrte Leopold Querfeld wirkten zuletzt stark verunsichert.




