Union-Kolumne

Baumgart setzt weiter auf Ilic – jetzt muss der Knoten platzen

Andrej Ilic ackert für Union, doch die Tore fehlen. Warum der Serbe trotz Ladehemmung wichtig bleibt – und wie er den Knoten lösen will.

Teilen
Andrej Ilic gibt alles, um endlich sein erstes Saisontor für den 1. FC Union Berlin zu erzielen. Wie schon im Vorjahr, soll jetzt in der Rückrunde der Knoten platzen.
Andrej Ilic gibt alles, um endlich sein erstes Saisontor für den 1. FC Union Berlin zu erzielen. Wie schon im Vorjahr, soll jetzt in der Rückrunde der Knoten platzen.Matthias Koch/imago

Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück. Auf niemanden trifft das beim 1. FC Union Berlin mehr zu als auf Andrej Ilic. In seinen bisherigen 14 Saisonspielen – beim 2:2 gegen die Bayern hatte er wegen einer Blessur gefehlt – hat der Angreifer alles gegeben, hat sich in Zweikämpfe gehauen und hat Kopfballduelle nicht nur im gegnerischen, sondern fast noch öfter im eigenen Strafraum gewonnen. Er hat für seine Mitspieler häufig Bälle aufgelegt, die diese, so wie Oliver Burke, teils spektakulär zu Toren genutzt haben. Nur das, was man für einen Stürmer allgemein als Kerngeschäft bezeichnet, ist ihm in diesem Spieljahr um Punkte noch nicht gelungen: Ilic hat noch kein Tor erzielt.

Beim Test in Aue gelang Union-Stürmer Andrej Ilic trotz bester Chancen wieder kein Tor.
Beim Test in Aue gelang Union-Stürmer Andrej Ilic trotz bester Chancen wieder kein Tor.Matthias Koch/imago

Das nagt an einem Angreifer wie sportlich nichts anderes. Da kann ein Trainer noch so zufrieden sein mit ihm. Ein Lob für das Erobern von Bällen, das Pressen schon weitab der eigenen Gefahrenzone, das Nachsetzen bei Offensivaktionen des Gegners oder die körperliche Wucht im Zweikampf schmeckt einem wie Ilic nur halb so gut wie die Freude über einen eigenen Treffer. Mögen Mitspieler wie Trainer ihm noch so sehr auf die Schulter klopfen, nichts geht über einen Ball, den ein Stürmer selbst in die Kiste des Gegners gebracht hat. Egal wie. Ob mit Traumtor aus 20 Metern, als Stolperer einen Meter vor der Torlinie oder gar mit dem Allerwertesten. Hauptsache drin. So etwas stärkt das Selbstvertrauen wie sonst nichts. Plötzlich ist der Kopf frei, und alles fühlt sich viel beschwingter, gelöster an.

Warum Ilic trotz Ladehemmung für Union unverzichtbar bleibt

Davon ist Ilic derzeit ein ziemliches Stückchen entfernt. Diese Situation ist nicht neu für ihn. Sie war vor einem Jahr ähnlich, wenn nicht gar deutlich vertrackter. Nie gespielt hatte der Serbe damals unter Bo Svensson, nicht einmal für einen Platz auf der Ersatzbank hatte es unter dem Dänen gereicht. Schlimmer geht es für einen, der vor der Saison erst gekommen war, kaum. Vom Anspruch, den Ilic an sich selbst stellt und andere an ihn, ganz zu schweigen. Es hat sich ganz und gar falsch angefühlt für ihn, zumal der Beginn unter Steffen Baumgart mit zwei 0:2-Niederlagen in Heidenheim und gegen Augsburg, als er wenigstens als Joker eingesetzt worden war, gleichfalls in die Hose ging. Bis zu seinem ersten Tor, im Februar vorigen Jahres beim 4:0 bei der TSG Hoffenheim gleichfalls als Joker erzielt, brauchte es also. Als der Knoten geplatzt war, folgten weitere sechs Treffer.

Vergangene Saison traf Andrej Ilic für den 1. FC Union erst am 21. Spieltag. Am Ende erzielte der Serbe dennoch sieben Saisontore.
Vergangene Saison traf Andrej Ilic für den 1. FC Union erst am 21. Spieltag. Am Ende erzielte der Serbe dennoch sieben Saisontore.imago/Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

Auf eine ähnlich lange oder noch längere Anlaufzeit blicken allerdings auch andere Angreifer im Dress des 1. FC Union zurück. Kevin Volland, der deutsche Ex-Nationalspieler, hatte eher eine Rote Karte kassiert als sein erstes Tor erzielt. Benedict Hollerbach traf einst im achten Versuch, um später durchzustarten. Sheraldo Becker blieb in seiner ersten Bundesligasaison ohne Treffer. Er traf in seinem 19. Spiel beim 5:0 gegen Bielefeld, als, so das Gefühl, jeder treffen durfte. Lucas Tousart, zugegeben kein klassischer Angreifer, aber einer, der auf dem Feld überall zu finden war, schaffte in 38 Spielen keinen Treffer. Tim Skarke wiederum übertraf sie alle und wurde erst im vorletzten Spiel vor der Winterpause, beim 3:1 gegen Leipzig, den Fluch der Torlosigkeit im Trikot der Köpenicker los.

Die lange Liste torloser Union-Stürmer und ihre Wendepunkte

Beispiele dafür, dass es auch anders geht, gibt es ebenso zuhauf. Die klassische Nummer lieferte vor elf Monaten Marin Ljubicic ab. In seinem ersten Spiel, beim bereits erwähnten 4:0 bei der TSG Hoffenheim, war der Kroate keine zwei Minuten in der Partie, schon hatte er mit seiner ersten Ballberührung seinen Premierentreffer erzielt. Das, so dachten alle, setzt Maßstäbe. Die Latte lag hoch. Zu hoch für den nunmehr 23-Jährigen. Nie wieder sprang er darüber. Und die Chance, dass er dazu beim 1. FC Union eine weitere Gelegenheit bekommt, tendiert, wie alle wissen, gegen null.

Doch es geht um Ilic. Er, zuerst ausgeliehen und nach seiner erfolgreichen Rückrunde für fünf Millionen Euro vom OSC Lille mit einem Zwei-Jahres-Vertrag verpflichtet, liegt dennoch eine Last. Denn es bleibt dabei, dass Tore für einen Angreifer die härteste Währung sind. In dieser Beziehung sollte der Serbe, der trotz seiner Ladehemmung beim 1. FC Union den Sprung ins serbische Nationalteam schaffte, alsbald flüssig sein.