K.o. in Köpenick

Rauswurf beim 1. FC Union Berlin: Die Wahrheit über den Baumgart-Rumms

Steffen Baumgart muss nach der Pleite in Heidenheim gehen. Fünf Gründe zeigen, warum die Trennung in Köpenick unausweichlich war.

Author - Sebastian Schmitt
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Steffen Baumgart wirkt nach der Niederlage in Heidenheim angeschlagen. Nur wenige Stunden später wird der Trainer beim 1. FC Union Berlin gefeuert.
Steffen Baumgart wirkt nach der Niederlage in Heidenheim angeschlagen. Nur wenige Stunden später wird der Trainer beim 1. FC Union Berlin gefeuert.IMAGO/Gaetano Di Rosa

Das Aus kam mit Wucht. Nach der Blamage in Heidenheim zieht Union Berlin die Reißleine und trennt sich von Trainer Steffen Baumgart. Die Entlassung überrascht nicht – sie ist die Folge einer Entwicklung, die sich seit Monaten abgezeichnet hat. Der KURIER erklärt, warum es zum Baumgart-Rauswurf in  in Köpenick kam.

Baumgart eckt bei Union an und holt zu wenig Punkte

Es ist der Moment, in dem alles kippt. In Heidenheim taumelt Union Berlin, wirkt fahrig, verliert die Kontrolle – und am Ende auch den Trainer. Kurz vor Mitternacht ist klar: Steffen Baumgart ist nicht mehr Chefcoach der Eisernen. Ein Schnitt, der hart wirkt. Und doch folgerichtig ist.

Denn die Wahrheit ist brutal klar: Die Zahlen stimmen nicht. Baumgart holt in 51 Spielen nur 1,22 Punkte im Schnitt. Zu wenig für den Anspruch eines Klubs, der sich über Kampf und Stabilität definiert. Zu wenig für einen Trainer, der eigentlich für Energie steht.

Manager Horst Heldt: „Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde und lassen uns vom Tabellenstand nicht blenden: Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern“

Baumgarts Art spaltet Union Berlin intern

Doch es geht um mehr als Zahlen. Es geht um Haltung. Genau die fordert Präsident Dirk Zingler. Immer. Bedingungslos. Doch Union liefert sie zu selten. Die Auftritte in Gladbach, gegen Bremen – und jetzt in Heidenheim – wirken kraftlos. Kein Biss. Kein Zugriff. Für einen Klub wie Union ist das ein Alarmsignal.

Die Zeit ist abgelaufen: Steffen Baumgart wird nach der Niederlage in Heidenheim beim 1. FC Union Berlin nach nur 51 Spielen und knapp 16 Monaten entlassen.
Die Zeit ist abgelaufen: Steffen Baumgart wird nach der Niederlage in Heidenheim beim 1. FC Union Berlin nach nur 51 Spielen und knapp 16 Monaten entlassen.IMAGO/Eduard Martin

Baumgart selbst steht für Klartext. Für Wucht. Für Kante. Das macht ihn greifbar. Aber auch angreifbar. Seine Art polarisiert. Intern wächst der Druck. Nicht jeder trägt den Kurs mit. Auch Fans gehen auf Distanz. Und wenn die Ergebnisse fehlen, kippt die Stimmung schnell.

Heimstärke des 1. FC Union Berlin plötzlich weg

Dazu kommt die Heimschwäche. Ausgerechnet an der Alten Försterei, wo Union sonst Mauern baut, bröckelt das Fundament. Zu wenige Siege. Zu wenig Wucht. Dort, wo der Klassenerhalt gesichert werden soll, fehlt plötzlich die Sicherheit.

Eins von auffällig wenigen Fotos von Präsident Dirk Zingler (l.) und Trainer Steffen Baumgart. Das Verhältnis der beiden Alphatiere beim 1. FC Union Berlin sorgte immer wieder für Schlagzeilen.
Eins von auffällig wenigen Fotos von Präsident Dirk Zingler (l.) und Trainer Steffen Baumgart. Das Verhältnis der beiden Alphatiere beim 1. FC Union Berlin sorgte immer wieder für Schlagzeilen.Matthias Koch

Und auf dem Platz? Kein klares Bild. Die Abwehr wackelt. Die Offensive lahmt. Chancen entstehen selten, Tore noch seltener. Eine Handschrift? Kaum erkennbar. Nach 16 Monaten ist das zu wenig.

Keine klare Spielidee erkennbar

Jetzt ist Schluss. Union zieht die Reißleine. U19-Trainerin Marie-Louise Eta übernimmt für die letzten fünf Spielem bevor die Dresdnerin ab Sommer bei den Frauen des 1. FC Union Berlin den Ton angibt. Eine historische Entscheidung – und eine mit Druck. Denn der Klassenerhalt ist noch nicht sicher.

Das Beben in Köpenick kommt spät. Aber nicht zu spät.