Da braut sich was zusammen

„Bullen raus aus der Kurve“ – Union-Fans solidariseren sich mit Hertha

Banner gegen Iris Spranger. Die Fans senden ein starkes Signal. Auch BVB- und Bayern-Ultras demonstrieren gegen Polizeigewalt.

Author - Sebastian Schmitt
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In den Farben getrennt, in der Sache vereint: Die Fans des 1. FC Union Berlin solidarisieren sich mit den Anhängern von Hertha BSC und kritisieren die Polizeigewalt rund um das Hertha-Spiel gegen den FC Schalke 04.
In den Farben getrennt, in der Sache vereint: Die Fans des 1. FC Union Berlin solidarisieren sich mit den Anhängern von Hertha BSC und kritisieren die Polizeigewalt rund um das Hertha-Spiel gegen den FC Schalke 04.IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Da braut sich etwas zusammen! Beim Heimspiel des 1. FC Union Berlin gegen Borussia Dortmund wird klar: Die Debatte um die Polizeigewalt beim Spiel von Hertha BSC gegen Schalke ist kein blau‑weißes Thema mehr – sie ist ein Berliner Thema. Und inzwischen sogar ein bundesweites.

Auf der Waldseite der Alten Försterei hängt ein Banner, das keine Umwege kennt: „Spranger, nimm deine Hunde an die Leine. Bullen raus aus der Kurve!“ Gemeint ist Berlins Innensenatorin Iris Spranger. Die Botschaft ist unmissverständlich – und sie richtet sich nicht nur an die Politik, sondern auch an die Einsatzkräfte.

BVB-Fans solidarisieren sich während des Spiel beim 1. FC Union Berlin mit Spruchbändern mit den Anhängern von Hertha BSC
BVB-Fans solidarisieren sich während des Spiel beim 1. FC Union Berlin mit Spruchbändern mit den Anhängern von Hertha BSCIMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO

Die Rivalität zwischen Union und Hertha? Für einen Moment aufgehoben.

Union- und Hertha-Fans protestieren gegen Polizeigewalt

Denn die Eisernen solidarisieren sich offen mit der Ostkurve von Hertha BSC. Genau jener Kurve, die nach dem Heimspiel gegen Schalke schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben hatte. Pfefferspray-Einsatz, Knochenbrüche, Dutzende Verletzte – laut Hertha-Fans auch viele Unbeteiligte. Die Polizei widerspricht, spricht von aggressiven Fans und notwendigen Maßnahmen. Zwei Versionen, dazwischen ein tiefer Riss.

Auch die Ultras des FC Bayern stehen den Fans von Hertha BSC zur Seite. Beim Spiel gegen den FC Augsburg wird die Polizeigewalt in Berlin scharf kritisiert.
Auch die Ultras des FC Bayern stehen den Fans von Hertha BSC zur Seite. Beim Spiel gegen den FC Augsburg wird die Polizeigewalt in Berlin scharf kritisiert.IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert

Fakt ist: Die Wunden der Polizeigewalt bringen Fanszenen zusammen, die eigentlich Welten trennen. Sie eint ein Gefühl: Wut. Und Misstrauen. Nicht gegenüber dem Gegner, sondern gegenüber dem Staat. Die Kurven rücken zusammen, weil sie sich bedroht fühlen. Union und Hertha auf derselben Seite. Nicht aus Liebe. Sondern aus Überzeugung.

Bayern-Ultras solidarisieren sie sich mit Herthas Ostkurve

Und die Solidarität endet nicht an der Stadtgrenze. Auch die Fans von Borussia Dortmund zeigen in Köpenick klare Kante. Transparente mit der Aufschrift „Berlin bleibt hart. Bullen raus aus der Kurve“ und „Gute Besserung allen Verletzten“ hängen gut sichtbar im Gästeblock.

Auch die Bayern-Ultras beziehen beim Spiel gegen den FC Augsburg deutlich Position. Mit zahlreichen Bannern solidarisieren sie sich mit Herthas Ostkurve – und werden dabei unmissverständlich deutlich:
„Bullenschikane bricht keinen Widerstand“, „ACAB gilt in jedem Bundesland“, „Eure Knüppel gegen unsere Entschlossenheit“, „Freiheit für die Kurven“ und „Ihr Bullen seid der größte Feind“ ist dort zu lesen.

Vereinte Kurven: Fan-Protest weitet sich bundesweit aus

Ganz klar: Die aktive Fanszene in Deutschland steht zusammen.

Unterdessen bemüht sich die Politik um Schadensbegrenzung. Innensenatorin Spranger, Vertreter der Polizei und Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich sind im Gespräch. Dialog statt Eskalation – zumindest am Tisch. Doch auf den Rängen ist davon wenig zu spüren. Die Bilder und Berichte von 52 Verletzten sitzen zu tief.