52 Verletzte, Pfefferspray, Flaschenwürfe, schwere Vorwürfe von allen Seiten. Nach den chaotischen Szenen rund um das Hertha-Spiel gegen Schalke 04 (0:0) verhärten sich die Fronten. Polizei, Fanhilfen und Politik widersprechen sich deutlich. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – und ist unbequem für alle.
Was als Fußballabend im Olympiastadion geplant war, endete in verstörenden Bildern. Noch vor dem Anpfiff eskalierte die Lage rund um die Ostkurve. Pfefferspray lag in der Luft, Fans schrien, Einsatzkräfte drängten, Sanitäter versorgten Verletzte. Am Ende standen 52 Verletzte auf der Bilanz – Fans und Polizisten.

Die Berliner Polizei weist den Vorwurf unverhältnismäßiger Gewalt entschieden zurück. In ihrer Stellungnahme spricht sie von gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte, von Flaschenwürfen, Tritten und Holzstangen. Beamte seien bedrängt und attackiert worden, der Einsatz von Pfefferspray sei notwendig gewesen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Mehrere Beamte sollen Verletzungen erlitten haben, angeblich durch Würfe aus der Menge. Wie eine solche Menge an eigentlich verbotenen Glasflaschen ins Stadion gekommen sein soll, sagt die Polizei bis jetzt nicht.
Hertha-Mitarbeiter werden Opfer von Reizgas
Die Fanhilfe Hertha BSC zeichnet ein anderes Bild. Sie meldet sich am Montag erneut zu Wort, spricht von einem „Feindbild Fan“, das den Einsatz bestimmt habe. Fans seien ohne Vorwarnung mit Pfefferspray besprüht worden, auch Unbeteiligte. Laut Fanhilfe mussten mehrere Hertha-Anhänger mit Knochenbrüchen und Augenverletzungen medizinisch behandelt werden. Besonders brisant: Auch Hertha-Mitarbeiter, die versuchten, die Situation zu entschärfen, bekamen Reizgas ab.

Rückendeckung erhält die Hertha-Fanhilfe von der Fanhilfe Schalke 04. Auch sie berichtet von chaotischen Zuständen, aggressivem Vorgehen der Polizei und fehlender Kommunikation. Deeskalation habe kaum stattgefunden.
Gewalt bei Hertha BSC: Druck auf Polizei und Politik wächst
Hertha BSC selbst verurteilt Gewalt klar – und stellt sich dennoch hinter die Kritik der Fans. Die Vereinsführung spricht von einem Einsatz, der viele Fragen aufwirft, und fordert Transparenz. Gleichzeitig betont Hertha, dass Angriffe auf Einsatzkräfte in keiner Form akzeptabel seien.
Gleichzeitig kritisiert Hertha die mangelnde Dialogbereitschaft der Behörden: „Hertha BSC hat seit mehreren Monaten den Wunsch nach einem weiterführenden Gesprächsformat mit der Polizei Berlin geäußert, das bislang noch nicht realisiert wurde, und erneuert diesen Wunsch hiermit nachdrücklich. Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit, den Dialog nun auf eine neue, verbindlichere Ebene zu heben.“
Gewalt-Chaos bei Hertha: Fronten völlig verhärtet
Politisch wächst der Druck. Innensenatorin Iris Spranger kündigte Gespräche mit Polizei, Klub und Fanvertretern an. Doch die Gräben sind tief. Anzeigen gegen die Polizei stehen im Raum, ebenso interne Prüfungen des Einsatzes.




