Es hätte ein schöner Fußballabend werden können. Doch das 0:0 von Hertha BSC gegen Schalke 04 im ausverkauften Olympiastadion wurde zum Stimmungskiller. Wegen eines massiven Polizeieinsatzes mit Pfefferspray mit 52 Verletzten am Eingang der Ostkurve boykottierte die harte Fanszene das Spiel und verließ nach einer Viertelstunde das Stadion. Die Hertha-Fanhilfe erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Polizei und gegen Innensenatorin Iris Spranger.
Der Reihe nach: Die Polizei vermeldete, dass Beamte mit einem Absperrzaun und Gegenständen beworfen wurden und so ein Pfefferspray-Einsatz notwendig wurde.
Die Fanhilfe (ein Zusammenschluss für Anhänger, die in Konflikt mit der Polizei geraten) stellt die Gewaltvorfälle anders dar. In einem Schreiben heißt es: „Schon am Eingang hielt sich die Polizei erneut nicht an Absprachen mit dem Verein und provozierte die anwesenden Fans. Es folgte dort bereits eine Festnahme ohne ersichtlichen Grund. Die Provokationen der Hundertschaften verlagerten sich anschließend in den Eingang zur Kurve. Gegen die im Vorbereich wartenden Fans wurde anlasslos massive Gewalt ausgeübt, samt großflächigem Einsatz von Pfefferspray.“

Wie in den meisten Fällen, wird die Wahrheit wohl in der Mitte liegen, und die soll jetzt herausgefunden werden. Herthas Geschäftsführer Dr. Peter Görlich erklärte: „Es geht ans Aufarbeiten und wir werden die Faktenlage zusammentragen und dann anständige Antworten geben und uns auch dementsprechend positionieren.“
Hertha-Fanhilfe: „Spranger verantwortlich für Verletzte“
Beim Stimmungslos-Spiel saß auch Innensenatorin Spranger im Olympiastadion – und die Vorwürfe aus der Fanszene gegen sie werden immer lauter. Die Fanhilfe gibt ihr die Hauptschuld an den Vorfällen und schreibt: „Vertreter des Vereins haben immer wieder im Dialog mit der Polizei versucht, eine Deeskalation herbeizuführen. Dass dies von der Einsatzleitung und der verantwortlichen Innensenatorin ganz offensichtlich nicht gewünscht ist, zeigt der heutige Tag. Wie auch schon in der Debatte rund um die IMK (Innenministerkonferenz) im vergangenen Dezember setzt Innensenatorin Spranger nicht auf Dialog, sondern einzig und allein auf Eskalation. Sie ist somit direkt verantwortlich für jede verletzte Person am heutigen Abend.“

Der Frust wegen Spranger ist groß. Die Ultra-Fangruppe Harlekins 98, tonangebend in der Ostkurve, wies schon Mitte Dezember nach der IMK, bei der es um strengere Sicherheitsmaßnahmen ging, daraufhin, dass sie komplett unzufrieden mit der Kommunikation zwischen Fans und Politik ist, und warf dort Spranger vor: „Im Vorfeld der IMK hatte uns Innensenatorin Iris Spranger einen Termin zum gemeinsamen Austausch angeboten, um über die von uns kritisierten Punkte zu sprechen. Dieses Angebot haben wir wohlwollend zur Kenntnis genommen und diesem Austausch selbstredend zugestimmt.“


