Der 1. FC Union Berlin trauert. Sven Weinel, der langjährige Mannschaftsfahrer der Köpenicker, ist am Montag im Alter von 63 Jahren überraschend verstorben. Der beliebte Chauffeur, der über zwei Jahrzehnte die rot-weißen Fußballgötter sicher durch Deutschland kutschierte, hinterlässt drei Töchter – und eine riesige Lücke im Herzen des Vereins.
Union verliert seinen treuesten Wegbegleiter
Es gibt Menschen, die prägen einen Klub nicht durch Tore oder Titel, sondern durch schiere Verlässlichkeit und Herzblut. Sven Weinel war so einer. Der Biesdorfer begann im September 1998 unter Trainer Fritz Fuchs seine Karriere als Busfahrer bei Union Berlin – und wurde schnell weit mehr als nur ein Chauffeur hinter dem Steuer. Er war Teilzeit-Mannschaftsleiter, Zeugwart und, wie er es selbst einmal im Berliner Kurier beschrieb, das „Mädchen für alles“. Wenn der Klub rief, war Weinel da. Immer.

Dabei kam er eigentlich gar nicht aus dem Fußball. „Ich kam ja vom Handball“, sagte er im Oktober 2020 in einem großen Abschiedsinterview mit dem Kurier. „Ich konnte nur sagen, das, was ich sehe, gefällt mir oder nicht.“ Dieser bodenständige Blick von außen machte ihn wohl zu einer der beliebtesten Figuren im Umfeld des Vereins – einer, der nie den Star spielte, aber immer da war, wenn es darauf ankam.
22 Jahre Höhen und Tiefen auf der Landstraße
Weinels Geschichte bei Union ist keine gradlinige. Ende 2002 verließ er den Verein erstmals – wegen eines Zerwürfnisses mit dem damaligen Trainer Mirko Votava. „Bei uns hat die Chemie von Anfang an nicht gestimmt“, erinnerte er sich später offen. 2006 kehrte er zurück, und diesmal blieb er – bis zum Oktober 2020, als er auf eigenen Wunsch das letzte Mal den Mannschaftsbus der Eisernen steuerte. Als Abschluss seiner Zeit bei Union chauffierte er die Mannschaft beim Heimspiel gegen den SC Freiburg. Ein würdiger Abgang für einen würdigen Mann.
In über zwei Jahrzehnten riss Weinel jedes Jahr mehr als 30.000 Kilometer mit dem Bus ab. Zusammengerechnet war das mehr als ein Flug zum Mond und zurück. Er erlebte Aufstiege und Abstiege, verrückte Trainer und junge Talente – und jede Menge Geschichten, die heute zur Vereinslegende gehören.

Da war etwa die Rücktour aus Lübeck im Jahr 2006, bei der einige Spieler die alten Kennzeichen des Busses – noch mit dem Kürzel „B-TB 500“ von Tennis Borussia – demontierten, weil sie wussten, dass man bei gestohlenen Schildern neue EU-Kennzeichen bekommt. „Wurden dann unser erstes EU-Kennzeichen“, schmunzelte Weinel. Oder die heißeste Fahrt seines Lebens: ein Vorbereitungsausflug nach Feldkirch in Österreich, bei dem die Klimaanlage streikte – bei 40 Grad im Innenraum und 36 Grad draußen.
Unvergessen bleibt auch sein beherzter Einsatz beim Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart im Mai 2019, als er den Bus durch ein flammendes Inferno aus Bengalos zum Stadion steuerte. „Beim Einbiegen zum Stadion konnte ich in dem ganzen Feuernebel der Bengalos nichts sehen. Zum Glück kenne ich das Gelände. Da wusste ich ungefähr, wann ich abbiegen muss. Ein Ordner half mir durch Klopfzeichen. Im Bus war es totenstill. Die Jungs waren total beeindruckt.“ Für Weinel war es schlicht: sein Job.
Abschied von Union – aber nie vom Verein
Im Oktober 2020 verabschiedete sich Weinel schließlich endgültig aus dem Mannschaftsbetrieb. Künftig arbeitete er als Cheffahrer für einen Sparkassenverband – ein Job, der ihm vor allem eines bescherte: freie Wochenenden. Doch dem 1. FC Union Berlin blieb er bis zu seinem Tod verbunden.
Selbst seine Kollegen und Spieler zollten ihm mit Humor Tribut: Toni Leistner schenkte ihm einst eine Autogrammkarte mit der Widmung „Dem schlechtesten Busfahrer der Welt“ – weil sie seiner Meinung nach zu oft im Stau standen. Weinel konnte darüber lachen. So war er.




