Der frühere DDR-Sprinter Heinz Erbstößer ist tot. Der aus Torgau stammende Leichtathlet starb an diesem Dienstag, dem 23. Juni 2026, im Alter von 86 Jahren in Leipzig.
Erbstößer macht DDR-Sprinter konkurrenzfähig
Erbstößer galt in den 1960er-Jahren als einer der prägenden Kurzstreckenläufer der DDR und gehörte zu jener Generation ostdeutscher Athleten, die den Sprint international konkurrenzfähig machten. Er hinterlässt seine Ehefrau, eine Tochter und mehrere Enkel. Das berichtet die „Leipziger Volkszeitung“.
Erbstößer wird neunmaliger DDR-Meister im Sprint
Seine sportliche Laufbahn war eng mit Leipzig verbunden. Erbstößer startete zunächst für Rotation Leipzig und später für den SC Leipzig, zwei Vereine, die im DDR-Leistungssportsystem eine wichtige Rolle spielten. Rotation Leipzig war ein zentraler Leistungsstützpunkt der DDR-Sportvereinigung Rotation und ging 1963 im Zuge einer Umstrukturierung im SC Leipzig auf.

Zwischen 1962 und 1966 dominierte Erbstößer den Sprint in der DDR. Über 200 Meter wurde er fünfmal in Serie DDR-Meister, über 100 Meter gewann er 1962, 1964, 1965 und 1968 den nationalen Titel. Damit kam er allein über die beiden klassischen Sprintstrecken auf neun DDR-Meistertitel.
Erbstößer läuft zweimal bei den Olympischen Spielen
International trat Erbstößer zweimal bei Olympischen Spielen an. 1964 in Tokio startete er noch für die gesamtdeutsche Mannschaft, 1968 in Mexiko-Stadt dann für die DDR. Bei den Spielen in Tokio schied er über 200 Meter im Vorlauf aus. Mit der 4 × 100-Meter-Staffel verpasste er in 40,1 Sekunden knapp den Finaleinzug. Vier Jahre später erreichte er mit der DDR-Staffel in Mexiko das Olympiafinale und belegte Rang fünf.
Gerade die Spiele von 1964 blieben Erbstößer lange in Erinnerung. „Tokio war ein tolles Erlebnis. Wir vier Staffelläufer haben immer noch Kontakt und treffen uns“, sagte er vor gut sechs Jahren anlässlich seines 80. Geburtstages. Schon auf dem Weg zu den Sommerspielen in Japan hatte das DDR-Quartett im Berliner Olympiastadion die favorisierte westdeutsche Staffel geschlagen – ein sportlich wie politisch bemerkenswerter Moment in einer Zeit, in der die innerdeutsche Konkurrenz auch im Sport sichtbar war.
DDR-Quartett stellt 1968 kurzzeitig Europarekord auf
Einen seiner stärksten Auftritte hatte Erbstößer 1968 in Mexiko-Stadt. In der Höhenlage der mexikanischen Hauptstadt lief er über 100 Meter 10,28 Sekunden – seine elektronische Bestzeit. Handgestoppt wurden für ihn im selben Jahr in Erfurt sogar 10,1 Sekunden notiert. Erbstößer war damit der erste DDR-Sprinter, der die 100 Meter unter 10,2 Sekunden lief.
Tokio war ein tolles Erlebnis. Wir vier Staffelläufer haben immer noch Kontakt und treffen uns.
Auch mit der Staffel setzte er Maßstäbe. Bei den Olympischen Spielen 1968 lief die DDR-Staffel mit Heinz Erbstößer, Hartmut Schelter, Peter Haase und Harald Eggers im Halbfinale 38,72 Sekunden und stellte damit einen Europarekord auf. Im Finale verbesserte das Quartett seine Zeit sogar auf 38,66 Sekunden, wurde aber dennoch Fünfter, weil Frankreich den Europarekord auf 38,43 Sekunden steigerte und Bronze gewann.
Erbstößer läuft auch in der Halle schnelle Zeiten
Zwei Jahre vor Mexiko hatte Erbstößer auch bei den Europameisterschaften in Budapest eine wichtige Rolle gespielt. Über 100 und 200 Meter schied er jeweils im Zwischenlauf aus, mit der DDR-Staffel erreichte er jedoch das Finale. In der Besetzung Erbstößer, Rainer Berger, Hermann Burde und Harald Eggers gewann die Staffel ihren Vorlauf in 39,8 Sekunden und belegte im Endlauf Platz vier.
Neben seinen Freiluft-Erfolgen war Erbstößer auch in der Halle erfolgreich. 1966 gewann er bei den Europäischen Hallenspielen in Dortmund Silber über 60 Meter.
Erbstößer bleibt dem Sport nach der Karriere treu
Nach seiner aktiven Karriere blieb Erbstößer dem Sport verbunden. Er war ausgebildeter Chemiefacharbeiter und später wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig.




