Unions Busfahrer Sven Weinel vor seinem 430 PS starken Gefährt. Foto: Matthias Koch

Eigentlich hat er keine Ahnung vom Fußball. „Ich kam ja vom Handball“, so Sven Weinel. „Ich konnte nur sagen, das, was ich sehe gefällt mir oder nicht“, meinte Unions langjähriger Busfahrer, der am Sonnabend mit dem Spiel gegen Freiburg zum letzten Mal die rot-weißen Fußballgötter zu einem Spiel chauffiert. Nach 22 Jahren ist Schluss. Künftig arbeitet er für den Sparkassenverband als Cheffahrer. Was vor allem eins mit sich bringt: freie Wochenenden. 

An Versuchen ihm mehr Raum für private Belange einzuräumen, mangelte es nicht. Nur oft kam was dazwischen. Der in Biesdorf lebende Weinel ist keiner, der Vokabeln wie „Work-Life-Balance“ lebt. Wenn der Klub rief, war er da. Als „Mädchen für alles“, meinte Weinel, der lange Jahre neben dem Teamchauffeur auch als Teilzeit-Mannschaftsleiter und Zeugwart überall da mit anpackte, wo es notwendig war. Bis auf eine kurze Unterbrechung unter Mirko Votava hat er seit 1998 viele Kommen und Gehen gesehen. Im KURIER erinnert sich der 57-Jährige an seine Erlebnisse. Weinel über ..

... die heißeste Fahrt: Die war diesen Sommer in der Vorbereitung. Wir hatten neben unserem eigenen Bus noch den der Augsburger Panther. Auf der Fahrt nach Feldkirch in Österreich ging die Klimaanlage kaputt. Drinnen herrschten 40 Grad. Ich musste anhalten, damit die Jungs sich mal abkühlen konnten. Bei draußen 36 Grad.

... die verkehrswidrigste Fahrt: Das war 2006 in der Regionalliga auf der Rücktour aus Lübeck. An einer Tankstelle gab es Probleme mit dem Pächter, der die Mannschaft für Fans hielt und Angst davor hatte, beklaut zu werden. Guido Spork und er sind aneinandergeraten. In dem ganzen Trubel montierten einige die Nummernschilder ab. Es waren ja noch die alten von Tennis Borussia  B- TB 500. Zunächst dachten wir, dass wären gegnerische Fans gewesen, waren aber unsere. Die wussten, dass man bei geklauten Kennzeichen ein neues Nummernschild bekommt. Wurde dann unser erstes EU-Kennzeichen.

Kaum ein Durchkommen: Sven Weinel steuert den Mannschaftsbus durch ein flammendes Inferno aus Bengalos beim Relegationsspiel gegen Stuttgart im Mai 2019. Foto: imago images/Matthias Koch

... die Geimnisse des letzten Zweitligaspiels in Bochum: Wir hatten uns vorbereitet für den Fall, dass der Aufstieg doch noch klappt. So mussten wir in Kisten extra die Aufstiegs-T-Shirts mit einpacken, die wir dann aber im Bus gelassen haben, weil Suleiman Abdullahi ja nicht mehr getroffen hatte. Bier hatten wir nicht extra mit eingepackt. Der Verein hatte ja ein Lokal für eine Feier in der Umgebung von Bochum gebucht. Im Nachhinein war es dem Präsidenten lieber so. Zingler wollte ja lieber zu Hause aufsteigen. 

... die aufregendste Fahrt: Das war beim Relegationsrückspiel gegen Stuttgart. Beim Einbiegen zum Stadion konnte ich in in dem ganzen Feuernebel der Bengalos nichts sehen. Zum Glück kenne ich das Gelände. Da wusste ich ungefähr, wann ich abbiegen muss. Ein Ordner half mir durch Klopfzeichen. Im Bus war es totenstill. Die Jungs waren total beeindruckt.

... seine Trainer: Eigentlich bin ich mit allen ausgekommen. Bis auf Votava. Bei uns hat die Chemie von Anfang an nicht gestimmt. Da war ich kurz weg von Union. Am verrücktesten war Wassilew. Unter dem durfte ich mit dem Bus nie rückwärts fahren. Notfalls musste wir vorher anhalten und mehrere Hundert Meter zu Fuß gehen. Gab Stadien, in denen das anstrengend war, Ahlen zum Beispiel, wo du all die Kisten über 40 Treppenstufen nach oben schleppen musstest. Logistisch am besten war immer Wolfsburg, Da ist alles ebenerdig und durchdacht.

Kapitän der Landstraß: Sven Weinel riss jedes Jahr über 30.000 km mit dem Mannschaftsbus ab. Im Lauf der Jahre war das mehr als ein Flug zum Mond und zurück.  Foto: Matthias Koch

... sein erstes Mal: Das war 1998. Ich war stolz wie Bolle auf einmal Fahrer zu sein und die Jungs hinter mir im Bus zu wissen. Man stellte fest, dass das auch ganz normale Menschen sind. 

... die Zeit ohne Navis: Ich hab wie früher immer noch Stadtpläne und einen alten Autoatlas dabei. Unser erstes TomTom hatten wir erst 2010. 

... Scherze, die er aushalten musste: Toni Leistner hat mir mal ne Autogrammkarte geschenkt und mit der Widmung „Dem schlechtesten Busfahrer der Welt“ versehen. Seiner Meinung nach haben wir zu oft im Stau gestanden.