Sami Khedira hat als Profi-Fußballspieler alles erreicht, wovon junge Kicker träumen. 2014 krönte er seine Karriere mit dem WM-Titel in Brasilien, seine Stationen bei Real Madrid und Juventus Turin machten ihn zur internationalen Größe. Irgendwann kam der Abpfiff: 2021 erklärte Khedira nach einer von Verletzungen geprägten Zeit sein Karriereende. Fünf Jahre sind seitdem vergangen – eine Zeit, in der der ehemalige Weltmeister seinen Weg abseits des Rasens neu definiert hat. Doch was macht Sami Khedira heute? Der Berliner KURIER hat nachgefragt.
Sami Khedira in Berlin: So eng ist sein Verhältnis zu Bruder und Union-Spieler Rani
Wir treffen Sami Khedira bei einem Event im Berliner Flagship Store von Cybex, einer Marke für Produkte für Kindersicherheit, am Kurfürstendamm. Rund um den Kudamm kennt sich Sami ein bisschen aus, erzählt er dem Berliner KURIER. Das liegt vor allem an seinem jüngeren Bruder Rani, der aktuell für den 1. FC Union Berlin spielt. Die Brüder trennen sieben Jahre.
Rani wohnt ganz in der Nähe, verrät Sami. Wenn der gebürtige Stuttgarter in der Haupstadt ist, besucht er seinen Bruder natürlich. „Er ist der Hauptgrund, warum ich nach Berlin komme. Damit wir uns sehen können und einen Kaffee zusammen trinken. Oder ich schaue mir seine Spiele an. Ich selbst war ja nur fünf Monate in Berlin, als ich bei Hertha gespielt habe, das war damals während der Corona-Pandemie. Deswegen musste ich Berlin leider etwas anders kennenlernen. Heute ist es Rani, der mich herumführt. Er kennt die ganzen Spots. Es gibt immer neue Cafés oder Restaurants zu entdecken, ich lasse mich gerne treiben und muss nicht bestimmen, da bin ich ganz froh drüber.“

Rani tut es seinem älteren Bruder in Sachen Fußball gleich. Er befindet sich aktuell auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit 14 Toren in der Bundesliga hat er Sami inzwischen sogar eingeholt. „Das habe ich auch gelesen, aber ich habe dann sofort zu ihm gesagt: ‚Guck mal, wie viele Spiele du dafür gebraucht hast!‘ (lacht) Nein, Spaß. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, deswegen habe ich gar nicht mehr diesen Drang, mich zu vergleichen. Stattdessen supporte ich Rani lieber, ich gönne ihm alles und helfe ihm, dass er weiter so erfolgreich bleibt. Zwischen uns Brüdern gibt es nicht diesen Wettbewerbsgedanken.“
Zur Erklärung: Rani erzielte sein 14. Tor im 277. Bundesligaspiel, Sami benötigte dafür hingegen nur 98 Spiele.
Nur bei diesem Berlin-Besuch können sich die Khedira-Brüder ausnahmsweise nicht treffen. Rani befindet sich bereits in der Vorbereitung für die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft. Denn nicht nur in der Bundesliga feiert Samis Bruder Erfolge, auch bei der WM ist er dabei – zwar nicht für Deutschland, aber für sein zweites Heimatland Tunesien.
„Ich selbst habe ja bei drei Weltmeisterschaften spielen dürfen. Bei einer WM dabei zu sein, ist das Größte, was man als Fußballspieler erreichen kann. Ich bin auch als Fan super aufgeregt. Allein dieses Feeling – die ganze Welt schaut zu. Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass Rani dabei ist, und bin sein größter Fan auf der Tribüne“, sagt Sami, der auch für das ein oder andere Spiel nach Kanada, Mexiko und in die USA reisen wird, um seinen jüngeren Bruder hautnah zu unterstützen.
Sami Khedira über sein Leben nach der Profi-Karriere
Sami Khedira ist heute überwiegend als Fußballexperte im TV zu sehen, außerdem ist er als Unternehmer tätig. Mit Balira vertreibt der ehemalige Fußballprofi sogar seine eigene Kaffeemarke. Trotzdem bleibt seine Leidenschaft der Fußball: „Mein Leben ist sehr vielfältig. Ich bin sehr viel unterwegs, lasse mich immer wieder gerne inspirieren und mache nur Sachen, die mir Spaß bringen, für die ich eine Leidenschaft habe und bei denen ich ein Entwicklungspotenzial sehe. Zum Beispiel Lifestyleprodukte auf den Markt bringen. Meine große Liebe ist aber nach wie vor der Fußball. Da bin ich am stärksten.“
Doch so groß die Liebe für den Fußball auch ist, er selbst steht heute nicht mehr auf dem Rasen und das hat auch einen Grund: „Ich bin total raus und möchte auch gar nicht mehr spielen. In meinem Kopf ist immer noch dieses Ideal drin – wie die Bewegungen sein sollten. Wenn ich auf dem Platz stehe und merke, die Beine machen nicht mehr ganz mit, werde ich sauer“, erzählt er in einem Panel Talk vor dem Interview. Statt auf den Fußballplatz geht Khedira heute lieber zum Padeln.

Nächstes Jahr wird Sami Khedira 40 – eigentlich noch kein Alter, im Profi-Fußball aber durchaus ein Thema. „Ich schaue gar nicht auf die Zahl. Früher hat sich das immer so alt angehört, aber ich fühle mich gar nicht so. Ich versuche, mich jung zu halten, mit jüngeren Menschen im Austausch zu sein, viel Sport zu machen, Bewusstsein für den Körper zu haben. Ich bin sehr zufrieden mit dem Leben, das ich führe.“
Soll heißen, ein Comeback im Profi-Fußball kommt für Kedira nicht in Frage: „Wenn ich etwas ausschließen kann, dann definitiv, dass ich als professioneller Spieler zurück auf den Rasen kehre.“ Einer der Gründe dafür ist, dass Sami sein Leben inzwischen in weitaus ruhigere Bahnen gelenkt und den Nervenkitzel bewusst hinter sich gelassen hat.
Zwischen Messi und Social Media: So erlebte Sami Khedira den Druck im Profifußball
Die Weltmeisterschaft ist für Sami Khedira auch mit viel Leid verbunden. Leid, das vor allem die Erwartungen an die eigene Leistung betrifft. „Alleine der Name Messi hat schon drei Tage vorher Schweißausbrüche bei mir ausgelöst. Man denkt nur noch an Messi. Der Typ hat mir Albträume bereitet.“
Sami Khedira und Lionel Messi haben in der Vergangenheit rund ein Dutzend Mal gegeneinander gespielt. Der Großteil fand während Khediras Zeit bei Real Madrid und Messis Verpflichtung beim FC Barcelona statt.

Fußballprofi zu sein, bedeutet auch, eine Menge Druck aushalten zu müssen, darüber spricht Sami Khedira ganz offen. „Im Großen und Ganzen ist der mentale Druck schon extrem und das ist auch das Entscheidende. Ich glaube nicht, dass das Problem die körperliche Belastung ist, über die immer viel gesprochen wird. Der Körper ist noch nicht ausgereizt, aber der mentale Druck für die Spieler ist definitiv am Anschlag. Ich habe schon das Gefühl, dass das Thema mittlerweile größer ist und auch unter den Sportlern offener und klarer kommuniziert wird.“





