Fußball

Neuer Vorschlag aus Bayern: Droht die Regionalliga-Reform zu scheitern?

Die angestrebte Reduktion der Ligen könnte zu einem unlösbaren Dilemma für den deutschen Fußball werden.

Author - Sebastian Krause
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Zur Reform der Regionalliga gibt es derzeit zwei Modelle. Die Diskussionen darüber sind schon lange sehr hitzig.
Zur Reform der Regionalliga gibt es derzeit zwei Modelle. Die Diskussionen darüber sind schon lange sehr hitzig.HärtelPRESS/imago

Der Zoff um die Regionalliga-Reform wird immer größer – und jetzt schlagen ausgerechnet die Bayern Alarm: Vertreter des bayerischen Fußballs haben Bedenken hinsichtlich der bevorzugten Modelle geäußert und könnten damit die gesamten Pläne zu Fall bringen.

Ergebnisse sind für bayerische Vereine nicht konsensfähig

„Der Austausch hat verdeutlicht, dass die bisherigen Ergebnisse und die Beschränkung auf zwei Lösungsvorschläge zum aktuellen Zeitpunkt nicht abschließend konsensfähig sind. Wir sind uns einig, dass es einen breiteren Blick braucht“, sagte Christoph Kern, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), nach einem Treffen von bayerischen Klubs in einer Verbandsmitteilung.

Viele Knackpunkte bei der Regionalliga-Reform

Hintergrund: Eine Arbeitsgruppe unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte zuletzt einstimmig empfohlen, die Regionalliga künftig vier- statt wie bisher fünfgleisig zu spielen. Damit sollen am Ende alle Meister direkt in die Dritte Liga aufsteigen können.

Das aber ist genau der Knackpunkt, und das schon seit Jahren. Zurzeit gibt es fünf Regionalligen, aber nur vier Aufstiegsplätze – und deshalb bleibt jedes Jahr mindestens ein Meister trotz Titels ohne Aufstieg. Nach der geltenden Regel haben nur die Sieger der Staffeln West und Südwest das feste direkte Aufstiegsrecht (aufgrund ihrer Mitgliederzahl und Konzentration an Vereinen).

Die Ligen Nord, Nordost und Bayern stellen in einem rotierenden System einen festen Aufsteiger, die beiden anderen Meister müssen in einer Relegation den vierten Aufsteiger ausspielen. Dieses System war 2019 beschlossen worden und gilt seit Beginn der Saison 2020/21. Seither steht es unter Dauerbeschuss, weil sportlicher Erfolg nicht automatisch zum Aufstieg führt.

Zwei Vorschläge: Regionen-Modell und Kompass-Modell

Die DFB-Arbeitsgruppe hat dafür zwei Lösungen auf den Tisch gelegt: das von vielen Klubs bevorzugte „Kompass-Modell“ und das „Regionen-Modell“. Beim Kompass-Modell würden die vier Staffeln in jeder Saison aus allen Regionalligisten anhand der Entfernungen gebildet. Das soll Reiseweg sparen.

Beim Regionen-Modell würden aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Staffeln entstehen, während West und Südwest in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben. Zu beiden Varianten gibt es allerdings schon länger Gegenwind.

Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), kritisiert das Regionen-Modell als instinktlos.
Hermann Winkler, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), kritisiert das Regionen-Modell als instinktlos.Sebastian Gollnow/dpa

Präsident des NOFV: „Ich halte es für instinktlos“

„Ich halte es für instinktlos, dass das Regionen-Modell vorgeschlagen wurde! Es ist offensichtlich, dass die Vereine, die die Initiative Meister müssen aufsteigen wieder ins Rollen gebracht haben, jetzt bestraft werden sollen“, sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV), Hermann Winkler, dem MDR.

„Das sogenannte Regionen-Modell halten wir in dieser Form für einen schlechten Scherz – und es zeigt, auf welch erschreckendem Irrweg sich einige Personen auf Verbandsebene im deutschen Fußball bewegen“, ergänzte Daniel Meyer, Sportdirektor des Halleschen FC, im MDR.

Das Regionen-Modell droht den Fußball-Osten dauerhaft zu benachteiligen.

Tommy Haeder, Sprecher der Initiative Aufstiegsreform 2025 und Geschäftsführer des Chemnitzer FC

Regionen-Modell bedroht dauerhaft den Fußball-Osten

Und Tommy Haeder, Sprecher der Initiative Aufstiegsreform 2025 und Geschäftsführer des Chemnitzer FC, betont: „Wir stehen jetzt an einem Punkt, an dem klar ist: Es geht nicht mehr nur um sportliche Fragen – es geht um eine politische Entscheidung für die Zukunft des deutschen Fußballs. Das Kompass-Modell ist der einzige Ansatz, der von allen Staffeln Veränderungsbereitschaft einfordert und den Fußball zusammenführt, statt ihn weiter zu spalten.“

Und weiter: „Das Regionen-Modell droht den Fußball-Osten dauerhaft zu benachteiligen. Es schädigt aber grundlos und fortwährend auch die bayerischen und norddeutschen Vereine.“ Denn auch sie bekommen im Vergleich zum Kompass-Modell mindestens zwei bis drei Startplätze weniger und werden höhere Reisekosten haben.

Bayerische Vereine suchen nach weiterer Lösung

Dagegen wehren sich nun die bayerischen Fußball-Macher. Der BFV stellte nach dem Austausch mit den Vereinen klar, dass er sich einer Lösung mit der Zielsetzung „Der Meister muss aufsteigen“ nicht verschließe. Nach der ersten Diskussion teilten die Klubs mit, dass „weitere Lösungsmöglichkeiten beleuchtet werden“ sollten. Denn aus Sicht der bayerischen Runde genüge es nicht, sich nur auf die Reduktion von fünf auf vier Regionalligen festzulegen. Die bislang präsentierten Ideen würden die dritte und fünfte Spielklassenebene noch nicht ausreichend berücksichtigen.

Deshalb kommt aus Bayern jetzt sogar ein ganz neuer Ansatz: In allen fünf Ligen könnte es nach einer Vorrunde eine Teilung geben. Die oberen Klubs würden anschließend in vier Ligen jeweils einen Meister/Aufsteiger ausspielen, während die Teams aus der unteren Tabellenhälfte in ihren regionalen Strukturen bleiben und in ihren fünf Ligen jeweilige Abstiegsrunden bestreiten.

Franz Gerber (Geschäftsführer Rot-Weiß Erfurt), Daniel Meyer (Sportdirektor Hallescher FC), Tommy Haeder (Geschäftsstellenleiter Chemnitzer FC), Ralph Grillitsch (Präsident Carl Zeiss Jena) und Andre Beuchold (Vorstand FSV Zwickau) setzen sich stark für eine Reform der Regionalliga ein.
Franz Gerber (Geschäftsführer Rot-Weiß Erfurt), Daniel Meyer (Sportdirektor Hallescher FC), Tommy Haeder (Geschäftsstellenleiter Chemnitzer FC), Ralph Grillitsch (Präsident Carl Zeiss Jena) und Andre Beuchold (Vorstand FSV Zwickau) setzen sich stark für eine Reform der Regionalliga ein.S. Sonntag/imago

Reform soll Spitze und Breite zufriedenstellen

Genau dieses Modell soll nun im BFV von einer eigenen Arbeitsgruppe erörtert werden. Währenddessen steigt deutschlandweit der Druck, endlich eine Reform zu finden, die nicht nur die Spitze glücklich macht, sondern das komplette Ligensystem mitdenkt.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com