Regionalliga-Zoff

Vom Westen wieder verarscht? Ost-Klubs vor Zerreißprobe

Die Regionalliga-Reform des DFB spaltet den Fußball und entscheidet im Nordosten, ob Traditionsduelle weiterleben – oder verschwinden.

Author - Sebastian Schmitt
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Bundesweit protestieren Fans wie hier beim Spiel Dynamo Dresden gegen Preußen Münster für eine Reform der Regionalliga.
Bundesweit protestieren Fans wie hier beim Spiel Dynamo Dresden gegen Preußen Münster für eine Reform der Regionalliga.Oliver Mueller/imago

Der nächste große Streit im deutschen Fußball ist entfacht. Die Regionalliga-Reform sollte endlich Ruhe bringen – stattdessen droht ein offener Machtkampf. Zwei Modelle liegen auf dem Tisch, zwei Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Besonders im Osten wächst die Angst vor einem radikalen Einschnitt.

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14 Jahre Dauerstreit um die Regionalliga sollten endlich ein Ende finden. Stattdessen liefert die DFB-Arbeitsgruppe zwei völlig gegensätzliche Modelle. Fortschritt? Fehlanzeige. Der deutsche Fußball steht vor der nächsten Zerreißprobe.

Kompassmodell gewinnt Rückhalt

Im Zentrum: das sogenannte Kompassmodell. Vier statt fünf Staffeln, klare Struktur, direkte Aufsteiger für alle Meister. Ein Ansatz, der bei vielen Klubs und Fans gut ankommt. Weniger Chaos, weniger Ungerechtigkeit, weniger Relegation. Dafür eine Liga, die endlich sportlich entscheidet.

Auch die Fans des BFC Dynamo mussten 2022 bereits erleben, dass man als Meister der Regionalliga-Nordost nicht direkt in die 3. Liga aufsteigt. Entsprechend groß ist der Wunsch nach einer neuen Regel.
Auch die Fans des BFC Dynamo mussten 2022 bereits erleben, dass man als Meister der Regionalliga-Nordost nicht direkt in die 3. Liga aufsteigt. Entsprechend groß ist der Wunsch nach einer neuen Regel.Sascha Fromm

Doch die Gegenseite drückt noch ein weiteres Konzept durch – und das hat es in sich.

Regionalliga Nordost vor dem Aus?

Ausgerechnet die Regionalliga Nordost, eine der stärksten, zuschauerreichsten und emotionalsten Staffeln, soll zerschlagen werden. Vereine aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen würden auseinandergerissen und auf den Norden oder Süden verteilt. Für viele ein brutaler Eingriff in gewachsene Strukturen.

Zuletzt bezogen kurz vor dem DFB-Gipfel der Chemnitzer FC und der FC Carl Zeiss Jena eindeutig Stellung für eine faire Aufstiegregelung.
Zuletzt bezogen kurz vor dem DFB-Gipfel der Chemnitzer FC und der FC Carl Zeiss Jena eindeutig Stellung für eine faire Aufstiegregelung.imago/PICTURE POINT/S. Sonntag

Die Folgen wären gravierend: Weniger Ost-Duelle, weniger Emotion, weniger Identität. Klubs aus Sachsen und Thüringen müssten plötzlich regelmäßig gegen bayerische Teams antreten. Für Vereine aus Berlin und Brandenburg würden stattdessen lange Auswärtsfahrten in den Norden drohen – nach Hamburg, Bremen oder Oldenburg. Der gewachsene regionale Kern? Zerschlagen. Der Reiz vieler Traditionsduelle? Verloren.

Und damit nicht genug: Die Reform der Regionalliga würde voll auf die unteren Ligen durchschlagen. Das Modell droht den Osten langfristig sportlich auszudünnen. Während aus Sachsen und Thüringen künftig nur ein Klub in die Regionalliga pro Saison aufsteigen dürfte, könnten aus Bayern gleich mehrere Teams nachrücken. Ähnliches gilt für den Norden. Gleichzeitig bleiben pro Staffel vier Absteiger bestehen. Die brutale Folge: Ostklubs laufen Gefahr, Schritt für Schritt aus der Regionalliga verdrängt zu werden.

Regionalliga-Reform: Aufstieg endlich gerecht

Die Wut ist entsprechend groß. Denn klar ist: Gerade im Osten lebt der Fußball von Identität, Rivalität und kurzen Wegen. Spiele mit Tradition, volle Ränge, echte Emotion. All das steht plötzlich auf der Kippe. Stattdessen drohen hohe Kosten, lange Reisen, neue Gegner, weniger Strahlkraft.

Immerhin: Ein zentraler Punkt eint beide Modelle. Künftig sollen alle Regionalliga-Meister direkt aufsteigen. Eine Forderung, die seit Jahren für Ärger sorgt. Bisher mussten Klubs aus Nord, Bayern und Nordost immer wieder in die ungeliebte Relegation – oft mit dramatischen Folgen.

Entscheidung vertagt, Streit entfacht

Doch selbst dieser Fortschritt beruhigt die Lage nicht. Denn jetzt beginnt der eigentliche Kampf. Die Klubs sollen ihre Stimme abgeben, doch entscheiden werden am Ende die Verbände. Und genau dort verlaufen die Fronten. Während viele Vereine klar das Kompassmodell bevorzugen, bleibt die Haltung einiger Funktionäre unberechenbar.

Der Zeitplan steht: Umsetzung frühestens zur Saison 2028/29, Qualifikation bereits in der Saison davor. Für die Fans bedeutet das: zittern, hoffen, Druck machen. Denn die Reform ist mehr als nur eine Strukturfrage. Sie entscheidet über Wege, Einnahmen, Aufmerksamkeit. Und darüber, ob Traditionsduelle weiterleben – oder verschwinden.