Unsere Olympia-Helden

Wie Katarina Witt durch „Carmen“ zur Eiskunstlauf-Legende wurde

Katarina Witt ist die Eiskunstläuferin der 1980er Jahre. Ihr Olympiasieg mit „Carmen“ 1988 macht sie zum Superstar und zur Legende.

Author - Sebastian Krause
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Katarina Witt gewinnt bei den Olympischen Winterspielen 1988 Gold im Eiskunstlaufen.
Katarina Witt gewinnt bei den Olympischen Winterspielen 1988 Gold im Eiskunstlaufen.Laci Perenyi/imago

„Die Glocken am Anfang meiner Musik verwandeln mich sofort in Carmen.“ Das sagt Katarina Witt über die emotionale Bedeutung der ersten Klänge ihrer legendären Kür bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary.

Katarina Witt gewinnt letzte Goldmedaille für die DDR

Mit ihrem epochalen Auftritt als „Carmen“ gewinnt die Eiskunstläuferin Gold bei den Spielen in Kanada. Zugleich ist es das letzte Gold für die DDR und der Höhepunkt einer unnachahmlichen Karriere.

„Battle of the Carmen“ um Olympia-Gold 1988

27. Februar 1988. Bei den Spielen gelten Witt und die US-Amerikanerin Debi Thomas als große Favoritinnen auf den Einzeltitel im Eiskunstlaufen. Das Duell der beiden Ost- und Weststars elektrisiert die Presse so sehr, dass sie daraus den „Battle of the Carmens“ machen, da beide ihre Kür zur Musik aus Georges Bizets Oper „Carmen“ laufen.

Nach der Pflicht und dem Kurzprogramm liegen Witt und Thomas fast gleichauf. Die Entscheidung fällt in der Kür, Anspannung liegt in der Luft. Die gebürtige Brandenburgerin zeigt vier Dreifachsprünge, den Rittberger aber nur doppelt.

Katarina Witt bei ihrer mitreißenden Kür bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary.
Katarina Witt bei ihrer mitreißenden Kür bei den Olympischen Spielen 1988 in Calgary.IMAGO / Laci Perenyi

US-Rivalin Thomas patzt bei Kür mehrfach

Thomas verpatzt hingegen drei ihrer geplanten fünf Dreifachsprünge. Schon nach 30 Sekunden misslingt ihr die Kombination mit zwei dreifachen Toeloops, da sie nach dem zweiten Sprung auf beiden Füßen landet. Zwei weitere Fehler unterlaufen ihr beim dreifachen Rittberger und beim zweiten dreifachen Salchow.

Die Kanadierin Elizabeth Manley ist zwar Beste der Kür, zur Goldmedaille reicht es aber nicht. Die geht nach einem spektakulären Auftritt an Witt. Sie ist damit die zweite Eiskunstläuferin nach der Norwegerin Sonja Henie (von 1928 bis 1936), die ihren Olympiatitel wiederholen kann. „Calgary – das war das Ticket für die Reise meines Lebens – im Grunde genommen“, sagt Witt in der ARD-Dokumentation „Being Katarina Witt“.

Witt gilt als „Das schönste Gesicht des Sozialismus“

Bis heute gilt die Kür von Witt als historischer Olympia-Moment. Trotz des Drucks zeigt sie enorme Willensstärke, Disziplin und Leidenschaft. Die Presse feiert sie als das „Das schönste Gesicht des Sozialismus“.

Die Erfolge von Witt, sie wird auch vierfache Welt- und sechsfache Europameisterin, wären ohne ihre Trainerin Jutta Müller (1928 bis 2023) undenkbar gewesen. „Für mich war klar: Um sieben steh' ich auf dem Eis. Man musste mich nicht dahin prügeln“, erinnert sich Witt.

Mit acht Jahren besucht Witt die Sportschule in Chemnitz

Schon mit fünf Jahren steht sie auf dem Eis, mit acht besucht sie die Kinder- und Jugendsportschule im damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Sportgymnasium Chemnitz). Ihren ersten Dreifachsprung zeigt sie mit nur elf Jahren. Ab 1977 trainiert sie unter Jutta Müller, die aus dem begnadeten Talent eine Doppel-Olympiasiegerin und Eiskunstlauf-Ikone formt.

Der Weg an die Weltspitze ist aber auch von Rückschlägen geprägt. Gewichtsschwankungen, ständiger Leistungsdruck, Beobachtungen und die Distanz zu ihrer Familie zeichnen die Jahre.

Katarina Witt ist nach ihrem Olympiasieg 1988 ein gefeierter Star.
Katarina Witt ist nach ihrem Olympiasieg 1988 ein gefeierter Star.xSZ/KlausxThierexx/imago

Witt ist ein „Aushängeschild des Sozialismus“

Für die DDR ist Witt derweil Teil eines Systems, in dem man sie und ihre Familie schon früh überwacht. Die Sportler werden als „Diplomaten im Trainingsanzug“ bezeichnet und gelten als „Aushängeschild des Sozialismus“.

Kein Wunder also, dass Witt in der DDR eine der prominentesten Sportlerinnen ist und von der Staatsführung als Repräsentantin des Landes betrachtet wird. Dabei trifft sie unter anderem DDR-Größen wie Erich Honecker und Egon Krenz. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagt sie 2001, dass sie „von diesem Staat überzeugt“ gewesen sei.

Katarina Witt: „Carmen ist für immer ein Teil von mir“

Nach Olympia 1988 neigt sich ihre Karriere langsam dem Ende entgegen. Zum Abschluss gewinnt sie bei den Weltmeisterschaften in Budapest ihren vierten WM-Titel und ist damit die prägende Eiskunstläuferin der 1980er Jahre. Zwar gibt sie für die Winterspiele 1994 in Lillehammer ein Comeback, an frühere Erfolge kann sie aber nicht mehr anknüpfen. 

Nach ihrer Karriere baut sich „Kati“ Witt viele Standbeine auf. Sie gründet eine Stiftung, tritt in verschiedenen Fernsehshows und Filmen auf und ist gelegentlich als Eiskunstlauf-Expertin im Einsatz – wie jetzt bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo.

„Die Carmen verfolgt mich seit Calgary“, sagt Witt 2013 der „Berliner Morgenpost“. „Ich glaube, Carmen ist für immer ein Teil von mir.“

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