Eigentlich ist er nur Ersatzmann. Bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo muss sich Wolfgang Hoppe hinter den etablierten Bobsportlern Bernhard Lehmann und Bernhard Germeshausen einreihen. Der 27-Jährige gilt aber als Naturtalent. Als sprintstarker Zehnkämpfer und technisch versierter Motocrossfahrer bringt er beste Voraussetzungen mit.
DDR-Führung entscheidet sich für Wolfgang Hoppe
Beim Training vor den olympischen Rennen fährt Hoppe reihenweise Bestzeiten und versetzt die Konkurrenz in Staunen. Grund genug für die DDR-Führung, den Mann aus dem thüringischen Apolda statt Germeshausen in den Eiskanal zu schicken. Eine Entscheidung mit durchschlagendem Erfolg.
Hoppe fährt mit Schmerzen zum Olympiasieg
Hoppe nimmt dafür aber unglaubliche Schmerzen in Kauf. „Am letzten Trainingstag habe ich mir beim Start einen Bandscheibenvorfall zugezogen und kam nicht mehr aus dem Bob. Als hätte mir einer eine heiße Lanze durch den Hintern geschoben – es ging gar nichts mehr. Mich haben sie aus dem Bob rausheben müssen, der Doktor versuchte, mich zu deblockieren, ich bekam Spritzen, Massagen, doch nichts half. Gegangen bin ich wie Charlie Chaplin“, erzählt er.
Beim Zweierbob-Rennen am 10. und 11. Februar 1984 kann er sich kaum bewegen. Beim Aufwärmen macht er nur leichte Gymnastik. All seine Hoffnung auf eine Medaille setzt er auf Anschieber Dietmar Schauerhammer. „Ich quälte mich unter Schmerzen in den gummierten Rennanzug. Erst als ich am Startbügel stand, war die Blockierung plötzlich weg“, erinnert er sich an seine Glanzstunden in Sarajevo.

Hoppe kommt mit neuer Technik am besten zurecht
Er siegt vor Lehmann und dem zweiten Bob der UdSSR. Eine Woche später wiederholt er das Kunststück. Erneut haben Lehmann und der Schweizer Silvio Giobellina das Nachsehen. Wolfgang Hoppe krönt sich zum Doppel-Olympiasieger für die DDR.
Hilfreich ist dabei sein großes Talent. Fahrwerkstechniker aus dem damaligen Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) entwickeln die weltweit erste Kufenfederung. Während die Konkurrenz daran scheitert, packt es Hoppe und fährt allen davon.
Wolfgang Hoppe ist einer der erfolgreichsten Bobfahrer
Die Olympischen Spiele 1984 in Sarajewo sind der Startschuss einer unnachahmlichen Karriere. Hoppe, der am 14. November 1957 in Apolda geboren wurde, gewinnt vier Jahre später in Calgary jeweils Silber im Zwei- und Viererbob. 1992 in Albertville folgt noch einmal Silber im Vierer, ehe es zum Abschluss seiner olympischen Karriere 1994 in Lillehammer Bronze im Vierer gibt.
Hoppe ist mit zwei Olympiasiegen und insgesamt sechs Medaillen einer der erfolgreichsten Bobsportler der Geschichte. Besser sind nur Anschieber Kevin Kuske aus Potsdam (4 × Gold, 2 × Silber), André Lange (4 × Gold, 1 × Silber) und Francesco Friedrich (4 × Gold).
DDR-Mann Hoppe trägt gesamtdeutsche Fahne
Hoppes Erfolge strahlen weit über die Grenzen der DDR hinaus. Bei den Spielen 1992 ist er bei der Eröffnungsfeier Fahnenträger des ersten gesamten Olympiateams nach der Wiedervereinigung – und das als Ostdeutscher.
Kurios: 1983 wollen ihn die Österreicher abwerben. Dadurch wird er von der Staatssicherheit der DDR als Informeller Mitarbeiter geführt. 1985 stellt die Stasi, die Hoppe als „IM Pilot“ führt, die Zusammenarbeit nach zwei Jahren ein, da diese als fruchtlos eingestuft wird.
Hoppe wechselt nach Karriereende ins Trainergeschäft
Bis zu seinem Karriereende 1998 gewinnt „Hoppfried“, wie er von Freunden genannt wird, noch zahlreiche WM-Medaillen und bastelt weiter an seinem Legendenstatus.
Danach wechselt Hoppe ins Trainergeschäft. Den größten Erfolg feiert er als Frauen-Bundestrainer 2006, als Sandra Kiriasis bei den Olympischen Winterspielen in Turin Gold gewinnt.

Bob-Legende Hoppe wird im nächsten Jahr 70
Den Trainer Hoppe zeichnet nicht nur eine hohe Fachkompetenz aus, sondern auch ein wohltuender Umgang mit seinen Sportlern – besonders in der Vorbereitung. „Es gibt Pilotinnen, die können 14-mal Weltmeisterin werden und 20 Weltcup-Rennen gewinnen“, sagt Hoppe. Aber bei dem wichtigsten Rennen, bei den Olympischen Spielen, verlassen sie die Nerven. „Weil sie das Gefühl haben, etwas anders machen zu müssen.“ Genau das weiß Hoppe zu vermeiden.
Zuletzt ist es ruhig geworden um Wolfgang Hoppe. Im kommenden Jahr feiert er seinen 70. Geburtstag. Dann wird er bestimmt wieder vielen erzählen, wie er 1984 mit seinem Doppelsieg bei Olympia zur deutschen Legende geworden ist.




