Er schrie seine Freude ungebremst in den dunklen Nachthimmel von Predazzo. Getragen von Pius Paschke und Felix Hoffmann jubelte Philipp Raimund schier grenzenlos über sein Olympia-Gold. Die Deutschlandfahne reckte er nach oben, so als wolle er sagen: Heute bin ich der Größte.
Emotionen pur bei Raimunds Olympiasieg
Daneben stand Andreas Wellinger und zeigte mit ausgestrecktem Arm und breitem Grinsen im Gesicht auf Philipp Raimund. Und Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher, der in der Öffentlichkeit häufig als ruhiger Zeitgenosse daherkommt, hätte vor Freude fast den Trainerturm abgerissen. Seine Emotionen waren kaum zu beschreiben. Im Interview stockte dem Österreicher die Stimme.
Raimund ist erst der fünfte deutsche Skisprung-Olympiasieger
Mit seinem Olympiasieg von der Normalschanze reiht sich der 25-jährige Raimund in die illustre Liste der ganz großen deutschen Skispringer ein. Er ist erst der Fünfte, dem das gelingt.
Bis dahin hatte Raimund noch nicht einmal einen Weltcup gewonnen. Auch bei Weltmeisterschaften oder der Vierschanzentournee ging er bisher immer leer aus. Sein bis dahin größter Erfolg war Team-Gold bei der Junioren-WM. Nun sprang er auf den Olympia-Thron.

Helmut Recknagel ist erster deutscher Olympiasieger
Raimund ist damit unter anderem Nachfolger von Helmut Recknagel, der bei Olympia 1960 in Squaw Valley die erste Goldmedaille für einen deutschen Skispringer gewann. Am 28. Februar 1960 gelang dem DDR-Athleten damit nicht nur deutsche, sondern auch internationale Sportgeschichte.
Denn bis dahin hatten nur Norweger oder Finnen den Olympiasieg von der Normalschanze unter sich ausgemacht. Doch dann kam der junge Thüringer und setzte der Serie ein Ende. „An dem Tag passte alles. Das Wetter war herrlich, ich hatte das notwendige Selbstvertrauen, hatte Kraft, Mut, Konzentration, die Weiten stimmten, die Haltung“, sagte der 88-Jährige rückblickend.
Hans-Georg Aschenbach lässt die DDR wieder jubeln
Danach mussten die deutschen Skiadler jedoch lange warten, bis es einen Nachfolger gab – und wieder kam er aus der DDR. 1976 in Innsbruck jubelte Hans-Georg Aschenbach von der Normalschanze vor seinem Teamkollegen Jochen Danneberg.
Aschenbach war in den 1970er-Jahren einer der besten Skispringer überhaupt. Egal ob bei Olympia, WM, Skiflug-WM oder der Vierschanzentournee: Der Thüringer war überall erfolgreich. Vielen bleibt er aber nicht nur wegen seiner großen Erfolge in Erinnerung, sondern auch wegen seiner Flucht in den Westen. Danach packte er über staatlich organisiertes Doping aus und gab zu, selbst unerlaubte Mittel genommen zu haben. Ob er bei seinem Olympiasieg gedopt war, ist bis heute offen.

Jens Weißflog gewinnt vor Matti Nykänen
In den 80ern elektrisierte ein Duell die Skisprung-Massen: Matti Nykänen gegen Jens Weißflog. Ein Jahrzehnt lang duellierten sich die beiden auf höchstem Niveau und gelten bis heute als die beiden wohl besten Skispringer aller Zeiten.
1984 bei den Spielen in Sarajevo war es Weißflog, vielen als „Der Floh vom Fichtelberg“ bekannt, der den Finnen in die Schranken wies und als dritter Deutscher Olympia-Gold gewann. Lediglich 1,2 Punkte auf der Normalschanze machten den Unterschied aus.

Jens Weißflog siegt auch im V-Stil bei Olympia
Diese Medaille gewann Weißflog noch im traditionellen Parallelstil. Anfang der 90er setzte sich aber immer mehr der neue V-Stil durch, den der Schwede Jan Boklöv eher durch Zufall entdeckt und salonfähig gemacht hatte.
Während die meisten Skispringer an der Umstellung scheiterten und ihre Karriere beendeten, gelang Weißflog etwas Einmaliges. Er gewann 1994 in Lillehammer seine zweite Goldmedaille bei Olympia. Der Sachse ist damit der einzige Springer, der in zwei unterschiedlichen Sprungstilen Olympia-Gold gewann. Zudem ist er bis heute der einzige Deutsche, der auf der Großschanze triumphierte.

Sven Hannawald verpasst nur knapp den Olympiasieg
Nach Weißflog wollte es für die deutschen Skispringer bei Olympia jahrzehntelang nicht mehr so richtig klappen. Egal ob Dieter Thoma, Martin Schmitt oder Sven Hannawald: Ein Olympiasieg im Einzel gelang allen nicht.
Besonders dramatisch war es 2002 in Salt Lake City, als sich Hannawald ein packendes Duell mit dem Schweizer Simon Amann lieferte. Der hatte jedoch am Ende knapp die Nase vorn. Im Großschanzen-Wettbewerb stürzte Hannawald im zweiten Durchgang und wurde Vierter. Gold ging an Amann.

Andreas Wellinger jubelt in eisiger Kälte
Wieder was zu jubeln für Deutschland gab es dann erst 2018 bei den Spielen in Pyeongchang. Bei tiefsten Temperaturen und mitten in der Nacht triumphierte der junge Andreas Wellinger.
Im zweiten Durchgang stellte er sogar einen Schanzenrekord auf und war damit der erste Deutsche nach Weißflog, der wieder ein Einzelspringen von der Normalschanze gewann.




