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Sprung-Genie Jens Weißflog gewinnt Olympia-Gold in zwei Techniken

Jens Weißflog ist einer der erfolgreichsten Skispringer überhaupt. Während seiner Karriere passieren viele Veränderungen, die er aber meistert.

Author - Sebastian Krause
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Skispringer Jens Weißflog gewinnt für die ehemalige DDR Olympiagold in Sarajewo 1984. Damals wird noch im Parallelstil gesprungen.
Skispringer Jens Weißflog gewinnt für die ehemalige DDR Olympiagold in Sarajewo 1984. Damals wird noch im Parallelstil gesprungen.imago sportfotodienst

Kaum ein Sportler hat eine so tiefgreifende Veränderung in seiner Sportart und in der Gesellschaft mitgemacht wie Jens Weißflog. Dabei war er trotzdem so erfolgreich wie kaum ein Zweiter.

Nur Matti Nykänen ist mit Jens Weißflog vergleichbar

Februar 1984. Die Olympischen Winterspiele finden in Sarajewo (Jugoslawien) statt. Weißflog, vielen als „Floh vom Fichtelberg“ bekannt, gewinnt für die DDR von der Normalschanze Olympiagold.

Im Wettbewerb von der Großchance muss er sich nur der finnischen Skisprunglegende Matti Nykänen geschlagen geben. Die beiden Ausnahmekönner jener Zeit prägen ihre Sportart auf Jahre hinaus.

Schwede beeinflusst mit dem V-Stil das Skispringen langfristig

Das Skispringen und die Gesellschaft sind aber im Wandel. Eher durch Zufall erkennt der bis dahin fast unbekannte schwedische Skispringer Jan Boklöv, dass man mit einer veränderten Beinhaltung weiterspringen kann. Bei einem missglückten Trainingssprung versucht er, einen Sturz zu vermeiden, indem er die Beine auseinanderstreckt. Dadurch springt er noch einige Meter weiter, ehe er sicher landet.

Die Dynamik danach lässt sich nicht mehr aufhalten. Die meisten Skispringer stellen Anfang der 90er-Jahre ihre Technik auf den neuen V-Stil um. Viele ältere scheitern daran und beenden ihre Karriere. Nicht so Weißflog: Er gehört zu den wenigen Athleten, die sowohl im bis dahin gängigen Parallel- als auch im V-Stil erfolgreich sind.

Wende beeinflusst den DDR-Sport grundlegend

Und gesellschaftlich? Da steht 1989/90 die Wende bevor. Aus Ost- und Westdeutschland wird Gesamtdeutschland. Vor allem im Osten ist die Zeit mit vielen Veränderungen verbunden. Auch der Sport ist Teil dessen. Das alte DDR-System wird abgeschafft. Einflüsse aus dem Westen verändern grundlegend.

Für Weißflog heißt das: viele Einflüsse aufnehmen, verarbeiten, daran gewöhnen. Das scheint ihm zu gelingen, Olympia 1994 in Lillehammer ist sein großes Ziel. Dort möchte er es allen noch einmal zeigen. „Ich wollte in Lillehammer etwas erreichen“, sagt der 61-Jährige Ende vergangenen Jahres der „Welt am Sonntag“.

Das haben wir dem Ottesen zu verdanken, dem Ar***loch!“

Skispringer Jens Weißflog nach der Vierschanzentournee 1993/94

Zuvor muss Weißflog, 1964 im sächsischen Steinheidel-Erlabrunn geboren, aber einen Skandal verkraften. Bei der Vierschanzentournee 1993/1994 wird er bei der letzten Station in Bischofshofen vom norwegischen Skispringer Lasse Ottesen – der unmittelbar vor Weißflog an der Reihe ist – durch quälend lange Verzögerungen auf dem Balken aus der Ruhe gebracht.

Folge: Weißflog springt bei ungünstigem Rückenwind zu kurz. Der Tourneesieg ist futsch. Es gewinnt sein großer Rivale Espen Bredesen – aus Norwegen. „Das haben wir dem Ottesen zu verdanken, dem Ar***loch!“, schimpft Weißflog im Auslauf vor laufender TV-Kamera ins Funkgerät und macht seinen Ärger an Ottesen fest.

Bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer wird nun im V-Stil gesprungen. Und wieder ist Jens Weißflog erfolgreich – dieses Mal sogar mit zwei Goldmedaillen.
Bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer wird nun im V-Stil gesprungen. Und wieder ist Jens Weißflog erfolgreich – dieses Mal sogar mit zwei Goldmedaillen.imago sportfotodienst

Die Revanche folgt wenige Wochen später. Bei den Olympischen Spielen in Lillehammer setzt sich der Sachse im Großschanzenwettbewerb durch. Bredesen und der Österreicher Andreas Goldberger müssen sich geschlagen geben.

Damit gelingt Weißflog ein Kurzstück, das wohl für alle Zeiten einmalig sein dürfte. Er gewinnt Olympiagold im Skispringen mit zwei unterschiedlichen Sprungstilen. Zur Krönung gibt es noch Gold mit der deutschen Mannschaft – Norwegen geht dabei leer aus.

Weißflog nimmt nach Karriereende Rolle in den Medien ein

Weißflog zählt mit seinen drei Olympiasiegen, elf WM-Medaillen und vier Erfolgen bei der Vierschanzentournee zu den erfolgreichsten Wintersportlern überhaupt. Im Sommer 1996 beendet er seine Karriere.

Danach wird aus dem Skisprungstar ein erfolgreicher Unternehmer und ein bekanntes TV-Gesicht. Nach seinem Abschied vom Leistungssport eröffnet er ein Hotel in seiner Heimatstadt Oberwiesenthal. Bis 2011 ist er als Skisprung-Experte für das ZDF tätig. Er engagiert sich für die Kommunalpolitik. Untrennbar wird er aber immer mit seinen Olympiasiegen in zwei verschiedenen Stilrichtungen verbunden sein – und das in einer Zeit, die durch viele Umbrüche gezeichnet ist.

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