Ein Überfall, ein Toter, ein Haufen Gold und ein Ermittlerduo, das sich durch ein Netz aus Beziehungen kämpft! Der neue „Polizeiruf 110 – Goldraub“ (heute in der ARD, 20.15 Uhr) verzichtet auf gesellschaftliche Nebenkriegsschauplätze und liefert stattdessen einen Krimi alter Schule. 90 Minuten lang geht es einzig darum, einen Mord aufzuklären. Das wirkt fast schon nostalgisch.
Rätselhaftes Beziehungsnetz rund um Goldschmiede
In Potsdam wird eine Goldschmiede-Manufaktur überfallen, der Inhaber erschossen, eine wertvolle Lieferung gestohlen. Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder) nehmen die Spur auf. Zunächst gerät eine polnische Bande ins Visier, die berüchtigt ist für ihre Clowns-Masken. Doch schnell zeigt sich: Diese Fährte führt ins Leere. Stattdessen stoßen die Ermittler auf ein enges Beziehungsgeflecht rund um die Goldschmiede, das deutlich spannender ist als jeder osteuropäische Räuberklischee-Plot.

Viel mehr lässt sich über die Handlung kaum verraten, ohne den Reiz des Films zu zerstören. Nur so viel: Die gestohlene Lieferung stammt aus dem Potsdam-Museum, und eigentlich wussten nur wenige davon. Schon hier bröckelt die Theorie der wandernden Diebesbande. Zudem wird klar, dass einer der Täter angeschossen wurde. Rogov macht sich mit einer Kollegin und einem Spürhund auf die Suche – und findet den entscheidenden Hinweis.
Gedreht wurde nach jahrelanger „Polizeiruf“-Pause wieder in Potsdam im August und September 2025 an prominenten Orten der Landeshauptstadt: Holländisches Viertel, Alter Markt, Park Sanssouci. Doch der Film zeigt auch das andere Potsdam. Er zeigt Plattenbau, Gartenlaube, Spielothek. Produzentin Heike Streich erklärt: Das Thema Gold sei eine perfekte Klammer, um barocke Pracht und „die profane Gier und Besessenheit von Menschen im Hier und Jetzt“ zusammenzubringen.

Ross und Rogov, sonst im deutsch-polnischen Grenzgebiet Świecko unterwegs, landen nur wegen der vermeintlichen Clowns-Bande in Potsdam. Rogov ermittelt gewohnt nüchtern, abgesehen von zwei irritierenden Box-Szenen. Ross dagegen ist der emotionale Part. Ein Ermittler, der Angst zeigt, ohne gleich als seelisches Wrack inszeniert zu werden. Das wirkt angenehm menschlich.
Bleibt die Frage: Einschalten oder nicht? Wer einen gradlinigen Krimi ohne überladene Nebenhandlungen sucht, ist hier goldrichtig. Der Täter oder die Täterin wird gefunden, und das ist beim „Polizeiruf“ nicht selbstverständlich. Wer dagegen starke Dialoge, komplexe Ermittler-Psychologie oder gesellschaftliche Debatten erwartet, dürfte enttäuscht sein. Der Film nimmt sich Zeit, manchmal zu viel. Schlag auf Schlag geht hier wenig.


