Es dauerte eine ganze Weile, doch am Donnerstagabend durften sich Fans von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf freuen: Die beiden Entertainer bekamen endlich wieder 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung! Am Montag hatten sie sich in ihrer Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ gegen ihren Arbeitgeber durchgesetzt, durften damit die Viertelstunde zur Prime Time am Donnerstag füllen. Doch aus der Viertelstunde sollte ein ganzer Abend werden: Statt 15 Minuten sendet ProSieben eine mehrstündige Doku zum Ukraine-Krieg - bis tief in die Nacht soll „#dontlookaway“ laufen.
Joko und Klaas gewinnen 15 Minuten Sendezeit live
Regelmäßig treten Joko und Klaas im Rahmen der Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ gegen ihren Heimatsender an. Dieses Mal lief alles etwas anders: die aktuelle Ausgabe der Show trug den Titel „Alle von ProSieben gegen Joko & Klaas“, das Entertainment-Duo musste gegen 777 Mitarbeiter von ProSieben antreten.
Es gelang, der Sieg ging an Joko und Klaas, zum zweiten Mal in dieser Staffel. Die ersten 15 Minuten Sendezeit gingen vor Wochen an ein eher wildes Experiment: Joko Winterscheidt veranstaltete eine Call-In-Show, bei der sich Fand beteiligten und Einblendungen für die nächste Show mitgestalten konnten.
Schon am Tag meldeten sich Joko und Klaas mit einer Ankündigung zu Wort – und heizten die Fans an. „Was dem vorausgegangen ist, war auch in unserer gar nicht mal so kurzen Fernsehzeit einzigartig“, sagte Klaas Heufer-Umlauf. Joko Winterscheidt ergänzte, es sei noch nie logistisch so aufwändig gewesen – „und es war auch selten so unklar, ob es heute Abend läuft“. Es sei lange nicht klar gewesen, ob das, was die beiden Entertainer geplant haben, überhaupt klappen wird.
15 Minuten Joko und Klaas: Das wurde aus der Sendezeit
Einblendungen machen zu Beginn deutlich: Das Team von Joko und Klaas hat Kameras verschickt – an Menschen im Kriegsgebiet in der Ukraine. Seit über 1500 Tagen läuft der Krieg Russlands gegen das Land, ist für die Menschen mittlerweile zum Alltag geworden.
Einen Menschen soll das Projekt unter dem Hashtag #dontlookaway begleiten. Zu sehen ist zunächst ein Mann, der sich in einem Badezimmer die Hände wäscht, sich frisch macht, dann ein Glas Wasser trinkt, alles aus seiner Perspektive. Er verabschiedet sich von seiner Frau. Dann zieht er sich die Schuhe an, verlässt das Haus.

Der Mann heißt Bogdan – und berichtet, dass er eigentlich Student war, seit dem Beginn der Invasion durch Russland als Freiwilliger arbeitet. Er ist im Evakuierungsteam. „Wenn die Leute uns anrufen und um Hilfe bitten, dann fahren wir eben hin und helfen.“ Das Evakuierungsteam fährt in gefährliche Gebiete, rettet Zivilisten. „Wir sind einfach wie Mäuse, die im richtigen Moment irgendwie weglaufen müssen.“ Er schildert, wie er die Zeit des Krieges erlebt hat. Krieg sei, sagt er, ein Chaos, das alles vernichtet.
XXL-doku zeigt Krieg aus der Perspektive der Ukrainer
Es wirke sich auf sein ganzes Leben aus, auf seine Pläne und Träume. Der Krieg mache einen hart, aber nicht auf eine gute Weise. Mit Kollegen kommt er an einem Wohnblock an, um einen Bewohner zu evakuieren, doch der ist bereits mit Verwandten geflohen.
Immer dabei: Die Gefahr, selbst zum Ziel eines Angriffs zu werden. Denn zwischen den Autos von Helfern und der Armee werde kein Unterschied gemacht. Zurück am Auto sind Schüsse zu hören, die Männer vermuten eine Drohne. Doch am Himmel ist nichts zu sehen. Am Ende eine laute Explosion, bedrohlich und bedrückend.
Dann widmet sich die Doku einem Drohnenpiloten, der die Ukraine verteidigt – und dabei damit rechnen muss, dass auch ihn jederzeit ein Angriff erwischen kann. Ein Polizist kommt zu Wort, der schildert, wie sich die Arbeit der Polizei seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges verändert hat. „Bis Januar 2024 wussten wir nicht einmal, was Drohnen sind“, sagt er. Heute gehören die Tötungsmaschinen zum Alltag. Bei einem Ausflug nach draußen ist das Geräusch der Drohnen zu hören, der Polizist sucht den Himmel ab. Zu Fuß läuft er mit einem Kollegen einen Feldweg entlang, als plötzlich Explosionen zu hören sind. „Scheiße“, sagt er. „Eine Streubombe.“

Die Detonationen hören auf, dich eine Drohne ist noch immer zu hören. Dann kracht es wieder, mehrfach, immer wieder. „Sie fliegt“, sagt der Polizist. Er wirft sich auf den Boden, entsichert sein Gewehr. Kurze Zeit später geht es weiter, immer wieder Explosionen. Es hört nicht auf, bis die Männer beschließen, wieder ins Haus zu gehen. Die Gefahr ist nicht gebannt, der Krieg geht immer weiter. Und bei Joko und Klaas soll der Alltag der Menschen im Krieg Raum bekommen. Denn die Geschichten dieser drei Menschen sind nur der Auftakt des Fernsehabends.
Doku von Joko und Klaas soll mehrere Stunden dauern
Sechs Menschen bekamen vom Team Kameras ausgehändigt, dokumentierten ihren Alltag. Es sind bedrückende Schilderungen und Bilder, denen Joko und Klaas mit ihrer Sendung eine Stimme geben wollen. „Wir haben Kameras in die Ukraine geschickt und die Menschen gefragt: Was würdet ihr uns über euren Alltag erzählen? Was sollten wir sehen?“, schreiben die Entertainer auf Instagram.
„Das ist es, was sie uns zeigen wollen. So sieht ihr Alltag aus. Das ist ihr Leben. Bitte schaut nicht weg!“ Wie lange die Dokumentation laufen soll, blieb zunächst unklar: Bei Joyn hieß es, dieses Mal gehe es nicht um 15 Minuten Sendezeit. „Gemeinsam verlängern Joko, Klaas und ProSieben die Viertelstunde und ändern das gesamte Abendprogramm am Donnerstag für die mehrstündige Dokumentation.“ Ungefiltert solle der Alltag der Menschen gezeigt werden.
Joko und Klaas live: Aus 15 werden 200 Minuten
Beim Medienportal DWDL wurde berichtet, dass die Sendung rund 200 Minuten lang sein soll, damit bis etwa 23.30 Uhr läuft. Auf Werbeunterbrechungen verzichtet ProSieben währenddessen komplett. Es dürfte ein langer Abend werden – ähnlich wie während der Corona-Pandemie, als Joko und Klaas die komplette Schicht einer Krankenschwester in einer Klinik ausstrahlten.

Mit ihrer gewonnenen Sendezeit haben Joko und Klaas in der Vergangenheit schon viel Quatsch gemacht, aber auch ernsthaften Themen Raum gegeben. So beleuchteten sie das Elend im berühmten Flüchtlingslager Moria, thematisierten Sexismus und sexualisierte Gewalt im Rahmen der Ausstellung „Männerwelten“ und widmeten sich in der vergangenen Staffel den Problemen der Hebammen.
15 Minuten Joko und Klaas: Schnitzeljagd und Statue
Doch auch viel Quatsch war dabei: In einer Episode enthüllte Joko Winterscheidt eine lebensgroße Statue seines TV-Partners Klaas Heufer-Umlauf vor dem Berliner Hauptbahnhof, in einer anderen schluckten die beiden winzige Kameras und sendeten 15 Minuten lang aus ihrem Inneren. Dabei schluckten sie unter anderem Spielwürfel und würfelten damit quasi in ihren Mägen.
Für Furore sorgte auch eine Schnitzeljagd, die sich über mehrere Tage zog: Joko und Klaas versteckten einen Koffer mit einer Million Euro irgendwo in Deutschland – und sendeten jeden Abend einen Hinweis im TV. Der Koffer lag am Ende an einer Landstraße in Sachsen.



