Der Tod der Nazi-Oma

Familie Ritter aus Köthen: Die letzten Tage von Karin Ritter

In den 90er-Jahren erlangte Familie Ritter aus Köthen zweifelhafte Berühmtheit. Im Fokus: Familienoberhaupt Karin, die 2021 an Krebs starb.

Author - Florian Thalmann
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Karin Ritter war das Familienoberhaupt der Familie Ritter in Köthen. Sie starb im Januar 2021, mutmaßlich an Lungenkrebs.
Karin Ritter war das Familienoberhaupt der Familie Ritter in Köthen. Sie starb im Januar 2021, mutmaßlich an Lungenkrebs.Youtube

Sie schockten ganz Deutschland – und schrieben damit TV-Geschichte: die Mitglieder der Familie Ritter aus Köthen in Sachsen-Anhalt. Jahrelang wurden sie von einem Kamerateam von Stern TV begleitet, im Fernsehen zeigten Dokus Fremdenhass, Verwahrlosung und Armut. Nun wird ein neuer Film ausgestrahlt, im Mittelpunkt auch dieses Mal Familienoberhaupt Karin Ritter. Sie starb bereits 2021. Wir werfen einen Blick auf ihre letzten Tage und Wochen.

Karin Ritter aus Köthen wurde als Nazi-Oma bekannt

Im Jahr 1994 tauchten die Mitglieder der Familie Ritter erstmals im Fernsehen auf – nachdem drei der Söhne von Karin Ritter eine Familie überfallen hatten, wurde Stern TV auf die Ritters aufmerksam. Es begann ein Stück TV-Geschichte: Immer wieder besuchten Kamerateams die Familie, dokumentierten ihren Alltag in Armut. Auch die letzten Monate von Familienoberhaupt Karin Ritter wurden gefilmt und dokumentiert. Die als „Nazi-Oma“ bekannte Frau starb im Jahr 2021, mutmaßlich an Krebs.

Im Oktober 2020 gab Karin Ritter dem Kamerateam ihr letztes Interview – nur drei Monate vor ihrem Tod. Ritter, damals 66 Jahre alt, fühlte sich schlecht. Sie habe „Schmerzen in der Lunge“, sagte sie. Sie sei beim Arzt untersucht worden. Eine Folge ihres Lebens mit den Zigaretten: Karin Ritter war über Jahrzehnte starke Raucherin, konnte sich ein Leben ohne Kippe nicht vorstellen.

Ihren Zigaretten blieb Karin Ritter bis zum Schluss treu. Sie starb im Alter von 66 Jahren - mit dem Rauchen hatte sie zur Jugendweihe angefangen.
Ihren Zigaretten blieb Karin Ritter bis zum Schluss treu. Sie starb im Alter von 66 Jahren - mit dem Rauchen hatte sie zur Jugendweihe angefangen.Youtube

Seit ihrem 14 Lebensjahr rauchte Ritter, zur Jugendweihe fing sie an. „Mir hat es geschmeckt. Meine Schwester hat bloß eine Zigarette geraucht – und die hat sie weggeschmissen. Die wollte nicht.“ Wie viel sie am Tag rauchte, konnte Karin Ritter da schon nicht mehr sagen. „Lieber eine mehr als zu wenig.“ Dem Glimmstängel schwor sie trotz Schmerzen nicht ab. „Ich soll aufhören zu rauchen. Aber wenn ich nachher unter der Erde liege, kriege ich keine Zigaretten mehr“, sagte die Chefin der Familie Ritter.

Lungenkrank: Karin Ritter ging es immer schlechter

Danach ging es Ritter immer schlechter. Von der Diagnose Krebs wollte sie nichts wissen -  und auch ins Krankenhaus wollte sie nicht, berichtete später eine Freundin von Karin Ritter. Ritter selbst wollte nie zum Arzt. Als sie eine Zeit lang in einer Obdachlosenunterkunft und tagsüber auf der Straße leben musste, holte sie sich eine Lungenentzündung. Doch in die Klinik ging sie nicht, weil sie sich um eine Katze auf der Straße kümmern wollte.

Wie viele Zigaretten Karin Ritter am Tag rauchte, konnte sie gar nicht mehr sagen. Das Oberhaupt der Familie Ritter soll an Lungenkrebs gestorben sein.
Wie viele Zigaretten Karin Ritter am Tag rauchte, konnte sie gar nicht mehr sagen. Das Oberhaupt der Familie Ritter soll an Lungenkrebs gestorben sein.Youtube

Und auch zuletzt ließ sie kaum Mediziner an sich heran. Sie habe Angst vor einem Aufenthalt in der Klinik gehabt und sich davor gefürchtet, dass sie nicht mehr nach Hause kommen würde. Zum Schluss habe sie auch keinen Appetit mehr gehabt, kaum gegessen. Nur den Zigaretten blieb die lungenkranke Mutter und Oma immer treu. In Berichten hieß es, Karin Ritter habe auch an einer schweren Bronchitis gelitten.

Karin Ritter soll auch einen Schlaganfall erlitten haben

Während der Corona-Pandemie soll sie außerdem einen Schlaganfall erlitten haben. „Ich wollte in der Nacht auf Toilette, da bin ich auf einmal in der Küche umgefallen“, sagte sie. „Vier, fünf Stunden habe ich da gelegen.“ Ihre Kinder riefen den Notarzt, doch auch da lehnte Karin Ritter den Transport ins Krankenhaus ab. „Sterben kann ich zu Hause, da brauche ich nicht ins Krankenhaus.“ Nur fünf Monate später brach sie ein weiteres Mal zusammen, kam ins Krankenhaus – und verließ es nicht mehr.

Karin Ritter machte sich vor allem mit ihren rechten Entgleisungen einen Namen – sie wetterte und schimpfte gegen Ausländer. Die Filme über Familie Ritter behandelten auch das Leben der Söhne René, Christopher, Norman und Andy, ihren Hang zum Alkoholkonsum und die ewigen Streitereien in der Familie. Norman und Andy Ritter sind inzwischen ebenfalls verstorben – Andy Ritter starb 2023 vermutlich an den Folgen seiner Drogensucht, Norman im Jahr 2025 an den Folgen von Leberzirrhose und Herzschwäche.