Die Bundesregierung will die Altersvorsorge in Deutschland neu erfinden. Mit dem geplanten Altersvorsorge-Depot soll das gelingen: Weg vom klassischen Sparbuch, hin zum Kapitalmarkt. Doch der Gesetzentwurf steht schon jetzt massiv in der Kritik. Denn die hohen Kosten der Anlagen fressen die Rendite auf, warnen Experten.
Gebühren von 1,5 Prozent auf Renten-Produkte
Den Plänen der Bundesregierung nach ist das Altersvorsorgedepot ein Vertrag, den Beschäftigte mit einem Anbieter von Altersvorsorgeprodukten abschließen. Das Geld, das eingezahlt wird, wird vom Anbieter gegen eine jährliche Gebühr angelegt und vom Staat gefördert. Der aktuelle Gesetzentwurf sieht dabei für das verpflichtende Standardprodukt maximale Kosten von 1,5 Prozent pro Jahr vor.
Viel zu hoch, urteilen Finanzexperten. Sie fordern stattdessen eine strikte Deckelung auf maximal 0,5 Prozent jährlich. Nur so sei sichergestellt, dass die staatlichen Zuschüsse tatsächlich beim Sparer ankommen und nicht in der Verwaltung versickern.

1,5 % jährliche Kosten, das klingt nach wenig, ist über ein Arbeitsleben hinweg aber ein massiver Renditekiller. Der Grund ist simpel: Die Gebühren werden jedes Jahr vom gesamten angesparten Vermögen abgezogen.
Dadurch fehlt dieses Geld im nächsten Jahr für die weitere Verzinsung. Der Zinseszinseffekt – eigentlich der größte Vorteil langfristiger Geldanlage – verpufft und früher oder später übertreffen die Gebühren sogar die jährliche Förderung.
Eine Beispiel-Rechnung des „Finanztip“ macht den Effekt deutlich. Wer 40 Jahre lang monatlich 200 Euro spart und im Schnitt sechs Prozent Rendite erzielt, hätte bei niedrigen Kosten von 0,5 Prozent am Ende rund 338.000 Euro angespart. Liegen die jährlichen Kosten hingegen bei 1,5 Prozent, bleiben nur etwa 263.000 Euro übrig. Unterm Strich fehlen damit rund 75.000 Euro Altersvorsorge.
Der Gesetzentwurf wird derzeit noch einmal überarbeitet, bevor er in den Bundestag eingebracht wird. Für Kritiker ist das die womöglich letzte Gelegenheit, das Modell nachzubessern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) reagierte bereits auf Warnungen von Verbraucherschützern und deutete an, dass die im Entwurf vorgesehene Kostenbremse im parlamentarischen Verfahren noch einmal verschärft werden könnte.

Riester-Rente ein warndendes Beispiel
Finanzexperten fordern, dass sich das neue Modell an günstigen ETFs orientiert mit jährlichen Kosten von etwa 0,2 bis 0,5 Prozent. Klassische Rentenversicherungen dagegen verlangen häufig 1,5 Prozent oder mehr. Dass es günstig geht, zeigen laut „Finanztip“ internationale Beispiele. In Schweden etwa liegen die Kosten des staatlichen Vorsorgefonds bei unter 0,1 Prozent.
Die Politik muss nun entscheiden. Dass private Altersvorsorge auch kläglich scheitern kann, haben tausende Sparer schon mit der Riester-Rente erleben müssen. Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten führten in vielen Fällen dazu, dass am Ende enttäuschend kleine Renten ausgezahlt wurden, häufig lagen sie unter 100 Euro im Monat. Ein großer Teil der staatlichen Förderung landete faktisch bei den Anbietern statt bei den Sparern.
Hinzu kam die Pflicht zur Beitragsgarantie. Sie zwang Anbieter in besonders sichere, aber renditeschwache Anlagen. In Zeiten niedriger Zinsen war es dadurch kaum möglich, nach Kosten überhaupt noch eine nennenswerte Rendite zu erzielen. Genau diese Fehler soll das neue Altersvorsorge-Depot eigentlich vermeiden. Ob das gelingt, ist aber noch ungewiss.



