Ab 1. Mai sinken die Steuern auf Benzin und Diesel. Autofahrer hoffen auf eine sofortige Entlastung. Doch wird der Sprit wirklich pünktlich um Mitternacht günstiger? Wird der Sprit dann knapp? Und lohnt es sich, früh aufzustehen, um als Erster zu tanken? Der Überblick.
Wie hoch ist der Tankrabatt, wie lange gilt er?
Zum 1. Mai um Mitternacht sinken die Energiesteuern auf Diesel und Benzin um 14,04 Cent pro Liter. Weil auf diesen Teil dann auch keine Mehrwertsteuer mehr anfällt, ergibt sich eine tatsächliche Entlastung von 16,7 Cent pro Liter – gerundet also die oft genannten 17 Cent. Die Regelung gilt bis Ende Juni.
Ab wann wird der Sprit tatsächlich billiger?
Viele Tankstellen werden die Preise wohl schon in der Nacht zum 1. Mai senken – oft direkt um Mitternacht. Das liegt aber vor allem an den Erwartungen der Kunden. Denn der günstiger versteuerte Sprit befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in den Tanks der Stationen.
Die Energiesteuer wird nämlich nicht beim Verkauf fällig, sondern beim Verlassen der Raffinerie oder des Großlagers. Die Branche klagt deshalb, dass sie zunächst belastet wird. Allerdings könnten die Unternehmen am Ende profitieren, wenn sie niedrig versteuerte Restbestände später zu höheren Preisen verkaufen – wie schon 2022.

Sinkt der Preis sofort um 17 Cent?
Eine Pflicht zur Preissenkung gibt es nicht. Jede Tankstelle entscheidet selbst. „Es ist nicht davon auszugehen, dass die Preise am 1. Mai um Mitternacht sofort um die vollen 16,7 Cent sinken“, sagt Christian Laberer, Kraftstoffmarkt-Experte beim ADAC. „Das war auch 2022 nicht der Fall. Stattdessen sind die Preise sukzessive gefallen.“
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) betont: „Die Tankstellengesellschaften geben die Steuersenkung vollständig weiter.“ Wegen der Konstruktion der Steuer könne es aber sein, „dass die Steuersenkung sich mancherorts erst mit Verzögerung an der Zapfsäule bemerkbar macht“. Zudem könnten die Weltmarktpreise „wie bisher erheblich schwanken“.
Wie stark die Preise fallen, wird also von Station zu Station unterschiedlich sein – wie schon jetzt. Schwankungen von mehr als 10 Cent pro Tag sind zuletzt keine Seltenheit gewesen.
Lohnt es sich, zum Tanken früh aufzustehen?
Nein, das bringt nichts. Durch die sogenannte 12-Uhr-Regel dürfen Preise erst mittags steigen. Am Vormittag wird Sprit also nicht teurer sein als am frühen Morgen. Typischerweise sinken die Preise sogar bis zum Mittag noch etwas. Wie stark der Sprung danach ausfällt, ist kaum vorherzusagen.
Wird es Schlangen und Engpässe geben an der Tankstelle?
Weil der Steuerrabatt nur für nach Mitternacht gelieferten Sprit gilt, ist es für Tankstellen attraktiv, mit kleinen Lagerbeständen in den Mai zu gehen – ähnlich einem Urlauber, der nicht mehr kurz vor der Grenze tankt, wenn der Sprit im Ausland billiger ist. Gleichzeitig werden viele Autofahrer ihre Tanks vor dem 1. Mai nicht mehr komplett füllen.
Da die Liefermöglichkeiten am Feiertag und dem darauffolgenden Wochenende zudem eingeschränkt sind, warnte der Tankstellenverband bft bereits vor möglichen Engpässen. Der en2x spricht von einem „logistischen Kraftakt“.
ADAC-Experte Laberer sieht das entspannter: „Wir rechnen beim Start des Tankrabatts nicht mit nennenswerten Versorgungsengpässen. Es ist möglich, dass sich einzelne Tankstellen vielleicht verkalkulieren, aber es wird kein Massenphänomen sein. Es ist ja auch im Interesse der Tankstellen und Mineralölkonzerne, dass genügend Sprit da ist, damit sie etwas zu verkaufen haben.“



