Die Welt wird milchig, Kontraste verschwinden – und viele Betroffene schieben den Gang zum Augenarzt lange vor sich her. Der Graue Star ist eine der häufigsten Augenerkrankungen im Alter, fast jeder Rentner ist irgendwann betroffen. Augenarzt Dr. Christian Ahlers erklärt in einem Interview mit der Kreiszeitung worauf sie achtgeben müssen.
Schleichende Verschlechterung des Sehvermögens
Der Graue Star – medizinisch Katarakt – gehört zu den häufigsten Augenveränderungen im Alter. „Im Grunde handelt es sich um eine langsam fortschreitende Eintrübung der Augenlinse“, erklärt Dr. Christian Ahlers.
Fast jeder Mensch, der lange genug lebt, bekommt sie irgendwann. Eine klassische Krankheit sei der Graue Star daher nicht, eher eine natürliche Alterserscheinung.
Die Linse verliert nach und nach ihre Klarheit, Kontraste verblassen, Farben wirken stumpfer, das Sehen wird diffuser. Weil meist beide Augen gleichzeitig betroffen sind, bemerken viele die Veränderung zunächst kaum.
Hilft eine neue Brille bei Grauem Star?
Mit Verschleiß habe das wenig zu tun, betont der Mediziner. Vielmehr verändern sich die Zellen der Linse im Laufe des Lebens, das Gewebe verdichtet sich und trübt ein. Am häufigsten tritt der Graue Star bei Menschen Mitte 70 auf, angeborene Formen seien selten.
Eine neue Brille hilft in solchen Fällen nicht – im Gegenteil: Viele Betroffene merken die beginnende Linsentrübung daran, dass sich ihre Sehstärke ständig verändert.
Optiker passen dann zwar immer wieder neue Brillen an, doch die Werte stimmen oft schon nach wenigen Monaten nicht mehr. Spätestens wenn trotz neuer Gläser nur noch 50 oder 60 Prozent Sehschärfe erreicht werden, landet man beim Augenarzt.
Unkomplizierte OP kann helfen
Steht die Diagnose fest, folgt die Entscheidung über eine Operation, die die Krankenkasse übernimmt. „Das ist ein wichtiger Schritt, den man gemeinsam besprechen muss“, sagt Ahlers. Zwar sei das Risiko objektiv sehr gering, aber eben nicht bei null. Wer noch rund 90 Prozent Sehvermögen hat und sich kaum eingeschränkt fühlt, könne warten, so der Mediziner.
Bei 50 Prozent hingegen wird es kritisch: Autofahren wird unsicher, die Selbstständigkeit leidet – besonders auf dem Land ein großes Thema. Der Vorteil: „Es handelt sich um einen elektiven Eingriff, also keinen Notfall. Betroffene haben Zeit, sich zu informieren und zu entscheiden, welche Kunstlinse für sie infrage kommt.“

Ohne Eingriff wird es nicht besser
Es gilt aber auch: Alternativen zur Operation gibt es nicht. Weder Medikamente noch Übungen oder Vitamine können die natürliche Linse wieder klar machen. Die einzige wirksame Behandlung ist der Austausch der getrübten und der Einsatz einer künstlichen Linse.
Trotzdem klingt der Eingriff dramatischer, als er ist. In Deutschland wird die OP rund eine Million Mal pro Jahr ambulant durchgeführt und dauert pro Auge meist nur 10 bis 20 Minuten.
Die Linse wird über winzige Schnitte entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt – klassisch oder mithilfe eines Femtosekundenlasers. Letzterer arbeitet extrem präzise, erzeugt winzige Gasbläschen im Gewebe und trennt Strukturen ohne Hitze. „Im Grunde wird gar nicht geschnitten, das Gewebe wird eher auseinandergeschoben“, so Ahlers.


