Altersarmut

10 Prozent Rabatt für Rentner im Supermarkt: Zieht Kaufland jetzt nach?

Ein Händler aus Brandenburg macht es vor, doch der Konzern setzt auf ein ganz anderes Rabatt-System.

Author - Tobias Esters
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Kein pauschaler Rentner-Rabatt: Kaufland setzt stattdessen auf digitale Angebote per App
Kein pauschaler Rentner-Rabatt: Kaufland setzt stattdessen auf digitale Angebote per AppBernd Weißbrod/dpa

Während große Supermarktketten weiter auf Apps und personalisierte Rabatte setzen, sorgt ein kleiner Laden in Brandenburg gerade für Aufmerksamkeit – mit einem ganz einfachen Konzept: zehn Prozent Rabatt für Rentner, ganz ohne Smartphone.

Rabatt ohne App: Dieser Supermarkt hilft Rentnern direkt

In Neuruppin setzt der unabhängige Lebensmittelhändler Teiba Markt ein Zeichen gegen Altersarmut. Wer hier seinen Rentenausweis vorzeigt, bekommt dauerhaft zehn Prozent auf fast alle Produkte – ausgenommen sind lediglich Tabakwaren. Eine Aktion, die bewusst unkompliziert gehalten ist und ohne digitale Hürden funktioniert.

Der Betreiber Yasser Daaboul erklärt, dass ihn vor allem die Lebensrealität vieler älterer Menschen zu diesem Schritt bewegt habe. Gegenüber der „B.Z.“ sagte er, er habe gesehen, wie knapp das Budget seiner älteren Nachbarin ist und daraus Konsequenzen gezogen.

Tatsächlich trifft die Aktion einen wunden Punkt. Viele Rentner müssen mit wenig Geld auskommen, steigende Lebensmittelpreise verschärfen die Lage zusätzlich. Gleichzeitig setzen immer mehr große Ketten auf exklusive App-Rabatte – ein Modell, das längst nicht alle nutzen können.

Zwar wächst die digitale Nutzung auch bei Senioren, doch viele besitzen kein Smartphone oder verwenden es nur eingeschränkt. Für sie bleiben digitale Angebote oft unerreichbar.

Rabatte nur per App: Mit der Kaufland Card XTRA setzt der Konzern auf digitale Angebote
Rabatte nur per App: Mit der Kaufland Card XTRA setzt der Konzern auf digitale AngeboteBODE/IMAGO

Genau hier unterscheidet sich der Teiba Markt deutlich von den großen Ketten wie Kaufland. Während der kleine Händler auf direkte Hilfe setzt, verfolgen die Konzerne eine andere Strategie. Kaufland hatte zuletzt gegenüber echo24.de klargestellt, dass es keinen pauschalen Seniorenrabatt geben wird.

Stattdessen setzt das Unternehmen auf die „Kaufland Card XTRA“, ein digitales System mit personalisierten Angeboten. Grundlage sind dabei unter anderem Einkaufsverhalten und demografische Daten.

App statt Rabatt: Warum viele Rentner leer ausgehen

Das Problem: Eine klassische Kundenkarte gibt es nicht mehr. Wer von den zusätzlichen Rabatten profitieren will, braucht die App. Für viele ältere Menschen bedeutet das eine klare Hürde. Zwar verweist Kaufland weiterhin auf wöchentliche Angebote und Prospekte, doch die gezielten Extras bleiben App-Nutzern vorbehalten.

Im Gegensatz dazu ist die Lösung in Neuruppin bewusst niedrigschwellig und zeitlich nicht begrenzt. Ein einfacher Ausweis genügt. Große Supermarktketten bieten ein solches Modell bislang nicht an.

Millionen Rentner müssen jeden Euro umdrehen

Viele Rentner kaufen deutlich preisbewusster ein als früher – und das hat klare Gründe. In Deutschland gilt inzwischen fast jeder fünfte Mensch über 65 Jahre als armutsgefährdet. 2024 lag die Quote bei rund 19,4 bis 19,7 Prozent, also deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung mit 15,5 Prozent. Insgesamt sind mehr als 3,5 Millionen Rentner betroffen.

Ob die Aktion Schule macht, bleibt offen. Betreiber Daaboul hofft jedenfalls, dass sich andere Händler inspirieren lassen. Für viele Rentner wäre das ein wichtiges Signal – gerade in Zeiten, in denen jeder Euro zählt.

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