Viele Rentnerinnen und Rentner in Berlin müssen jeden Euro zweimal umdrehen, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Deutsche Rentenversicherung gibt auf ihrer Internetseite den Tipp, dass Rentner in vielen Fällen mit ihrem Rentenausweis Vergünstigungen erhalten, zum Beispiel im Theater, im Kino oder in Bussen und Bahnen. Auch in Geschäften und Restaurants gebe es immer öfter Rabatte. Doch wie sieht die Wirklichkeit in Berlin aus?
Immer seltener gibt es Rabatte für Rentner
Viele Rentner sehen abgesehen von Bus und Bahn die Möglichkeiten schwinden, in Einrichtungen Ermäßigung mit dem Rentenausweis zu erhalten. Das zeigen Leserzuschriften an den Berliner KURIER und auch bei Beratungsstellen häufen sich entsprechende Erfahrungen.
Margret Hampel vom Berliner Info- und Beratungstelefon „Lücken schließen – Brücken bauen“ vom Verein Silbernetz beobachtet einen stark rückläufigen Trend. „Häufig gibt es für Rentner und Rentnerinnen keine Ermäßigung“, so die 72-Jährige, die selbst seit sieben Jahren im Ruhestand ist.

„Ich kann meinen Rentnerausweis nur noch selten nutzen und ich habe den Eindruck, im Lauf der Jahre sind die Möglichkeiten weniger geworden.“ Da sei es schon für sie eine kleine Überraschung gewesen, als sie von der Dame an der Kasse der Ufa-Fabrik auf den Rentner-Rabatt aufmerksam gemacht worden sei, erzählt Hampel.
Die Deutsche Rentenversicherung verweist auf Nachfrage darauf, dass es bei Rabatten regional große Unterschiede gibt. Ute Müller, Expertin der Deutschen Rentenversicherung zum KURIER: „Die Angaben auf der Webseite der Rentenversicherung sind auf das gesamte Bundesgebiet bezogen, wo es große Unterschiede gibt, was Ermäßigungen speziell für Rentner und Rentnerinnen betrifft. Die müssen vor Ort erfragt werden und möglicherweise ist Berlin beim Angebot wirklich schlechter aufgestellt als andere Regionen. Oftmals werden Ermäßigungen auch nicht vom Rentenausweis abhängig gemacht, sondern vom Alter.“
Auch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt räumt ein, dass es in öffentlich geförderten Kultureinrichtungen, wie Museen, Ausstellungshäusern oder fürs Theater zwar ermäßigte Tickets für bestimmte Zielgruppen gibt, aber keine einheitliche Regelung für Rentner und Rentnerinnen.
„Die Preisgestaltung und Ermäßigungen liegen in der Verantwortung der einzelnen Häuser“ Viele Einrichtungen gewähren keine pauschalen Seniorenrabatte, sondern knüpfen Ermäßigungen an andere Kriterien, wie zum Beispiel Einkommen oder soziale Lage“, so ein Sprecher zum Berliner KURIER. Der Grund dafür liege auch darin, dass Rentner nicht gleich Rentner ist und viele finanziell gut abgesichert sind.

Eine Einschätzung, die auch Margret Hampel teilt, auch wenn es „viele Rentner gibt, die wenig Geld haben und da sind teure Einritte nicht drin“. Um auch diesen Senioren die Teilhabe an Kulturveranstaltungen zu ermöglichen, gibt die 72-Jährige am Info-Telefon Tipps und Ratschläge.
„Wir helfen, wenn Senioren zu einer bestimmten Veranstaltung möchten und günstige Tickets suchen“, so Hampel. Denn viele Angebote seien nur online zu finden oder buchbar, für viele eine unüberwindbare Hürde. „Da beginnt die Altersdiskriminierung, weil Senioren oft nicht mit dem Internet umgehen können. Rentner sind außen vor“, meint Margret Hampel. „Wir helfen Älteren auch bei der Suche nach Arzt-Terminen oder bei Fragen rund um die Pflege-Bedürftigkeit.“

Und auch wenn es keine speziellen Rentner-Rabatte gibt, könne man oft sparen, wenn man rechtzeitig und gezielt sucht. Ermäßigungen gebe es zum Beispiel im Schlosspark Theater, im Kino Tilsiter Lichtspiele in Friedrichshain, bei den Volkshochschulen, in Schwimmbädern oder auch eine günstige Jahreskarte für die Staatlichen Museen ab 25 Euro, zählt Hampel auf.
„Die Dauerkarten für den Zoo, den Tierpark oder die Gärten der Welt bieten für alle, die mehrfach hingehen möchten, ebenfalls einen guten Rabatt.“ Bei Fragen hilft das Info- und Beratungstelefon Lücken schließen – Brücken bauen unter der Telefonnummer: 030 544 533 0 533 (montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr).




