Einfacher und flexibler

Neues Renten-System ab 2027: Das ändert sich bei der Vorsorge

Bundestag beschließt Reform der privaten Altersvorsorge. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Author - Stefan Doerr
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Bei Produkten zur Altersvorsorge sollte man genau auf die Gebühren achten.
Bei Produkten zur Altersvorsorge sollte man genau auf die Gebühren achten.Benjamin Nolte/dpa

Die Rentenlücke bleibt eines der größten Sorgenkinder der Politik. Nun setzt die Bundesregierung auf einen Neustart. Der Bundestag hat am Freitag eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Mehr Menschen sollen künftig vorsorgen und zwar einfacher, flexibler und mit mehr staatlicher Unterstützung. Der Berliner KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Vorsorgeprodukte gibt es künftig?

Künftig sollen Banken und Versicherungen ihre Angebote deutlich übersichtlicher gestalten. Herzstück ist ein verpflichtendes Standarddepot, das jeder Anbieter im Programm haben muss und möglichst wenig Aufwand für die Kunden bedeutet. Die Kosten für das Standardprodukt werden auf ein Prozent der durchschnittlichen jährlichen Rendite gedeckelt. Es wird auch ein staatliches Standardprodukt geben.

Eine wichtige Änderung sorgt allerdings für Diskussionen. Anders als im bisherigen Riester-System wird nicht garantiert, dass die eingezahlten Beträge am Ende in vollem Umfang ausgezahlt werden. Wer maximale Sicherheit will, kann weiterhin Garantieprodukte wählen, mit jeweils entweder 100 oder 80 Prozent Kapitalgarantie. Je höher die Garantie, desto geringer die Renditechancen.

Die Riester-Versicherung kann weiter laufen. Vorschnelles Kündigen kann teuer werden.
Die Riester-Versicherung kann weiter laufen. Vorschnelles Kündigen kann teuer werden.Imago/Schöning

Die Neuerungen treten zu Jahresbeginn 2027 in Kraft. Bereits bestehende Vorsorgeverträge nach dem bisherigen Riester-System können unverändert fortgeführt werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, in die neue Förderung zu wechseln. Was vorteilhafter ist, muss jeweils individuell berechnet werden.

Wie viel Förderung vom Staat gibt es?

Für jeden eingezahlten Euro gibt der Staat künftig 50 Cent dazu. Das gilt bis zu einer Einzahlung von 360 Euro im Jahr. Für jeden weiteren Euro kommen 25 Cent vom Staat obendrauf bis zur Grenze von 1800 Euro. Hinzu kommen Zulagen für Familien mit Kindern: Sofern mindestens 25 Euro im Jahr eingezahlt werden, gibt der Staat pro Kind die gleiche Summe dazu, maximal 300 Euro im Jahr. Insgesamt können Sparerinnen und Sparer pro Jahr 6840 Euro in ihr Depot einzahlen. Die Einzahlungen können von der Steuer abgesetzt werden.

„Rente muss zum Leben reichen“ steht auf dem Rücken eines Demonstranten. Die Rentenreform ist heiß umstritten. (Symbolfoto)
„Rente muss zum Leben reichen“ steht auf dem Rücken eines Demonstranten. Die Rentenreform ist heiß umstritten. (Symbolfoto)Stephanie Pilick/dpa

Neu ist, dass auch Selbstständige von der Förderung profitieren können. Sie waren bisher ausgeschlossen, weil sie nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Auch Angestellte, die in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung pflichtversichert sind, können die Förderung bekommen, zum Beispiel Ärztinnen und Architekten.

Wie funktioniert die Auszahlung?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird jeden Monat ein fester Betrag bezahlt bis zum Lebensende. Diese Variante wird als Leibrente bezeichnet. Oder aber, es wird ein Auszahlungsplan mit festem Enddatum vereinbart. Der Plan muss mindestens bis zum 85. Geburtstag laufen. Wer stirbt, bevor alle Tranchen gezahlt wurden, vererbt die verbleibenden Ansprüche. Wer über das vereinbarte Enddatum hinaus weiterlebt, bekommt dann kein Geld mehr. Die Entscheidung über die Auszahlungsvariante muss erst zum Auszahlungsbeginn getroffen werden. Die Auszahlungen müssen versteuert werden.

Was kostet das alles den Staat?

Durch die Umstellungen werden jährlich dreistellige Millionenkosten für den Staat erwartet. 2027 geht es zunächst um 240 Millionen Euro, im folgenden Jahr sollen es 455 Millionen und 2029 dann 675 Millionen Euro sein. Für das Jahr 2030, bis zu dem die Kostenschätzung reicht, geht die Koalition von 880 Millionen Euro aus.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com