Streit um mehr Urlaub

Streik zu Ostern bei der BVG? Die Entscheidung ist jetzt gefallen!

Mehr Urlaub oder Geld: Der Tarifstreit zwischen BVG und Verdi wurde erfolgreich beigelegt.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Busse der BVG stehen still. Das Szenario drohte. Doch nun ist eine Entscheidung getroffen.
Busse der BVG stehen still. Das Szenario drohte. Doch nun ist eine Entscheidung getroffen.photothek/imago

Die Berliner sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Im aktuellen Tarifstreit um mehr Urlaub haben sich BVG und Verdi geeinigt. Das teilte die BVG am Freitagmittag mit.

Urlaub oder Geld? BVG-Mitarbeiter haben die Wahl

Kein Streik zu Ostern! Mehr Urlaub oder auch mehr Geld für die etwa 16.000 Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe – dafür sorgt der neue Manteltarifvertrag, auf den sich BVG und Verdi geeinigt haben. Die letzten Gespräche fanden dazu in den vergangenen zwei Tagen statt. Die BVG bezeichnet den Abschluss als ein „starkes Gesamtpaket“ für ihre Mitarbeiter. Bis zu 33 Tagen Urlaub oder mehr Geld soll es geben.

Erstmals können die BVG-Mitarbeiter wählen, ob sie lieber mehr Urlaub und Freizeit haben wollen – oder stattdessen mehr Geld nehmen. Weiter wurde beschlossen, die Aktivitäten zur Arbeitszeitsouveränität fortzuführen und konkrete, zusätzliche und moderne Arbeitszeitmodelle zu erproben.

„Mit diesem Abschluss setzen wir ein klares Zeichen: Arbeit ist wichtig, aber nicht alles“, sagt BVG-Personalvorstand und Verhandlungsführerin Jenny Zeller-Grothe.

BVG-Personalvorstand Jenny Zeller-Grothe.
BVG-Personalvorstand Jenny Zeller-Grothe.Jenny Zeller-Grothe © BVG / Alena Schmick

Und so soll das mit der Wahl zwischen mehr Freizeit oder mehr Geld funktionieren. Bis zu 33 Tage Urlaub (vorher 31 Tage) werden den BVG-Mitarbeitern angeboten.

Sie können die Tage oder einen finanziellen Ausgleich nehmen. Ab 2027 bis 2029 ist jährlich ein zusätzlicher Urlaubstag möglich oder bis zu 1,35 Prozent mehr Gehalt. Die Wahl zwischen Urlaub oder Geld haben die Mitarbeitenden jährlich aufs Neue und können so flexibel und souverän je nach persönlicher Situation wählen.

BVG zahlt mehr Urlaubsgeld

Einige Vergünstigungen gibt es schon sofort: 2026 erhalten die BVG-Mitarbeiter zusätzlich eine Einmalzahlung von 150 Euro. Für viele Beschäftigen (wie Fahrer von Bussen, Straßen- und U-Bahn) wird zusätzlich eine Wahlmöglichkeit eingeführt, sich Mehrleistung auszahlen oder Zeit gutschreiben zu lassen.

Das lohnt sich auch für die Busfahrer: BVG zahlt mehr Urlaubsgeld, auch Überstunden sollen bezahlt werden.
Das lohnt sich auch für die Busfahrer: BVG zahlt mehr Urlaubsgeld, auch Überstunden sollen bezahlt werden.Political-Moments/imago

Und: Ab 2027 erhalten alle Mitarbeiter jährlich 600 Euro Urlaubsgeld - 100 Euro mehr als jetzt. Dazu wird die Wahlmöglichkeit „Erhöhte Vollzeit“ verlängert. Damit können BVG-Mitarbeiter die Regelarbeitszeit von 36,5 bzw. 37,5 Stunden pro Woche auf bis zu 39 Stunden pro Woche mit entsprechender Entgeltsteigerung erhöhen.

Wer bei der BVG im Schichtdienst arbeitet (wie Techniker oder Fahrer) soll künftig bessere Arbeitsbedingungen bekommen: Erhöhung der Mindestruhezeit auf elf Stunden ohne Ausnahmen ab 2027 – eine Stunde mehr als bisher. Der zusätzliche Urlaub als Ausgleich für Nachtarbeit wird auf bis zu fünf Tage erhöht.

Verdi: Streik bei der BVG hat sich gelohnt

Sechs Verhandlungsrunden und Arbeitskampfmaßnahmen wie der 48-Stunden-Warnstreik (Ende Februar) führten letztlich zur Einigung. Das Druckmittel Streik war Verdi dabei besonders wichtig.

Verhandlungsführer Serat Canyurt: „Die anfänglichen Startschwierigkeiten in dieser Tarifrunde konnten dank der Streiks in den vergangenen Wochen überwunden werden.“

Aber auch die BVG hat sich in dem Tarif-Streit durchgesetzt. Normalerweise lässt Verdi keine Tarifvertragsabschlüsse mit den Verkehrsbetrieben mit einer langen Laufzeit zu.

Meist sind es 24 Monate, um die Arbeitgeber so wieder schneller an den Verhandlungstisch zu bekommen. Doch nun soll der neue Manteltarifvertrag eine Laufzeit von 48 Monaten haben.

Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt (li.) rät den BVG-Mitarbeitern, das Streit-Ergebnis anzunehmen.
Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt (li.) rät den BVG-Mitarbeitern, das Streit-Ergebnis anzunehmen.Peter Neumann/Berliner Zeitung

„Das gibt dem Unternehmen Zeit, die zahlreichen Verbesserungen für die Mitarbeitenden stabil umzusetzen und betrieblich gut vorzubereiten, ohne Auswirkungen auf Betrieb und Fahrgäste zu haben. Zur Umsetzung des Wahlmodell Urlaubs müssen beispielsweise zusätzlich neue Mitarbeitende eingestellt und ausgebildet werden“, heißt es in der BVG-Mitteilung.

Trotz Abschluss: 2027 kann es wieder BVG- Streiks geben

Doch wer nun glaubt, im kommenden Jahr könnte es keine  Tarifverhandlungen mit Streiks bei der BVG geben, der irrt. „Einzelne Elemente des Tarifvertrags können bereits zu Ende 2026 gekündigt werden. Dies betrifft insbesondere die Themen Arbeitszeit, Entgelt, Zulagen und geteilte Dienste“, teilt Verdi mit. Damit sind 2027 Streiks bei der BVG durchaus möglich.

Aber Verdi-Mann Canyurt gibt auch zu: „Mit der Einigung liegt nun ein Paket auf dem Tisch, das sich sehen lassen kann.“ Er empfiehlt den BVG-Mitarbeitern, die in der Gewerkschaft organisiert sind, „das Ergebnis anzunehmen“.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sollten die BVG-Mitarbeiter zufrieden sein und das Angebot annehmen? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com