Es ist eine Aussage, die viele wütend macht – und die nun für heftige Diskussionen sorgt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder möchte, dass die Deutschen insgesamt mehr arbeiten. In der Sendung „Bericht aus Berlin“ sagte er, dass mehr Arbeit Deutschland mehr Wirtschaftswachstum bringen würde. Die Aussage sorgt für Kritik.
Deutsche sollen mehr arbeiten – sechs Tage im Jahr
„Eine Stunde mehr Arbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt“, sagte CSU-Chef Markus Söder in der Sendung. Eine Stunde mehr Arbeit in der Woche – eine einfache Rechnung zeigt das Ausmaß: Bei 52 Wochen im Jahr abzüglich sechs Wochen Urlaub spekuliert Söder darauf, dass die Deutschen insgesamt rund sechs Tage mehr im Jahr arbeiten, um die Wirtschaft in Deutschland anzukurbeln.
Nicht die einzige Aussage, die vielen sauer aufstoßen könnte. Markus Söder stellt sich außerdem hinter Kanzler Friedrich Merz, der angekündigt hatte, die telefonische Krankschreibung abschaffen zu wollen. Außerdem äußerte er, dass er einen Karenztag bei Krankheit befürwortet. Das würde bedeuten, dass Arbeitnehmer keinen Lohn bekommen, wenn sie sich krankmelden. Die Einschätzung von Söder: „An Brückentagen ist Deutschland immer etwas kranker als wann anders“, sagt er.

Arbeiten die Deutschen zu wenig? Nicht alle sind von den Vorschlägen überzeugt. Kritik kommt etwa von Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. „Ich teile überhaupt nicht, dass die Deutschen zu wenig arbeiten“, sagte sie – und kritisierte, dass die Diskussion der Union an der Lebensrealität vieler Menschen vorbeigeht.
Sozial-Expertin findet Söders Vorschlag „daneben“
Auch Sozialpolitikerin Annika Klose von der SPD kritisiert die Äußerungen. Die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisteten schon sehr viel, die wenigsten scheuten sich, auch „mal eine Stunde mehr zu arbeiten“, sagte sie. Sie verwies zugleich darauf, dass die Festlegung von Arbeitszeiten Sache der Tarifpartner und nicht des Gesetzgebers sei. „Deswegen finde ich die Forderung, ehrlich gesagt, ein bisschen daneben.“
Widerworte auch aus den eigenen Reihen. Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, warnte ausdrücklich vor den Debatten. „Die jüngsten Forderungen aus der Parteispitze lassen die Frage aufkommen: Was haben wir eigentlich für ein Bild von den Beschäftigten in Deutschland? Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass alles auf einer Seite abgeladen wird, nämlich bei den Beschäftigten.“




