Iran-Krieg

Neue Maßnahmen gegen Spritpreise: Deutschland greift durch!

Die Bundesregierung kämpft gegen explodierende Spritpreise. Mit der Einführung täglicher Preiserhöhungen und der Freigabe von Ölreserven reagiert sie jetzt.

Author - Sebastian Krause
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Wegen des Iran-Kriegs will die Bundesregierung die Preise an Tankstellen reguliert und gibt Ölreserven frei.
Wegen des Iran-Kriegs will die Bundesregierung die Preise an Tankstellen reguliert und gibt Ölreserven frei.Katharina Kausche/dpa

Die Bundesregierung reagiert mit neuen Vorgaben für die Preissetzung an Tankstellen und der Freigabe von Ölreserven auf die stark gestiegenen Spritpreise. Tankstellen dürfen die Preise für Diesel und Benzin künftig nur noch einmal am Tag erhöhen, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Mittwoch ankündigte.

Deutschland gibt Teil der Notfallreserven frei

Preissenkungen dagegen seien jederzeit zulässig. Zudem gebe Deutschland einen Teil seiner Notfallreserven frei und verschärfe die Marktaufsicht.

Deutschland orientiert sich am Modell Österreichs

Bei den Preisen an den Zapfsäulen setze Deutschland nun auf ein Modell, das bereits in Österreich gilt. Dies soll „so schnell wie möglich“ eingeführt werden, sagte die Ministerin. Dafür müsse das Kartellrecht geändert werden, woran ihr Ministerium bereits zuvor gearbeitet habe.

„Wir prüfen, ob wir diese Regelung bereits früher implementieren können, gegebenenfalls über ein weiteres laufendes Gesetzgebungsverfahren.“

Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, erklärt auf einer Pressekonferenz, wie die Bundesregierung gegen die steigenden Benzinpreise kämpfen will.
Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, erklärt auf einer Pressekonferenz, wie die Bundesregierung gegen die steigenden Benzinpreise kämpfen will.Bernd von Jutrczenka/dpa

Verbraucher sollen vor Preissprüngen geschützt werden

Die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, hatte sich am Dienstag für das österreichische Modell ausgesprochen: „So werden Verbraucherinnen und Verbraucher vor abrupten Preissprüngen geschützt, ohne den Wettbewerb auszuhebeln“, erklärte ihr Vorsitzender Tomaso Duso.

Der ADAC sieht hingegen die Gefahr, „dass Mineralölunternehmen Preise dann von vornherein stärker anheben, weil Erhöhungen im Tagesverlauf nicht mehr möglich sind“. Eventuell würden die Verbraucherpreise dann sogar höher ausfallen, sagte der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Es braucht Reformen im Kraftstoffbereich

Zuletzt kostete ein Liter Benzin im bundesweiten Schnitt laut ADAC 2,045 Euro, Diesel war mit 2,188 Euro pro Liter noch deutlich teurer. Auf die am Dienstag zunächst gesunkenen Weltmarktpreise für Rohöl hatte der Spritpreis kaum reagiert.

Mittelfristig brauche es vor allem strukturelle Reformen im Kraftstoffbereich, forderte auch die Monopolkommission. Hier kündigte Reiche eine Verschärfung der Missbrauchsaufsicht an. „Das scharfe Schwert des Kartellarms“ werde auf den Kraftstoffsektor ausgeweitet, sagte sie.

Wegen des Iran-Kriegs sind die Öl-Preise in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.
Wegen des Iran-Kriegs sind die Öl-Preise in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen.Hassan Ammar/AP/dpa

Preise sind wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegen

Die Ölpreise und in der Folge auch die Preise für Benzin und Diesel sind seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar stark gestiegen. Den Mineralölkonzernen wird vorgeworfen, die Verbraucherpreise zu stark erhöht zu haben.

Mit der Freigabe der deutschen Ölreserven komme die Bundesregierung einer Bitte der Internationalen Energie-Agentur (IEA) nach, sagte Reiche weiter. Die Organisation verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Am Montag habe die IEA ihre Mitgliedstaaten um die Freigabe von 400 Millionen Barrel gebeten, sagte Reiche.

So werden Verbraucherinnen und Verbraucher vor abrupten Preissprüngen geschützt, ohne den Wettbewerb auszuhebeln.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Straße von Hormus gesperrt

Der Wirtschaftsministerin zufolge hatte insbesondere Japan darauf gedrängt. Das Land ist stark von Öl- und Gasimporten aus der Golfregion abhängig. Wegen der Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran können viele Lieferungen die Region derzeit nicht verlassen.

„Wenn eine solche Bitte an alle Mitgliedstaaten gerichtet wird, wollten wir uns als Bundesrepublik Deutschland nicht unsolidarisch zeigen, sondern einen Beitrag leisten“, sagte Reiche.

Risikoaufschläge und Spekulationen

Der nun beschlossene Schritt sei „gewaltig“: „Es ist in der Sache die größte Freigabe in der Geschichte der IEA.“ Dabei bestehe keine Mengenknappheit. Japan selbst verfüge über große Reserven, die noch monatelang reichen würden.

Die hohen Preise derzeit seien Ausdruck von Risikoaufschlägen und Spekulationsgewinnen, sagte Reiche. In Tokio sowie auch in den USA gehe es daher vor allem um ein „sichtbares Signal in den Markt“.

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