Urteil

Sie war erst 13! Lehrer missbrauchte Schülerin über Jahre

Der 63-jährige Lehrer gestand die Taten vor dem Landgericht Erfurt. Am Donnerstag bekam er seine Strafe.

Author - Stefan Doerr
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Der Gymnasiallehrer (vorn, M.) stand wegen sexuellen Missbrauchs einer Schülerin vor dem Landgericht Erfurt.
Der Gymnasiallehrer (vorn, M.) stand wegen sexuellen Missbrauchs einer Schülerin vor dem Landgericht Erfurt.dpa

Es geschah laut Anklage in der Schule, auf Klassenfahrten und in seinem Wohnhaus: Weil er eine Schülerin über Jahre hinweg sexuell missbrauchte, wurde ein Lehrer in Erfurt zu fünf Jahren Haft verurteilt. Bei den Übergriffen soll es auch zum ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem Mädchen gekommen sein, das zum damaligen Zeitpunkt erst 13 Jahre alt war.

Von 2016 bis 2020 hat sich der heute 63-Jährige in mehr als 80 Fällen an dem Mädchen vergangen. Schon zu Beginn des Verfahrens hatte der Thüringer Gymnasiallehrer für Sport und Geschichte die Taten gestanden, was strafmildernd wirkte. Fünf Jahre und drei Monate Gefängnis lautete das Urteil des Landgerichts. Die Dimension und Umstände des Falls machten ihn fassungslos, sagte der Vorsitzende Richter Holger Pröbstel. Das psychisch labile Mädchen habe eine Schulter zum Anlehnen gesucht – und der Angeklagte habe daraus einen langjährigen sexuellen Missbrauch gemacht.

Verurteilter Lehrer ist selbst Vater

Die sexuelle Beziehung zu der Schülerin habe sich aus einem Vertrauensverhältnis heraus entwickelt, hatte der in dritter Ehe verheiratete Studienrat den Missbrauch zu Beginn des Verfahrens am 22. Oktober erklärt. Der Mann ist sogar selbst Vater. Er übernehme die Verantwortung dafür, gleichzeitig sagte er, er habe es immer beenden wollen und dass er Kondome verwendet habe. „Mir war schon nach dem ersten Mal klar, dass es falsch war“, sagte der Angeklagte.

Richter Holger Pröbstel machte der Fall des missbrauchten Mädchens fassungslos.
Richter Holger Pröbstel machte der Fall des missbrauchten Mädchens fassungslos.Martin Schutt/dpa

Schülerin meldete den Missbrauch vergeblich

Klare Worte richtete Richter Pröbstel auch an das Gymnasium, an dem noch ein weiterer Lehrer des sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung von anderen Schülerinnen verdächtig ist: „Die Schule gibt ein verdammt falsches Bild ab.“ Das Mädchen hatte sich an diesen – inzwischen angeklagten – Vertrauenslehrer wegen ihres sexuellen Missbrauchs gewandt. Dieser solle dann aber mit ihr pornografische Bilder ausgetauscht haben. Auch habe sich die Gymnasiastin an den Schulleiter gewandt und sei dort abgeblitzt. „Mit dem Schulleiter hätte ich gerne Tacheles geredet“, zeigte sich der Vorsitzende Richter emotional bewegt.

Mit dem Urteil soll laut Pröbstel auch ein deutliches Signal dafür gegeben werden, dass wer solche Straftaten in geschützten Räumen wie der Schule begehe, dafür auch entsprechend bestraft werde.

Der 63-Jährige verpflichtete sich dazu, einen Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 30.000 Euro an die junge Frau zu zahlen. In seinem letzten Wort hatte er sich erneut bei seiner früheren Schülerin und deren Familie entschuldigt. (mit dpa)